Meine erste Buchmesse

Am 14. Mai war es so weit: Die Limbuch 22 in Limburg öffnete ihre Tore und ich war als relativ kurz entschlossene Ausstellerin dabei. Zum Glück nicht allein, denn ich teilte mir einen Stand mit der wunderbaren Susanne Degenhardt. Bisher kannten wir uns nur von Instagram, doch als wir gemeinsam hinter unserem vollgepackten Tisch saßen, war es, als würden wir uns schon ewig kennen. Es gab reichlich zu erzählen, was gut war, denn die Besucherströme entpuppten sich eher als spärliches Rinnsal.

Ich hatte es ja schon geahnt und wohlweislich einen Karton gepackt, in dem ein Grundvorrat an Büchern sowie mein Dekomaterial enthalten war. Alle anderen Bücher ließ ich erstmal im Kofferraum – wo sie auch blieben.
Der Messestart lieferte mir als Autorin historischer Romane gleich schon einen Leckerbissen, denn am Nachbarstand warf sich eine Ausstellerin in ein historisches Kostüm, angesiedelt im 18. Jahrhundert. Ihr beim Ankleiden zuzusehen, war wirklich spannend, zumal sie mit der Information aufwartete, dass man die Schuhe besser zuerst anzog, weil man später mit Korsett und den diversen Röcken plus Polstern nicht mehr an die Füße kam. An sowas hätte ich ja auch noch Spaß.

Ansonsten war die Halle eher in der Hand der Romance und Fantasy Autoren jeglicher Couleur. Besonders die Gay Romance Abteilung dürfte sich darüber gefreut haben, dass zeitgleich vor dem Eingang der Limburger Stadthalle eine LGBTQ+ Kundgebung stattfand. In der Halle bekam man davon allerdings nichts mit, abgesehen von den vielen Regenbogenfähnchen, die die Besucher bei sich trugen.
Ich hatte gehofft, viele Buchgespräche führen und reichlich Bücher verkaufen zu können. Die Ausbeute war in beiderlei Hinsicht recht gering, aber immerhin bin ich nicht ganz ohne Verkäufe wieder heimgefahren und durfte auch einige Bücher signieren.

Meine Messeerfahrung beschränkte sich bisher nur auf Pferdemessen, aber ich habe festgestellt, dass mir auch Buchmessen großen Spaß machen. Allein würde ich so einen Stand nicht betreuen wollen, aber mit ein oder zwei Helfern oder im Zusammenschluss mit anderen Autoren würde ich das jederzeit wieder machen. Sehr gern würde ich mal an der Leipziger Buchmesse teilnehmen. Das Messegelände kenne ich bereits und finde es sehr schön. Dort einige Tage in die Welt der Bücher einzutauchen, könnte ich mir sehr gut vorstellen. Bis April 23 ist ja noch etwas Zeit. Vielleicht ergibt sich bis dahin eine Möglichkeit!
Mein Fazit zur Limbuch: Finanziell ein Verlust, persönlich ein Gewinn und ich würde definitiv wieder hinfahren, denn mit einer Stunde Anreise ist diese Veranstaltung wirklich gut machbar.

The Dragon – Der Drache

Back in June, 1991 I wrote a poem. I must admit that I haven’t thought of it in years. Now, however, it suddenly has a painful relevance again. Here’s the voice of my 21 year-old self:


The Dragon
A tremour runs through the ground
Making the trees murmur in anxious foreboding.
Their whisper rises to a violent roar
Under the mighty wings of the dragon.
He lights the nightsky in brilliant flame,
The sides of the mountain like flowing blood,
In terrible beauty,
Spreading fascinated fear
Among all who behold him.
As they stand and gaze
He comes towards them.
The trees cry out
And fall in his blaze.
He gives them no heed
Nor the people
Whose charred and burned bodies
Are mingled with smouldering wood.
In desolate destruction
He knows no fear.
He is faster than lightning,
Stronger than thunder,
More violent than a storm.
The people count the dead.
The people record the wasteland.
The people sit back and smile.
The people from whose crooked minds
The dragon has sprung.


Looking at Putin’s war on the Ukraine, I am flabberghasted at how ruthlessly and selfishly one man can drive nations into ruin and change the fate of millions of people around the globe.
I pray for a valiant archer who will see the dragon’s weak spot and shoot it down.

Stop the war.

