Herzensfarben


Ich knie
In weichen Wellen
Versinke
Im warmen Sand
Und färbe den Himmel mit schnellen
Strichen aus lockerer Hand.
Und treibe
Wie ein Stück Holz
Leblos, zeitlos, ziellos
Und finde
Herzensfarben am Horizont
Und ziehe sie an voller Stolz.

10. August 2021


Dieses Gedicht entstand während meiner Kur auf Norderney im August 2021. Ich hatte mir vorgenommen, mich in dieser Zeit weder mit meinen Schreibprojekten noch mit sozialen Medien zu befassen. Stattdessen wollte ich lesen und – sofern die Muse mich küsste – dichten.
Es entstanden tatsächlich eine ganze Reihe von Gedichten, einige lustige Limericks über die Erlebnisse im Kuralltag, mit denen ich meine Mitstreiterinnen erheitern konnte, aber auch einige nachdenkliche Stücke mit sehr unterschiedlichen Inspirationsquellen. Das Meer selbst ist eine solche Quelle für mich, was sich in diesem Gedicht spiegelt. Die Bilder habe ich ebenfalls in der Kur aufgenommen und ich finde, sie passen perfekt zu der Stimmung der Worte.

Christmas with Granny McPherson – Book Review

She’s done it again. And this time she’s even done it despite the fact that this book was written in first person present tense, which I usually hate. Nellie K. Neves made me read this story through within 24 hours. She had me riveted, laughing and thoroughly enjoying myself.

So what is it all about?
The story has alternating points of view. One is Evan, who is a successful cook book author. However, he is not everybody’s sweetheart, socially awkward and therefore hired an old lady to front as the dearie who came up with all the wonderful recipes. Until the day the old lady blows her cover and leaves Evan and his manager in panic.
The other is Brooke, who is single-handedly trying to run a bed and breakfast despite the fact that she can’t cook and burns down her kitchen, trying.
Enter the manager with the brilliant idea of creating a social media event, featuring Evan in Brooke’s bed and breakfast out in the country, show cooking and baking to establish a new brand.
The whole thing is hilarious. There are cameras and strange media folks all over the place, everything that could possibly go wrong goes wrong and is then miraculously saved by the simply fact that sparks are flying right, left and center between Brooke and Evan. There are snowball fights, food fights, tender moments, awkwardness and more and more glimpses into the past that explain how both of them ended up being who they are. And all this happens under the spotlight glare of social media.

There were any number of scenes that had me whooping and laughing out loud and while a clean read, the erotic tension created had just the right momentum. Those of you who have been following me a while longer know that I’m a big fan of Nellie and her awesome writing. I shied away from her most recent series, though, for the simple fact that it’s written in first person present tense. I grabbed this book because it was a freebie without checking. I just might overcome my apprehensions now. This story was just too much fun and if you want to, you even have some food for thought about the influence of social media on our lives and what it means to believe in yourself. Oh, and while set in the winter before Christmas, it’s not heavily Christmas themed and can easily be read out of season.

Images by Nellie K. Neves, used by permission.

Die Sprache ist zu modern!

Als Autorin historischer Romane ist mir dieser Vorwurf schon mehrfach untergekommen und ich muss gestehen, dass er mich erheitert. Meine Romane sind im 17. Jahrhundert angesiedelt und seien wir mal ehrlich: Würde ich sie in authentischer Sprache schreiben, würde kein Mensch sie lesen. Beweisstück A:

Geliebte im Herrn / E. Christl. Liebe ist wehemütig zuermelden / was massen der Allmächtige Gott / anch seinem weisen Raht und Willen / des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Herrn Johann Georgens / Herzogs zu Sachsen Unsers gnädigsten Fürsten und Herrns / freundlich vielgeliebte SchwiegerFrauMutter / die weiland Hochgeborene Gräfin und Frau / Frau Loysen Julianen, Gräfin zu Sayn und Witgenstein / gebohrne Gräfin von Erbach / Wittbe / nunmero Christseel. Gedächtnüß / den … zwischen … und … Uhr / von dieser zergänglichen Welt durch den zeitlichen Tod vermittelst eines sanft und seeligen Endes / abgefordert / und der Seelen nach / ohnzweiflich zu sich in die ewige Freude und Seeligkeit versetzet hat.