Im Juni 1991 habe ich ein Gedicht geschrieben. Zugegebenermaßen habe ich jahrelang nicht mehr daran gedacht. Jetzt erhält es jedoch erneut eine schmerzhafte Relevanz. Hier ist die Übersetzung:

Der Drache
Ein Beben lässt den Boden erzittern.
Die Bäume wispern ihre ängstliche Ahnung,
Die unter den gewaltigen Schwingen des Drachen
Zu einem Aufschrei anwächst.
Der Nachthimmel erstrahlt in schillernden Flammen,
Die Berghänge wie blutüberströmt.
In schrecklicher Schönheit
Verbreitet er faszinierte Furcht
Unter allen, die ihn sehen.
Während sie zuschauen,
Kommt er auf sie zu.
Die Bäume schreien auf
Und fallen in seiner Feuersbrunst.
Er beachtet sie nicht,
Auch nicht die Menschen,
Deren verkohlte Körper sich
Mit dem schwelenden Holz vermischen.
In völliger Zerstörung
Kennt er keine Angst.
Er ist schneller als der Blitz,
Stärker als Donner,
Grausamer als ein Sturm.
Die Leute zählen die Toten.
Die Leute erfassen die Verwüstung.
Die Leute lehnen sich zurück und lächeln.
Die Leute, aus deren verschrobenem Gehirn der Drache entsprang.

Wenn ich mir Putins Krieg auf die Ukraine ansehe, dann bin ich fassungslos, wie gnadenlos und selbstsüchtig ein Mann Nationen in den Ruin treiben und das Schicksal von Millionen Menschen rund um den Globus beeinflussen kann.
Ich bete für einen mutigen Bogenschützen, der die Schwachstelle des Drachen erkennt und ihn vom Himmel schießt.

Stoppt den Krieg.

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Die Tochter der Hungergräfin – Cover Reveal

Da ist es: das Cover meines neuesten historischen Romans. Was es mit der Hungergräfin auf sich hat, habe ich bereits ausführlich in meinem Blogpost Wenn das Leben die besten Geschichten schreibt erzählt. Jetzt hat diese Geschichte auch einen passenden Mantel gefunden. Die kühlen Farben, der Blick aus dem vergitterten Fenster, und im Kontrast dazu das warme Licht der Kerzen – es drückt hervorragend aus, was der Roman alles beinhaltet, die ganze Bandbreite von Gefangenschaft und Verzweiflung zu Hoffnung und Freiheit. Zur Feier des Tages spendiere ich einen kleinen Auszug aus dem ersten Kapitel:

Dann erklangen von draußen Hufschläge und Stimmen. Männerstimmen. Sie verlagerten sich in die Eingangshalle. Jemand verlangte energisch, bei der Gräfin vorzusprechen. Ich erkannte die Stimme von Korporal Quast, der ebenso energisch ablehnte, sich jedoch offensichtlich nicht durchsetzen konnte, denn kurz darauf flog die Tür auf und ein stattlicher Mann stürmte in Begleitung von zwei Soldaten ins Zimmer.
Nanni fing sofort an zu weinen. Marlene sprang auf und riss das Kind an sich. Sie packte meinen Arm und wollte mich mit sich hinausziehen, doch ich wand mich aus ihrem Griff. Ich wollte unbedingt wissen, wer dieser Mann war und was er wollte. Marlene wartete nicht, sondern eilte mit eingezogenem Kopf nach draußen, als hätte sie Angst, die Soldaten könnten sie sofort aufspießen.
Der Korporal war knallrot angelaufen, konnte aber nichts weiter tun, als die Tür zu schließen und an die Seite seiner Gräfin zu eilen.
„Es tut mir leid, gnädige Frau, er ließ sich nicht aufhalten.“
Erst jetzt richtete meine Mutter den Blick auf den Fremden. Ein Hauch von Abscheu huschte über ihr Gesicht. Anscheinend war ihr dieser Mann nicht fremd.
„Darf ich nicht einmal einen Tag meinen Sohn betrauern, ehe Ihr kommt und mir die Grafschaft streitig macht? Nicht einmal einen Tag, Graf Ludwig Casimir?“
„Mein ausdrückliches Beileid, werte Gräfin Louise Juliane. Es ist mir zutiefst unangenehm, Euch so unmittelbar zu belästigen. Leider dulden die Umstände keinen Aufschub.“
Meine Mutter stieß einen tiefen Seufzer aus und schloss kurz die Augen, während Korporal Quast sich neben ihr merklich aufrichtete. Er sagte nichts, doch in seinem Blick lag Entschlossenheit, seine Herrin gegen jedweden Angriff zu verteidigen. Ich traute ihm durchaus zu, es mit den beiden Soldaten aufzunehmen, glaubte aber nicht, dass es hier im Schloss zu Handgreiflichkeiten kommen würde.
„Welche Umstände?“, fragte meine Mutter und schaute den Grafen wieder an.
„Der Kurfürst von Köln hat die Grafschaft Sayn zum erloschenen Lehen erklärt und sie Franz Wilhelm von Wartenberg, dem Bischof von Osnabrück, übertragen.“
„Was?“ Meine Mutter fuhr vom Sessel hoch, plötzlich wieder voller Leben. „Wie kann er es wagen!“

„Seine Beamten sind bereits auf dem Weg hierher. Die Kurkölnischen besetzen Hachenburg, während wir hier reden.“

Klingt spannend? Ist es, versprochen. Leider müsst ihr euch noch bis Ende November gedulden, bis das Buch erscheint. Wer den Erscheinungstermin auf keinen Fall verpassen will, kann sich bereits jetzt ein Exemplar reservieren. Abonnenten meines Newsletters werden noch weitere Einblicke ins Buch erhalten. Also schnell anmelden!

Die Wahrheit schmeckt nach Marzipan – Rezension

Als ich diesen Titel las, war ich sofort neugierig. Auch der Klappentext klang vielversprechend, wenn auch nach einem schwierigen Thema. Es geht um Tally, eine Sechzehnjährige, deren Vater unerwartet verstorben ist und die mit ihrer Trauer kämpft. Kein leichtes Thema und ich gestehe, dass ich so manche Träne in mein Frühstücksmüsli geschluchzt habe, weil die Autorin Anni E. Lindner einen so tief in die Gefühlswelt von Tally mit hineinnimmt.
Tally hat gute Freunde, die zu ihr stehen, egal wie sehr sie ihnen mit ihrem sprunghaften Verhalten vor den Kopf stößt. Sie hat Schwierigkeiten mit ihrer Mutter, die ja selbst trauert und an einigen Stellen ganz anders reagiert, als Tally sich das wünscht oder auch nur nachvollziehen kann. Und dann ist da noch Frau Möller, eine alte Dame, die sie per Zufall kennenlernt und mit der sie gelegentlich Tee trinkt – begleitet von einem Papagei und Marzipanpralinen.

Es ist das echte Leben, was die Autorin hier beschreibt, mit allen Unwägbarkeiten, Schwierigkeiten, Höhen und Tiefen. Sie hat das Gefühlschaos eines Teenagers herrlich authentisch eingefangen und trotz des schwierigen Themas war das Buch nie schwermütig, sondern immer voller Liebe und Hoffnung. Dies ist nicht zuletzt den immer wieder eingeschobenen Erinnerungen an Gespräche mit dem Vater geschuldet, der eine besonders enge Beziehung zu seiner Tochter hatte. Die Entwicklungen und Lösungen empfand ich an keiner Stelle als aufgesetzt oder unrealistisch.
Auch wenn es ein Buch der eher leisen Töne ist und von den zwischenmenschlichen Beziehungen lebt, bleibt es durchweg spannend. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich auf die Hauptfigur einlassen kann, was mir mühelos gelang. Die Tatsache, dass Tallys beste Freundin gläubig ist, Tally selbst aber mit dem Glauben gar nichts zu tun haben will, hat sich wunderbar in die Geschichte eingefügt. Auch hier gab es Entwicklungen, echte Zweifel und keine abgedroschenen Pauschalantworten, die für mich ein totaler Stimmungskiller gewesen wären.
Und dann ist da ja noch Mister Wow, mit dem Tally anfangs gar nichts anfangen kann, der ihr aber trotz aller Trauer nicht aus dem Kopf geht – eine weitere glaubhafte Facette in dieser vielschichtigen Story.

Von mir gibt es für diesen Jugendroman eine ganz klare Leseempfehlung.