Ich habe während meiner Recherchen inzwischen verschiedene Zeitdokumente wie den obigen Nachruf auf Gräfin Louise Juliane von Sayn und Wittgenstein von 1670 (Auszug) gelesen und dabei festgestellt, dass Grammatik und Satzzeichen eine relativ neue Erfindung sein müssen, ebenso wie Rechtschreibung. Im oben zitierten Absatz sieht das alles noch recht harmlos aus, aber in anderen Texten brauchte man schon extrem viel Fantasie, um überhaupt etwas zu verstehen. Da wurde gern mal das gleiche Wort in vier verschiedenen Varianten geschrieben und Sätze gab es nicht. Es war einfach nur eine Aneinanderreihung von Worten, eine endlose Schlange, an deren Ende man eine Ahnung vom Willen des Schreibers hatte. Wie beispielsweise dieser Schirm- und Schutzbrief von Kaiser Ferdinand III. von 1639, den ich in mühevoller Kleinarbeit transkribiert habe, und zwar weitestgehend so, wie er dort abgedruckt ist. (Zum Glück abgedruckt, die Handschriften sind ja dann noch einmal eine ganz andere Herausforderung!) Die verschiedenen Schreibweisen des Wortes und habe ich ignoriert (unnd, vnd, unnt usw.). Beweisstück B:

Hier ein kleiner Auszug aus dem obigen Text zur Veranschaulichung:
Ob wohlen Uns als Oberisten Vogt Schutz und Schirm Herr/auß kayserlichem Ampt in alleweg obligend gebührt/alle und jegliche Unsere und deß Heiligen Reichs Stände und Underthanen/sampt Ihren Haab und Güteren/auch Zugehörigen und Verwandten/sonderlich den diesen gegenwertigen gesehenen Läufften und Zeitten/vor aller vergwaltigung/nachtheil und schaden/zu schutzen und zu schirmen/und dieselbe bey Ihren rechtmessig erlangten Freyheiten/Privilegen/Immuniteten/Recht und Gerechtigkeiten /zu erhalten und handezuhaben.
Alles klar, oder?

Der Vorwurf von zu moderner Sprache prallt also recht schmerzfrei an mir ab. Trotzdem stelle ich mir natürlich die Frage, warum ein solcher Vorwurf – so sinnfrei er auch sein mag – gemacht wird. Was steckt dahinter?
Wer historische Romane liest, möchte das Gefühl haben, in eine andere Zeit versetzt worden zu sein, und dabei stellen zu moderne Worte einen Störfaktor dar. Das kann ich durchaus nachvollziehen und versuche das auch zu vermeiden. Keiner meiner Charaktere wird jemals sagen: „Is ja cool!“ Nun ist das Empfinden allerdings sehr individuell, was modern ist und was nicht.

Für mich ist die verwendete Sprache nur ein geringer Teil der Atmosphäre, mit der ich den Leser in die Zeit eintauchen lasse, und hierin liegt auch der Grund, warum ich mich von solch altertümlicher Wortwahl fernhalte: Ich schreibe für ein modernes Publikum. Die Menschen, die meine Romane lesen, sollen sich nicht an merkwürdigen Formulierungen aufhalten müssen, die sie in ihrem Verständnis und Lesefluss behindern. Die Sprache, mit der ich meine Geschichten erzähle, soll so gestaltet sein, dass der Leser sie vergisst. Sie soll Stimmungen erzeugen, Bilder malen und Gefühle transportieren, sodass er gar nicht mehr merkt, dass er liest. Und dafür muss ich eine Sprache verwenden, die eingängig und leicht zu verstehen ist.

Bei aller Liebe zum Detail und dem Wunsch nach Authentizität kann und will ich an dieser Stelle keine Abstriche machen. Worte sind meine Farben, mit denen ich Bilder in Deinen Kopf male. Das ist mein Motto und es erfüllt mich mit Stolz, wenn meine Bücher als bildgewaltig beschrieben werden, oder wenn Leser mir sagen: „Ich hatte das Gefühl, dass ich direkt in der Handlung stand!“ Das ist mein Ziel. Und dafür benutze ich eben moderne Sprache. Wie siehst Du das?

P.S.: Falls jemand den Wunsch verspürt, die gesamte Abschrift des Schutzbriefes zu lesen, darf er mir gern eine Nachricht schicken.

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Go tell the bees that I’m gone – An Outlander Review

Last year, I started re-reading the Outlander series by Diana Gabaldon in preparation for the release of book 9, Go tell the bees that I’m gone. The first book in the series is one of my most-read books ever, bringing to life my memories of various visits to Scotland. I have read this story approximately eight times before moving on to the sequel as I was convinced it would not live up to the magic of the first book. By the time I reached An echo in the bone (7), I was in total awe of the ability of Herself to keep the tension of the story high over such a long stretch of time.

Re-reading surprised me in two ways. First of all, I didn’t make it through the first book. I knew, practically by heart, all the gruesome things that were going to happen and I was not up to it. I broke it off half-way through. I skipped Dragonfly in Amber for the simple reason that I didn’t enjoy the time in France and continued with Voyager. My second surprise is probably due to the fact that I am now an author myself and therefore look at the writing a bit more closely as to handicraft. And I noticed that what made these books so fascinating for me, apart from the atmosphere and the amazingly detailed characters, is the philosophical depth of the characters‘ thoughts and emotions. If Outlander is one thing, it is inclusive. Catholics, Presbyterians, Quakers, Mohawk, Germans, Chinese, English, Scots, French, Africans – all these religions and nationalities get along somehow and mostly find a common basis, a point where they can meet and leave their differences behind without giving up their principles. There is a strong sense of equality running through the books and I really, really like that.