Maria von Magdala – das wahre Ostern

Wie gelähmt sitze ich da und starre in die Leere meines Herzens. Was um mich herum geschieht, nehme ich gar nicht mehr wahr. Ich glaube, sie haben versucht, mich zum Essen zu bewegen, aber ich will nichts. Mir ist ohnehin hundeelend. Werde ich überhaupt jemals wieder etwas essen können? Ich höre dieses entsetzliche Geräusch, als der Hammer den schweren Nagel trifft, sehe wie sein Gesicht sich vor Schmerz verzerrt, als das Metall seine Hände durchbohrt – diese großen Handwerkerhände, die so stark und gleichzeitig so sanft waren. Er hat nicht geschrien, nicht um Gnade gebettelt wie die anderen. Ich sehe und höre und will doch nicht sehen und nicht hören, denn jeder Hammerschlag treibt den Nagel in mein Herz ebenso wie in sein Fleisch. Ich habe gar nicht gewusst, dass man solche Schmerzen empfinden kann, ohne tatsächlich verletzt zu werden. Aber ich habe so vieles nicht gewusst. Jetzt scheint mir, als wüsste ich gar nichts mehr. Alles wird aufgesaugt von diesem Schwamm des Schmerzes, der sich über alles gelegt hat. Das Einzige, was es gibt, ist dieser Moment unter dem Kreuz. Immer und immer wieder. Die Rufe der Soldaten. Die ohrenbetäubenden Hammerschläge. Das Krachen des Holzes, als das Kreuz aufgerichtet wird. Das leise Tropfen des Blutes. Viel deutlicher kann ich es hören als sein Worte. Ja, er hat etwas gesagt. Zu Johannes und seiner Mutter. Ich habe es nicht verstanden. „Mich dürstet“, hat er gesagt, das habe ich gehört und diese grausamen Worte: „Es ist vollbracht.“ Als hätte dieses ganze Leiden einen Sinn. Als wäre der Tod ein Ziel, das zu erreichen sich lohnt. Für ihn war es das wohl. Ich habe das nie verstanden. Das habe ich ihm auch gesagt. Richtig böse war ich, wenn er wieder anfing, von seinem Tod zu reden. Aber er? Er hat mich nur traurig angeschaut und dieses unendlich liebevolle Lächeln gelächelt und ganz leise gesagt: „Maria, meine Maria. Du wirst es verstehen. Als Erste von allen wirst du es verstehen.“ Nichts verstehe ich. Gar nichts. Ich kann ja noch nicht einmal glauben, dass er weg ist. Tot. So wie jeder andere auch. Dabei war er nicht wie jeder andere. Noch nie habe ich einen Menschen getroffen, der mich so behandelt hat wie er. Er hat mich gesehen. Ich meine, er hat mich wirklich gesehen, wie ich bin, er hat mich nicht bloß angeschaut wie alle anderen. Meine Seele hat er gesehen. Ja, genau, meine Seele. Aber ich musste mich nicht schämen. Nein. Er hat alles von mir gesehen, auch das Schlechte, das Dunkle, und seine Augen wurden weit und die Liebe kroch in seinen Blick und schlug einen Bogen zu meinem Herzen. Und alles war gut.

Bis jetzt jedenfalls. Jetzt ist er tot. Und ich mit ihm. Sie hätten mich genauso gut mit in das Grab legen können, es hätte keinen Unterschied gemacht. Ich will nur da sein, wo er ist. Das habe ich ihm auch gesagt. Ich habe ihm immer alles gesagt, was ich dachte und es war in Ordnung. Er hat mich nie zurückgewiesen oder mir etwas über meine Pflichten als Frau erzählt wie die anderen. „Da, wo du bist, will ich sein“, habe ich ihm gesagt. Es war ganz komisch. Einerseits hat es ihn gefreut, richtig gefreut. Freude war bei ihm immer, als würde gerade eine Blume erblühen. Sie wuchs und ging auf und begann in den schönsten Farben zu leuchten, seine Freude, wie eine Blume. Aber gleichzeitig wurde er sehr traurig, es war oft so bei ihm. Er hat mich in die Arme genommen, obwohl die anderen dabei waren. Er hat mich umarmt und so sanft geküsst und ganz leise gesagt: „Da, wo ich hingehe, kannst du nicht mitkommen.“ Und ich habe mich auch gefreut und war traurig. Traurig, weil ich nicht mitkonnte, aber freudig über seine Nähe, seine sanfte Zärtlichkeit, die Geborgenheit in seinen Armen. Die anderen hatten da ziemliche Probleme mit, dass er mich so in den Arm nahm und küsste. Aber es war nie etwas Anrüchiges dabei, es war ganz selbstverständlich. Johannes hat es verstanden, glaube ich. Johannes hat ihn auch oft berührt und ihn umarmt. Tja, das ist jetzt vorbei.

Ich starre noch immer vor mich hin. Im Haus ist es jetzt ruhig. Es dauert nicht mehr lang, dann wird die Sonne aufgehen. Plötzlich springe ich auf. Ich kann nicht mehr einfach hier sitzen. Diese Hammerschläge, diese Blutstropfen machen mich irre! Ich muss zum Grab. Ich kann nicht auf die Sonne warten! In mir ist eh alles finster, ich bin doch tot, die Finsternis birgt keine Schrecken mehr. Ich laufe durch die stillen Straßen. Mit der Sonne werden auch die Menschen wieder zum Leben erwachen, der Shabbat wird vorbei sein und das bunte Treiben auf den Straßen und Märkten wieder losgehen. Ich will vorher beim Grab sein. Im Dunkeln, in der Stille wird niemand meine Tränen sehen!