So, how did I like Go tell the bees that I’m gone? To be honest, I think it’s not as good as Written in my own hearts blood. In comparison to the previous books, it lacks the philosphical depth, focussing more on letting the reader know what is happening to all the various people we have come to care about. This leads to a lot of hopping from one setting to another, from one person to another, which in my humble opinion has worked better in the past. This time, I have felt as if there were stark islands of action jutting out of a rather dull murky sea, especially in the first half of the book. Every time I had settled into a perspective, felt rattled by what happened and wondered how the respective person was going to handle it, I was thrown into another perspective and the questions I had weren’t answered, or answered in an off-hand way from a different point of view. I was a bit miffed by that.
Later, the impression wasn’t as pronounced and there were longer stretches with a natural flow that kept me engaged, namely Ian’s (+) journey to the Mohawk.
Some things I was kind of tired of reading, like Claire’s favorite curse, other things I deeply enjoyed due to the beautiful writing, descriptions and atmosphere conveyed. I laughed, I cried and overall not for an instant regretted spending my time reading this story, but I didn’t tear through the pages as I did in the past and didn’t get as deeply involved, especially at the end. It was more of a ‚oh, are you really going to… no, of course not.‘ To be fair, that might be due to my personal situation and not the author’s skill. So now I wait again along with everyone else for probably 4-5 years for the next book to arrive, for naturally I want to know what happens next. I don’t like cliffhangers.

Alte Schätze / Old Treasures

Mein neues Regal / My New Shelf

In meinem neuen Bücherregal gibt es einen Boden für alte Schätze: Bücher, die ich von meinen Eltern geerbt oder in Antiquariaten gekauft habe. Neulich habe ich mir die Mühe gemacht, nach den Erscheinungsdaten zu forschen, und ich stellte fest, dass ich einige Bücher besitze, die über 100 Jahre alt sind. Der Star dieser Abteilung ist sicherlich die englische Ausgabe von Charles Dickens‘ Martin Chuzzlewit von 1872. Und ja, ich habe sie gelesen!

In my new bookshelf, there is one compartment for old treasures: Books that I have inherited from my parents or bought in second-hand bookshops. A little while ago, I went through the trouble of finding out the publishing dates of the individual volumes. I found that I own several books which are 100 years or older. Star of this collection most certainly is the household edition of Charles Dickens‘ Martin Chuzzlewit from 1872. And yes, I’ve read it!


Natürlich schlägt man bei einer solchen Aktion die Bücher auch auf und in Selma Lagerlöfs Gösta Berlings Geschichte las ich spaßeshalber das Vorwort von Hanns Heinz Ewers aus dem Jahre 1911.

Of course I opened the books and stumbled across a foreword to Selma Lagerlöf’s Goesta Berling, written by one Hanns Heinz Ewers in the year 1911


Für diejenigen, die sich mit der deutschen Schrift etwas schwertun, schreibe ich es hier noch einmal ab:

Oscar Wilde, der die dichtenden Frauen hasste, sagte einmal in Bezug auf ihren wunderbaren Roman „Gösta Berlings Saga“ sehr entschieden: „Ach was, sie hat dies Buch ja gar nicht geschrieben!“ Und als man ihn fragte, wer es denn geschrieben habe, antwortete er: „Sie nicht – – es in ihr.“ So paradox das klingt, es mag doch etwas daran sein, wenn man auch schwerlich je dahinter kommen wird, was denn dieses geheimnisvolle „es“ eigentlich sei.
Manche glauben, und nicht die Dümmsten, dass Ideen ihr eigenes Leben haben, dass sie nicht Produkte irgend eines Hirnes seien, sondern sich betten in diesem oder jenem Hirne, dort verkümmern oder aber ausreifen, bis sie eines jungen Tages in die Erscheinung treten. So mag es kommen, dass zwei und drei Menschen urplötzlich zu gleicher Zeit an ganz verschiedenen Weltecken dieselbe große Erfindung, dieselbe wissenschaftliche Entdeckung machen, denselben künstlerischen Gedanken hegen.

Ich kann bestätigen, dass Ideen definitiv ihr eigenes Leben haben und dass sie einen durchaus so lange nerven können, bis man ihrem unbändigen Erscheinungswillen endlich nachgibt. Gleichzeitig habe ich mir schon öfter darüber Gedanken gemacht, wie in der kulturellen Entwicklung der Menschheit bestimmte Dinge entdeckt wurden. Brot beispielsweise. Es ist naheliegend, dass man Körner essen kann. Aber wer ist auf die Idee gekommen, diese Körner zu zerreiben und sie mit Wasser zu vermengen? Und wer schon einmal Sauerteig gerochen hat, weiß, dass das alles andere als appetitlich riecht. Wie also kam es zum Sauerteigbrot?
Oder Eisen. Wie viele Schritte sind nötig, um aus Erz einen Gebrauchsgegenstand herzustellen? Und wer hat daran getüftelt? Es bringt mich zu der Überzeugung, dass Ideen eine ganz eigentümliche Dynamik haben und etwas sehr Lebendiges, ja geradezu Elektrisierendes sind. Vermutlich sind sie nahe verwandt mit dem Schöpfergedanken, dessen Echo uns in Unruhe versetzt und mit Begeisterung füllt. Ideen sind Lebensmotor und Schaffensmotivation und ohne sie würden wir vermutlich immer noch im Gras sitzen und Körner kauen.