Keiner hält mich auf, ungehindert kann ich den Garten betreten. Wie von selbst tragen meine Füße mich zum Grab. Abrupt bleibe ich stehen. Nur vage erkenne ich in der langsam einsetzenden Dämmerung den dunklen Umriss der Grabhöhle und die massive Wölbung des Steines daneben. Ich gehe ein paar Schritte näher. Tatsächlich, der Stein ist weggerollt! Mir schnürt es die Kehle zu. „Nein“, denke ich. „Oh nein. Er ist gestohlen worden.“ Auf dem Absatz mache ich kehrt und renne den Weg zurück, den ich gekommen bin. „Er ist fort. Er ist fort“, denke ich unentwegt und meine Tränen beginnen zu fließen, jetzt, endlich. „Fort. Er ist fort.“ Völlig abgehetzt komme ich am Haus an. Ich nehme gar nicht richtig wahr, dass die meisten schon wieder auf sind. Ich sehe nur Simon, den Petrus, und Johannes wie einen Schatten neben ihm. „Er ist fort!“, weine ich verzweifelt und starre in Simons verständnisloses Gesicht. „Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben!“ Die Worte zerreißen mich fast. Ich bekomme mein Schluchzen nicht mehr unter Kontrolle. Simon und Johannes laufen schon los und ich folge, langsamer diesmal. Die anderen bleiben zurück, ängstlich, verwirrt. Mir ist alles egal. Sollen sie mich doch verhaften, sollen sie mich umbringen! Nichts habe ich mehr, nicht einmal seinen Leichnam.

Als ich das Grab wieder erreiche, kommen Simon und Johannes gerade heraus. Simon sieht niedergeschlagen und mutlos aus, aber in Johannes Augen sehe ich etwas, eine Ahnung. Ich kann sie nicht deuten. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein, mir brummt sowieso schon der Schädel, meine Augen brennen und ich zittere. Die beiden beachten mich nicht. Was soll ich tun? Schaudernd gehe ich zum Grab und schaue hinein. Mir schnürt sich schon wieder die Kehle zu und durch meine Tränen sehe ich verschwommen zwei Gestalten auf dem Lager sitzen. Sie haben weiße Gewänder an. Irgendwo in meinem Hinterkopf sagt mir eine leise Stimme: „Jetzt wirst du wahnsinnig.“ Ich ignoriere sie, denn die beiden Gestalten fragen mich, warum ich weine. Wie können sie das nur fragen, wo sie doch genau da sitzen, wo mein Jesus eigentlich liegen sollte? „Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben“, flüstere ich. Ich spüre, wie es mich wieder fast zerreißt, wie die Tränen erneut zu fließen beginnen und ich will nur noch schreien. Ich kann nicht mehr. Fluchtartig stolpere ich aus der Höhle und laufe noch jemandem in die Arme. Weinkrämpfe schütteln mich und ich kann mich kaum noch auf den Füßen halten. Auch dieser Mann fragt mich, warum ich weine. Mir ist wirklich alles egal, ich will nur noch wissen, wo er ist, wo mein Liebster ist, und wenn es der Gärtner ist, der da vor mir steht, was kümmert es mich? „Hast du ihn weggetragen?“, flehe ich ihn an. „So sag mir doch, wo du ihn hingelegt hast, dann will ich ihn holen.“ Wie ein gehetztes Tier sehe ich mich suchend um und sehe doch nichts, nichts, überall nichts. Und in dieses Nichts hinein spricht plötzlich eine Stimme: „Maria!“ SEINE Stimme. Seine STIMME! Seine Stimme, die mir so vertraut ist. Seine Stimme berührt mich, streichelt mich, beruhigt mich. Das war schon immer so bei ihm. Es machte keinen Unterschied, ob seine Hände mich streichelten oder ob seine Stimme mich berührte. Seine Worte waren so lebendig, so innig wie kaum eine Berührung es sein konnte. Mit seiner Stimme konnte er meine Seele streicheln, mit seinen Worten hatte er Wunden geheilt, die kein anderer je gesehen hatte. In meinen verzweifelten Tod hinein spricht jetzt diese Stimme und ich erkenne ihn, bevor meine Augen ihn richtig wahrnehmen können. In einem Schluchzen drängt das Wort aus meinem Mund: „Rabbuni.“ Meine Knie geben nach und ich greife nach ihm, berühre ihn aber nicht. Kraftlos sinke ich zu Boden und schaue auf. Da steht er, wirklich, er steht vor mir. Jeder Zug seines Gesichts ist mir so vertraut wie die Form meiner eigenen Hände. Er lächelt und es ist keine Traurigkeit in diesem Lächeln. „Rühre mich nicht an“, sagt er leise und ich spüre das Bedauern in seiner Stimme, in seinen Augen. Aber es liegt auch ein Versprechen in seinem Blick. „Ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater.“ Plötzlich begreife ich das Unfassbare, plötzlich erkenne ich in den einzelnen Steinchen das große Mosaik! Immer hat er von seinem Vater gesprochen, der Heilige, gelobt sei er! Er hat die Wahrheit gesagt! Er ist tatsächlich der Sohn Gottes! Und er lebt. ER LEBT! Fassungslos starre ich ihn an, betrachte abwechselnd seine malträtierten Hände und sein leuchtendes Gesicht. Er lebt. Die Verzweiflung weicht aus meinem Herzen und der Tod, der mir eben noch so real schien, hat keine Gewalt mehr über mich. Ich horche in mich hinein und finde keine Unruhe mehr, keine Angst. Stattdessen wächst dort ein Funke, der blitzschnell zu einem lodernden Feuer wird. Freude! Pure, ungetrübte Freude! Er lebt und ich darf auch leben. Während ich ihn ansehe, erreicht die Freude mein Gesicht und ich beginne zu lächeln, obwohl meine Tränen noch nicht getrocknet sind. Ich fühle mich wie neu geboren. Ich kann gar nicht fassen, dass ich dies alles in so kurzer Zeit durchmachen kann.

Aber in seinen Augen sehe ich die Antwort auf meine aufkeimenden Zweifel: „Es ist wahr, Maria“, sagen sie. Jesus erkennt mein Erkennen. Meine Freude spiegelt sich in seiner wider. Ja, er freut sich, dass ich verstanden habe und mit dem Zutrauen in meine Erkenntnis sagt er mir: „Gehe hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“

Ich nicke. Ich stehe auf und gehe los. Keinen Gedanken verschwende ich, ob ich ihn wiedersehe – denn plötzlich höre ich, was mir in meiner Trauer verwehrt war: seine Stimme in meinem Herzen. So nah, so vertraut wie eh und je. Jesus ist bei mir.

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Die Vollkommenen – Rezension

Wir befinden uns in einer rosigen Zukunft, in der Erbkrankheiten ausgemerzt sind und Genetikingenieure Kinder nach den Wünschen der Eltern designen. Aber ist diese Zukunft wirklich so rosig?

Anna Lena Diel hat hier einen Roman vorgelegt, den man schon fast als eierlegende Wollmilchsau bezeichnen könnte. Das Buch ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Wo ich anfangs noch gemütlich beim Frühstück ein Kapitelchen las, schlug es ruckzuck in einen Lesemarathon mit Endspurt um. Der Schreibstil ist so gestaltet, dass man ihn nicht bemerkt. Die Worte auf dem Papier verschwinden und stattdessen spürt man die Atmosphäre, düster und hoffnungslos im Krankenhauszimmer, beklemmend erniedrigend im Hörsaal der Uni, nervös und irritierend in der Wunschkindpraxis. Jede Figur bringt ihre Emotionen mit und überträgt sie auf den Leser, ohne dass man das Gefühl hat, informiert zu werden. Das ist weit mehr als Kopfkino und es hat mich komplett gefesselt. Ein großes Lob an die Autorin.

Neben diesem puren Lesevergnügen bietet die Story jede Menge Futter zum Nachdenken, denn die dargestellte Gesellschaft mit ihren Entwicklungen empfinde ich als absolut realistisch. Schon jetzt kann man sehen, dass diejenigen, die genug Geld haben, ihren Kindern alle Chancen bieten können, während die Ärmeren in die Röhre gucken. Soziale Ungerechtigkeit zeigt sich in diesem Buch nicht mehr in Designerklamotten und den neuesten Handys, sondern darin, wie viele genetische Veränderungen ein Mensch mitbringt. Krumme Nasen und schief stehende Augen sprechen eine deutliche Sprache und ich kann mir lebhaft vorstellen, dass es genau so kommen würde.
Mit Details über sonstige Weiterentwicklungen der Gesellschaft ist die Autorin sparsam, und das ist gut so, denn der Fokus liegt auf der Genetik und das Thema ist schon spannend genug. Hier kommt Philine ins Spiel, deren Vater Genetikingenieur ist und sich entgegen aller üblichen Praxis entschieden hat, Paare auch kostenlos zu behandeln, wenn sie sich keine teuren Wunschgene für ihre Kinder leisten können. Philine fühlt sich von ihm betrogen und entwickelt einen unglaublichen Hass – auf ihn und auf die Gesellschaft im Allgemeinen.

Mehr will ich über die Story nicht preisgeben, denn da waren so einige WHAT?!- Momente, die ich jedem Leser gönne. Emotional ist es allemal, auch wenn man nach einer Liebesgeschichte vergeblich Ausschau hält. Es gibt Zuneigungen und Abneigungen, zwischenmenschliche Probleme und Annäherungen, und auch diese halten uns den Spiegel vor und regen zum Nachdenken an. Die Figuren sind einfühlsam gezeichnet, menschlich, glaubhaft und nahbar, was den Spannungsbogen der Geschichte vorantreibt.

Ein rundum gelungenes Buch, an dem ich wirklich nichts vermisst habe. Absolute Leseempfehlung!

Wenn die Tage so sind …

Wenn die Tage so sind
Dass ich aufstehe, wenn ich wach bin
Dass ich arbeite, wenn ich Kraft habe
Und ruhe, wenn ich müde bin
Wenn ich die frische Luft des Waldes
Tief in meine Lungen saugen kann
Und mein Blick über weite Hügel
Und Felder streifen darf,
Dann ist Zufriedenheit
Dann ist Glück
Dann ist Ruhe in meiner Seele
Und Dankbarkeit in meinem Herzen
Denn ich bin.