Und dann ist da noch diese Überraschung, dass manche Ideen gar nicht so neu sind wie man glaubt. Der obige Text könnte in moderner Formulierung aus einem aktuellen Social Media Post eines Autors stammen, aber nein. Er ist über 100 Jahre alt. Auch damals waren Autoren bereits den Launen ihrer Geschichten und Charaktere hilflos ausgeliefert. Ich finde das ausgesprochen sympathisch. Und du?

Let me give you a translation of what is being said here:

Oscar Wilde, who hated women writing poetry, once said with regard to her wonderful novel „Gösta Berlings Saga“ quite resolutely: „Mind you, she hasn’t written that book herself!“ When asked who had written it, he replied: „Not her – – it within her.“ As paradoxical as this may seem, there appears to be some truth in this, even though one will hardly find out what this mysterious ‚it‘ may really be.
Some believe, and they are not the most stupid, that ideas have their own lives, that they are not products of someone’s brain, but retire to this brain or that, to waste away there or grow ripe, until one young day they appear. That’s how it may come to pass that two or three people at different corners of the world all of a sudden make the same great invention, the same scientific discovery, have the same artistic thought.

I can confirm that ideas definitely have a life of their own and that they may get on your nerves incessantly until you finally give in to their irrepressible will to come into existence.
At the same time, I have repeatedly wondered how certain things were discovered in the course of the cultural development of humanity. Bread for example. It is quite obvious that grain is edible. But whose idea was it to grind it and mix it with water? And if you ever got a whiff of sour dough, you know it smells anything but enticing. So how did sour dough bread come to happen?
Or take iron. How many steps are necessary from iron ore to a finished tool? Whoever thought of all that?
It brings me to the conclusion that ideas possess curious dynamics, something alive or even electrifying. They are probably related to the creator’s thoughts, whose echo makes us restless and fills us with enthusiasm. Ideas are life engines and motivation to create, and without them we would likely still be sitting in the grass, chewing grain.

And then there is this surprise that some ideas aren’t as new as you thought. The above text, worded a bit differently, could have come straight from an authors current social media post, but no. It is more than 100 years old. Even back then authors were helplessly entangled in the grip of their stories and characters. I really like that thought. What about you?


Die letzte Nekromantin – Rezension

Das Ministerium der Kuriositäten – so lautet der Titel der Reihe, die mit diesem Buch eingeläutet wird. Wer Dark Fantasy in einem historischen Setting mit einem Spritzer Romantik mag, ist hier sehr gut aufgehoben.

Die letzte Nekromantin ist nicht das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe – zu Beginn der Pandemie habe ich zehn Bände ihrer Glass & Steele Reihe am Stück durchgesuchtet – aber es ist das erste Buch, das ich übersetzen durfte. Was soll ich sagen? Ich war deutlich früher fertig, als ich geplant hatte, denn die Story ist so spannend, dass ich unbedingt wissen musste, wie es weitergeht, und entsprechend nicht aufhören konnte zu arbeiten. Wenn das keine Motivationshilfe ist!

Es geht um Charlie, ein junges Mädchen, das nach dem Tod der Mutter vom Vater vertrieben wurde und sich seither als Junge getarnt in den Armenvierteln Londons Ende des 19. Jahrhunderts durchschlägt. Sie besitzt eine merkwürdige Fähigkeit: Sie kann Geister sehen und Tote beschwören. Das bringt ihr die Aufmerksamkeit fragwürdiger Gestalten ein und ein Mann schafft es, sie zu fangen: Lincoln Fitzroy. Er ist der Kopf einer Geheimorganisation, die einem Wahnsinnigen auf der Spur ist, und Charlie soll ihm helfen. Doch die Erfahrung hat sie gelehrt, dass sie niemandem trauen kann.

Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet. Charlie, misstrauisch und eigensinnig, die sich mit Händen und Füßen gegen alles wehrt, was an sie herangetragen wird. Lincoln, geheimnisvoll und eiskalt, der zielstrebig seine Pläne verfolgt, Charlie gegenüber aber untypisch beschützend auftritt. Und dazu eine Handvoll bunter Nebendarsteller vom trotteligen Gus bis zur feinen Lady Harcourt, die die Handlung nicht nur abwechslungsreich, sondern auch ausgewogen machen.

Das Erzähltempo ist flott, die Spannung steigt zum Ende hin immer mehr an und wartet mit einer wirklich starken Wendung auf, bei der ich innerlich gejubelt habe und völlig von den Socken war. Geniale Idee und ich werde sie auf gar keinen Fall spoilern!