Stehe ich auf vor dem Wachsein
Arbeite ich trotz Schwachsein
Quäle ich mich durch Müdigkeit
Dann wird mein Atmen zum Seufzen
Der Blick hängt fest am Boden
Und ich bin gehetzt, gestresst, überfordert
Mein Wunsch nach
Glück
Zufriedenheit
Greift ins Leere
verrottet im Nichts
Bis ich stumpf erfülle.

Funktionieren ist nicht Leben.

Genug davon.
Ich will
Dass meine Tage so sind
Dass ich bin.


Seit einigen Jahren kämpfe ich mit chronischer Erschöpfung. Was diesen Zustand verursacht, ist der Medizin so weit ich weiß noch ein Rätsel, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass wir Betroffenen uns irgendwie damit arrangieren müssen, dass am Ende der Kraft oft noch sehr viel Tag übrig ist. Pausen machen, Kräfte einteilen, Achtsamkeit, ein Blick auf die Ernährung – jeder und jede Betroffene muss seinen eigenen Weg finden.
Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, frage ich oft zurück, ob sie körperlich, geistig oder psychisch meinen. Es kann mir körperlich total schlecht gehen und ich bin trotzdem geistig hellwach und kreativ. Ich kann komplett gut gelaunt sein und nur Quatsch im Kopf haben, und trotzdem schnaufe ich nach einer viertel Stunde Unkraut zupfen, als wäre ich einen Marathon gelaufen.
Oft genug ist es aber auch so, dass die körperlichen Einschränkungen mich frustrieren und meine Stimmung runterziehen. Glücklicherweise bin ich als Autorin und Übersetzerin selbständig und kann mir meine Zeit frei einteilen. Und da ich üblicherweise ein totales Arbeitstier bin, ist es auch nicht schlimm, wenn ich mal einen Tag durchhänge. Deadlines sind bei mir nicht dazu da, um sie einzuhalten. Deadlines sind dazu da, um mindestens zwei Wochen früher fertig zu werden. Fragt mich nicht, warum das so ist. Ich habe mir inzwischen wenigstens angewöhnt, die Deadlines großzügig zu bemessen, damit ich mich selbst nicht zu sehr unter Druck setze.

Es hat lange gedauert, bis ich meine ständige Müdigkeit und Kraftlosigkeit als Krankheit akzeptiert und nicht mehr als Charakterschwäche angesehen habe. Nein, ich bin nicht faul, wenn ich mich mehrmals am Tag hinlegen muss, um eine halbe oder auch ganze Stunde zu schlafen. Mein Körper braucht das. Wenn ich es nicht tue, mache ich mich kaputt. Ich muss es mir immer wieder sagen. Immer und immer wieder, denn die Welt um mich herum tickt ganz anders. Da wird von einem Termin zum anderen gehechtet, man muss Überstunden machen, man muss ins Fitness-Studio, man muss sich mit Freunden treffen, schick essen gehen, ins Kino, shoppen, Kurse besuchen und und und.
Wenn ich sage, dass ich das alles nicht brauche, werde ich dumm angeschaut. Verständnislos. Durchaus auch kritisch. Wie jetzt? Du brauchst das nicht? Dann stimmt mit dir was nicht. Natürlich sagt das niemand, aber – nun ja. So hat es auch gedauert, bis meine Freunde erfahren haben, wie es mir wirklich geht. Und die wirklich guten Freunde können damit umgehen, wenn ich nach einer Stunde Austausch sage: „Du, ich kann jetzt nicht mehr.“ Was hat es mich anfangs Mut gekostet, das zu sagen!
Für mich war der Lockdown zu Beginn der Corona-Pandemie das reinste Erholungsprogramm. Endlich keine Termine mehr! Die Welt war plötzlich so still ohne Auto- und Flugzeuglärm. Ich habe regelrecht aufgeatmet. Vielleicht liegt hier der Grund, warum ich meine historischen Romane vor der Zeit der Industrialisierung angesiedelt habe. Ich wollte hinein in diese Welt ohne Motoren und lärmende Maschinen, ohne dieses erhöhte Lebenstempo, zurück zu dem, was man mit den Händen fassen, mit den Füßen erlaufen und mit eigener Kraft schaffen kann. Zurück in ein langsameres Leben, so wie in dem Gedicht oben.
Wie geht es Dir in dieser schnellen Welt? Schreib mir gern einen Kommentar oder eine Mail. Ich freue mich über Austausch!