Bevor ich diesen Auftrag annahm (ich darf die ganze Reihe übersetzen) habe ich intensiv überlegt, ob ich mich mit diesem Thema befassen will. Herumspazierende Leichen sind jetzt eher nicht so meins und doch ließ mich die Geschichte nicht los, denn eins wusste ich: C.J. Archers Schreibstil ist genau mein Ding. Sie beherrscht Spannung, sie beherrscht Charakterentwicklung, und zwar über den gesamten Rahmen der Reihe, nicht nur im einzelnen Band, und sie beherrscht das Spiel mit dem Übernatürlichen, das ganz selbstverständlich in das Alltagsleben der Figuren eingewoben wird. Und da hatte ich Bock drauf. Ich habe mich also rückversichert, dass es nicht zu gruselig oder ekelig wird, und mich mit Freude ans Werk gemacht.

Einen gewissen Hang zum Düsteren sollte man schon haben, um dieses Buch zu genießen, aber die Beschreibungen sind absolut nicht darauf angelegt, Ekel zu erregen oder den Leser zu schocken. Ein wohliger Schauer darf sein; vor mehr muss man sich nicht fürchten.

Das Buch erscheint am 18. Januar 2022 und kann bereits vorbestellt werden. Ich habe es hier für euch verlinkt. Absolute Leseempfehlung von mir! Allerdings muss ich euch auch warnen: Diese Bücher machen süchtig und man muss jeweils ein halbes Jahr warten, bis das Nächste herauskommt. Es sei denn, man kann auf Englisch lesen, da ist die Reihe komplett.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Wie oft hast Du diesen Satz schon gesagt, ohne dabei an seinen Ursprung zu denken? Die Redewendung stammt aus einer Zeit, in der man sein Mehl nicht fertig verpackt im Supermarkt kaufte. Die Menschen lebten größtenteils von dem, was sie anbauten und in ländlichen Regionen brachte man sein Getreide zur Mühle, um es dort mahlen zu lassen.
Im Westerwald im 17. Jahrhundert waren Bannmühlen üblich. Das bedeutete, dass jedes Dorf einer bestimmten Mühle zugeordnet war und die Leute ihr Getreide – unter Androhung von Strafen, wenn sie den Mühlenbann brachen – nur dort mahlen lassen durften. Somit hatte der Müller ein Monopol und ein relativ sicheres Einkommen. Und es wurde strikt nach der Reihenfolge des Eintreffens gearbeitet: Wer zuerst da war, bekam auch zuerst sein Getreide gemahlen.
Da die Mühlengäste so öfter mal warten mussten, war es nicht unüblich, dass der Müller nebenbei auch noch eine kleine Gastwirtschaft betrieb.

Ich war sehr erfreut, als ich dies bei meinen Recherchen für den neuen Roman Ein Sonett für die Müllerin herausfand, denn in meinem Kopf bewirtete Protagonistin Sophie die Gäste, wodurch sie auch immer gut über den neuesten Klatsch aus der Gegend informiert war, obwohl sich die Mühle abseits des Dorfes Michelbach am Flussufer befand. Heute ist das Dorf bis an die Mühle herangewachsen, aber trotzdem ist das Tal der Wied ein sehr ruhiger, friedlicher Ort, wie man auf diesem Video sehen kann. Am Ende sieht man hinter den Bäumen das Dach des heutigen Mühlengebäudes.

Die Wied in Michelbach, Westerwald, unterhalb der Mühle

Obwohl im Roman der 30jährige Krieg gerade zu Ende ist, wird Sophie von den Ereignissen auf der Mühle ziemlich gebeutelt. Moment. Gebeutelt? Woher stammt denn eigentlich dieser Ausdruck? Hierzu müssen wir ein wenig in die Mechanik des Mahlvorganges einsteigen. Über einen Trichter wurde das Getreide in die Mahlkammer geschüttet. Dabei sorgte der sogenannte Rüttelschuh dafür, dass das Getreide langsam und gleichmäßig zwischen die Mühlsteine rieselte. Er war über eine einfache Stabmechanik mit dem Antriebsrad (Bunkler) des Läufersteins verbunden. Dieser Stab klapperte gegen die Speichen des Bunklers und verpasste damit dem Rüttelschuh mit jedem Klappern einen Stoß. Damit wäre auch geklärt, warum die Mühle am rauschenden Bach klappert, wie es in dem alten Volkslied heißt.
Das Getreide wurde zwischen den Mühlsteinen zerrieben und über die eingemeißelten Rinnen nach außen transportiert, wo es weiter in den Mehlkasten rutschte, bzw. in den Stoffschlauch, der im Mehlkasten hing. Dieser wurde genau wie der Rüttelschuh in Schwingung gebracht (noch mehr Klappern), das feine Mehl fiel durch die groben Maschen des Beutels in den Mehlkasten und der Rest, die Kleie, rutschte durch den Kleiekotzer hinaus in den Auffangsack. Wer also gebeutelt wird, der wird hin und her geschüttelt.
Das Beuteln des Mehls wurde allerdings von der armen Landbevölkerung abgelehnt – es ging dabei viel zu viel Masse verloren. Wenn die Kleie, also die Schale des Korns, nicht vom Mehl getrennt wird, hat man übrigens das, was wir heute als Vollkornmehl verstehen.
Neben dem Klappern haben die Mühlsteine selbst einen unvorstellbaren Lärm gemacht, sodass die häufigste Berufskrankheit der Müller Taubheit war. Seit ich selbst eine kleine elektrische Getreidemühle besitze, kann ich das absolut nachvollziehen. Das Ding macht ein grässliches Getöse!
Über den Kleiekotzer werde ich in einem weiteren Post noch näher berichten. Abonniere doch einfach meinen Blog, um den nächsten Beitrag nicht zu verpassen!
Und hier geht es zur Beschreibung von Ein Sonett für die Müllerin.

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Rückblick 2021

Ein frohes und gesegnetes neues Jahr wünsche ich allen meinen Lesern!

Mein erster Eindruck von 2022 war absolut friedlich. Beim Morgenkaffee sah ich draußen zwei Silberreiher vorbeifliegen und kurz darauf einen Buntspecht, der sich am Vogelhäuschen bediente. Als ich dann – wie jeden Morgen – zum Stall ging, um die Pferde auf die Weide zu bringen, hörte ich nichts als Vogelstimmen. Finken, Meisen, Spatzen, Krähen, den spitzen Schrei eines Raubvogels, wahrscheinlich war es der Bussard, der oft auf den Zaunpfosten sitzt. Kein Auto, keine Kreissäge, kein Mensch sonst unterwegs.

Das vergangene Jahr war nicht so friedlich. Emotional hatten wir als Familie so einige Herausforderungen zu meistern, manches wundersam, manches belastend. Während wir selbst mit der Pandemie, Lockdown, Homeschooling, Quarantäne und allem, was noch dazu gehört, recht gut umgehen konnten, lag und liegt die ganze Situation dennoch wie ein Mühlstein auf uns, denn als Hochsensible spürt man nicht nur den eigenen Schmerz, sondern auch den der Menschen um einen herum. Die Flutkatastrophe direkt vor unserer Haustür hat mir massiv zugesetzt, zumal ich einige Menschen kenne, die direkt betroffen sind. Da war es schon ein Segen, dass ich im August in Kur fahren konnte, das erste Mal in meinem Leben. Diese Zeit war sehr wertvoll. Ich konnte Dinge ordnen und loslassen, mir darüber klarwerden, was mir eigentlich gut tut, und habe dadurch einiges an Lebensqualität gewonnen.

Buchtechnisch war 2021 recht erfolgreich. Meine beiden historischen Romane Die stumme Magd und Die Kannenbäckerin mussten nachgedruckt werden und letztere schaffte es sogar auf Platz 2 der internen Bestsellerliste des Francke-Verlages. Das hatte ich so nicht erwartet und kann es noch immer kaum glauben. Gleichzeitig fiebere ich nun der Veröffentlichung des nächsten Romans entgegen, von dem ich bis heute nicht weiß, wie ich den mitten im Lockdown mit zwei Teenagern im Homeschooling überhaupt fertig bekommen habe. Doch dazu werde ich noch einen gesonderten Post machen. Er soll Mitte Januar erscheinen und trägt den romantischen Titel Ein Sonett für die Müllerin.

2021 habe ich es auch endlich geschafft, wieder ein englisches Buch zu veröffentlichen: The Silent Maid. Vom Bestseller bin ich hier weit entfernt, aber immerhin habe ich den bescheidenen Erfolg erzielt, innerhalb der ersten 8 Monate seit Erscheinen den Break-even zu erreichen, d.h. die Ausgaben für das Cover habe ich hereingeholt und die Werbung wird von den Einnahmen mit leichtem Plus abgedeckt. Damit bin ich absolut zufrieden, denn ich weiß selbst, dass Marketing meine große Schwäche ist.

Das bringt mich zum großen Thema Social Media. Ich bin auf Facebook, Twitter und Instagram vertreten, bei Twitter mehr oder weniger pro forma, denn mit der Plattform kann ich absolut nichts anfangen. Facebook war lange Zeit eine Art Zuhause für mich, doch inzwischen nervt es nur noch. Die Algorithmen haben meine Reichweite immer mehr eingeschränkt und wenn ich keine Werbung schalte, sieht niemand meine Posts. Bei Instagram hatte ich nur zu Werbezwecken einen Account eröffnet und war dann positiv überrascht, was für eine tolle Community mir dort begegnet ist. Ich habe viele kreative Köpfe kennengelernt und es geschieht eine Menge wertvoller Austausch, durch den ich tatsächlich inspiriert wurde, wieder Gedichte zu schreiben. Leider wird inzwischen auch dort der Druck des Geldes immer größer und ich bekomme wie bei Facebook hauptsächlich Werbung und dubiose Vorschläge angezeigt anstatt der Accounts, die ich abonniert habe. Daher habe ich beschlossen, mich verstärkt meinem Blog zu widmen, den ich bisher sträflich vernachlässigt habe. Natürlich bleibe ich auch weiterhin in den sozialen Medien vertreten, aber vermutlich mit anderen Schwerpunkten.

Ich bin gespannt, was dieses Jahr bringen wird. Neben dem neuen Roman bei Francke werde ich im Mai eine Novelle veröffentlichen, die ich letztes Jahr geschrieben habe. Es war ein kleines Fun-Projekt, das man in der Rubrik magischer Realismus einordnen kann. Ich brauchte das einfach, mal etwas ganz Unbeschwertes und Abwegiges zu schreiben und es ist so fröhlich bunt geworden, dass ich es euch nicht vorenthalten möchte. Dann arbeite ich bereits intensiv am nächsten historischen Roman, der sich diesmal um eine reale Person dreht, nämlich die Gräfin Louise Juliane von Sayn-Wittgenstein, auch bekannt als die Hungergräfin. Diese beeindruckende Frau ist mir bei den Recherchen der anderen Romane mehrfach begegnet und ihre unglaubliche Lebensgeschichte ist einfach zu spannend, um sie nicht zu erzählen. Am vorletzten Tag des Jahres habe ich mich noch mit Frau Dr. Seelbach getroffen, einer Historikerin vor Ort, die mich in der Vergangenheit schon unterstützt hat und die ebenfalls großer Fan der Gräfin ist. Es war ein wunderbarer Nachmittag, an dem wir über die Vergangenheit geredet haben, als wäre es der neueste Klatsch und Tratsch. Dazu war es ungemein hilfreich, meinen Plot mit jemandem durchzusprechen, der sich im Zeitgeist des 17. Jahrhunderts auskennt. Dabei habe ich gelernt, dass einige meiner historisch nicht belegten Ideen gar nicht so abwegig waren, wie ich gedacht hatte.

Natürlich stehen für 2022 auch einige Übersetzungen auf dem Plan, unter anderem die mehrteilige Ministerium der Kuriositäten-Reihe von C.J. Archer und Die Kannenbäckerin, die ich gern auf Englisch veröffentlichen würde. Langweilig wird es mir also auch in diesem Jahr nicht, auch wenn ich mein Arbeitspensum etwas zurückgeschraubt habe und mit längerfristigen Deadlines arbeite. Sicher ist, dass es von mir Neues zu lesen geben wird. Freut ihr euch drauf?

Neuerscheinung – Jabando, Die verwunschene Stadt

Jabando geht in die 5. Runde und für dieses Buch lag mir ein besonderes Thema am Herzen: die Offenbarung Kindern zugänglich zu machen. Verrückt? Nicht verrückter als die Idee, mit einem Nintendo-Spiel in die Bibel zu reisen.
Nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, erlebte ich prompt die erste große Überraschung. Natürlich musste ich die Offenbarung erst noch einmal gründlich lesen. Ich wusste zwar bereits, dass ich die wirren Bilder und Visionen über kinderfressende Drachen und apokalyptische Reiter außen vor lassen würde, aber da gab es noch so einiges, was mir nicht mehr im Gedächtnis war. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass am Ende eines jeden Sendschreibens eine bestimmte Sache versprochen wird, Für mich war augenblicklich klar: Das sind Items in einem Computerspiel. Wie cool ist das denn bitte?

So hatte ich für diesen Band einen neuen Spielmodus. Es galt nicht, Level zu bestehen, sondern Items zu finden, um dann im nächsten Schritt die Stadt, in der sich alles abspielt, vom Bösen zu befreien – der finale Bossfight, bei dem es in der Offenbarung Feuer vom Himmel regnet. Das musste ich mir noch nicht einmal ausdenken.

Was diesen Band für mich besonders spannend machte, war die Kombination der Hauptfiguren. Tom und Lena kennen Leser bereits aus früheren Bänden der Reihe. Neu hinzugekommen ist Albert, ein überheblicher Besserwisser, den keiner in der Klasse leiden kann, weil er ständig prahlt und sich selbst zum Zocker-König ernannt hat. Ausgerechnet die drei sollen zusammen ein Referat erarbeiten und das geht im ersten Anlauf gründlich in die Hose. Lena und Albert geraten heftig aneinander, doch der Lehrer besteht darauf, dass sie zusammenarbeiten. Ich muss gestehen, dass Tom mir zwischenzeitlich ziemlich leidtat in seiner Rolle als Vermittler.

Doch Jabando hat die Eigenschaft, Menschen an ihre Grenzen zu bringen und sie zu verändern, und das geschieht auch hier.

Wer bisher mit der Offenbarung nicht viel anfangen konnte, findet in diesem Buch vielleicht einen Einstieg, auch wenn es sich eigentlich um ein Kinderbuch handelt. Wie gewohnt findet man am Ende den Themenschatz mit einigen Anregungen zum Nachdenken oder Diskutieren sowie eine Liste der verwendeten Bibelstellen. Mein Lieblingsvers ist sicherlich Offenbarung 21, 4: Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Ein Satz, der angesichts Lenas Behinderung eine ganz besondere Brisanz erhält, der ich nicht ausgewichen bin.

Der aufmerksame Beobachter wird feststellen, dass die Figuren etwas anders aussehen als auf den vorherigen Bänden. Das hat den Grund, dass der Francke-Verlag die Reihe nicht fortsetzen wird. Da ich die Geschichte bereits geschrieben hatte, ehe diese Entscheidung fiel, erscheint sie jetzt im Eigenverlag als Taschenbuch mit von mir angefertigtem Cover und Illustrationen. Zuvor verwendete Schriftarten und Grafiken wurden mir vom Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt, sodass Fans das Buch gleich als Teil der Reihe erkennen können. Bestellen kann man es hier sowie überall im Buchhandel. Über die anderen Bände der Reihe kann man sich unter www.jabando.de oder auf der Seite des Francke-Verlags informieren.

Wolkenwald

Der 5. August war der erste Tag meiner Kur auf Norderney. Das Wetter war durchwachsen und es wehte ein kräftiger Wind, der mich jedoch nicht davon abhielt, abends meinen ersten Spaziergang am Strand zu machen. Fasziniert beobachtete ich das Wolkenspiel am Himmel, durch das die Sonnenstrahlen wie ein leuchtender Vorhang fielen. Natürlich zückte ich mein Handy und fotografierte drauf los. Dann sah ich sie, die Insel am Himmel, und dachte: „Wolkenschloss.“ Je länger ich hinsah, desto mehr wuchs das Gebilde an und mein nächster Gedanke war: „Nein, nicht Wolkenschloss. Wolkenwald.“

Wieder in meinem Zimmer schnappte ich mir den Gedichtband von Rilke, den ich im letzten Moment vor der Abfahrt noch in meine Tasche gesteckt hatte und las dort weiter, wo ich aufgehört hatte.

Wer du auch seist: am Abend tritt hinaus
aus deiner Stube, drin du alles weißt;
als letztes vor der Ferne liegt dein Haus:
wer du auch seist.
Mit deinen Augen, welche müde kaum
von der verbrauchten Schwelle sich befrein,
hebst du ganz langsam einen schwarzen Baum
und stellst ihn vor den Himmel: schlank, allein.
Und hast die Welt gemacht. Und sie ist groß
und wie ein Wort, das noch im Schweigen reift.
Und wie dein Wille ihren Sinn begreift,
lassen sie deine Augen zärtlich los …
aus: Rainer Maria Rilke – Gedichte, Fischer Verlage

Mit dem Bild der Wolkenbäume frisch im Kopf und dem Bewusstsein, dass ich gerade mein Haus verlassen hatte, um in der Kur mal einen Blick von außen auf meinen Alltag zu werfen, hat mich dieses Gedicht gelinde gesagt umgehauen. Und da ich mir sowieso vorgenommen hatte, in der Kur Gedichte zu schreiben, war dies meine Antwort darauf:

Wolkenwald
Ich trat hinaus am Abend nach dem Regen,
konnt ob der Schwere kaum mehr mich bewegen,
hielt meinen tränend Kopf in meiner Hand.
Zu schauen weichen Klang von fernen Wellen,
ihr Sehnen mein Gemüt mir zu erhellen,
so stand ich fest verwurzelt dort an Land.
Hoch oben in den Wolken sah ich’s strahlen,
so weit entfernt von meinen täglich Qualen,
aus Farbenspiel gewachsen edler Wald.
Ach, könnt ich diese Wurzeln von mir reißen,
mich durch die Fesseln meines Alltags beißen,
Wolkengebilde wär’n mein nächster Halt.
Die Schwingen meines Herzens zucken müde,
doch das soll nicht ihr letzter Zustand sein.
Ich traue auf der Wellen sanfter Lieder,
lass fallen mich in starke Hände Dein.
(c) Annette Spratte 2021

Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich an dem Tag ziemlich heftig Migräne hatte, mich aber trotzdem durch alle fünf Termine gequält habe, die für den Tag angesetzt waren. Kur ist schließlich kein Urlaub. So kam diese kuriose Gefühlsmischung aus Überlastung, Schmerz und Hoffnung zustande, dass ich in diesen drei Wochen in der Lage sein würde, mir mit Gottes Hilfe mit meinen müden Augen eine neue Welt zu schaffen. Denn Welten schaffen ist nun einmal eine meiner Spezialitäten.

Weitere Eindrücke und Gedichte aus der Kur werde ich in nächster Zeit hier im Blog veröffentlichen.