Marcels Sommernachtstraum – Cover Reveal

Wer mir auf Instagram folgt, hat vielleicht am Rande mitbekommen, dass ich nach Beendigung des Romans Ein Sonett für die Müllerin etwas ganz anderes geschrieben habe. Also wirklich so ganz, ganz anders. Der Schreibprozess der Müllerin war für mich unglaublich anstrengend, denn es kam einfach kein richtiger Schreibfluss auf, wie ich es sonst von mir kenne. Das Thema war streckenweise schwierig, die Story unglaublich komplex und mein Kopf brauchte Erholung.
Ich liebe Märchenhaftes und Magisches. Bücher wie Die Chroniken von Narnia kann ich immer und immer wieder lesen und auch das Genre des magischen Realismus hat es mir angetan. Ganz normale Leute erleben mysteriöse Dinge, die es eigentlich nicht geben kann. Herrlich!
Danach stand mir der Sinn und ich schrieb einfach drauf los.
Heraus kam ein witziger Kurzroman, in dem neben der völlig durchschnittlichen Hauptfigur Marcel und seinen Arbeitskollegen auch Feen, Nymphen und Dryaden vorkommen und Marcels Leben gehörig auf den Kopf stellen. Dass sich das Thema Mobbing im Hintergrund mit in die Geschichte geschlichen hat, war nicht beabsichtigt, stört mich aber auch nicht. Es verleiht dem Ganzen mehr Tiefe als ursprünglich geplant. Ein bisschen Romantik darf natürlich auch nicht fehlen, Happy End inklusive.

Das wunderschöne Cover, das ich euch heute präsentieren möchte, entstammt der virtuellen Feder der lieben Florin von 100Covers4you und passt meiner Meinung nach perfekt zu der Geschichte. Ab sofort könnt ihr Marcels Sommernachtstraum als eBook zum Einführungspreis von nur 99 Cent vorbestellen (einfach auf das Bild klicken) und ab dem 14. Mai 2022 lesen. Danach wird es auch auf Kindle Unlimited zur Verfügung stehen. Und hier kommt die Beschreibung:

Geträumt hat Marcel schon lange nicht mehr. Er ist Realist, reißt jede Woche seine Stunden im Büro ab, geht ab und zu joggen und verbringt viel zu viel Zeit vor der Glotze. Doch dann taucht eines Abends diese merkwürdige Frau auf, die ihn aus der Stadt heraus in die wundersamste Sommernacht seines Lebens lockt.
Danach ist nichts mehr wie vorher. Er avanciert zum unfreiwilligen Helden in seiner Firma, hat ein Date mit der begehrtesten Kollegin und erfüllt sich einen lang gehegten Wunsch. Doch ist das alles real oder befindet er sich noch immer in dem Traum, der mit dem Kuss einer Nymphe begann?
In diesem Kurzroman verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Traum, Vernunft und Magie und laden ein zu einem kurzweiligen Abenteuer voller Witz und Romantik.

Wer vorab in die Geschichte hineinschnuppern möchte, sollte meinen Newsletter abonnieren. Die Abonnenten erhalten im April schon einen Sneak Peek in den Anfang dieses Sommernachtstraums. Neugierig? Zur Anmeldung geht’s hier.
Wie gefällt euch das Cover?

Hoffnungsblüte

Dieser Tage beschäftigt einen großen Teil der Welt ein Thema: Putins Krieg in der Ukraine. Das geht natürlich auch an einer Autorin nicht vorbei, schon gar nicht an einer hochsensiblen wie mir. Schon letztes Jahr empfand ich das Leid auf dieser Welt als große Last – Massensterben von Flüchtlingen im Mittelmeer, die unsäglichen Bedingungen in den Lagern, der Militärputsch in Myanmar, noch immer Krieg in Syrien, furchtbare Zustände in Afghanistan … Die Liste nimmt kein Ende. Ach ja, und dann war da ja noch eine Pandemie mit Einschränkungen, Demonstrationen und Ausschreitungen. Da tritt die unaufhaltsame Zerstörung unseres Planeten schon fast in den Hintergrund. Was uns gerade noch fehlte, war ein Krieg auf europäischem Boden.
Ich kenne keinen Menschen, den das nicht entsetzt hat. Viele Menschen leiden mit den Ukrainern mit und zeigen dies auf unterschiedliche Weise. Und bei vielen Autoren finden sich Worte, Gedichte, Gedanken, die berühren und verschiedenste Gefühle ausdrücken. Auch meine Sprachlosigkeit findet ihren Weg in die Poesie. Ich möchte deswegen heute zwei Gedichte mit euch teilen, die seit Anfang März entstanden sind.




Ich glaube, mir ist das Herz eingefroren
Meine Tränen schillern im starren Glanz.
Wir haben unsere Unschuld verloren
Und glauben es immer noch nicht ganz.
Unbeweglich, nicht einmal zitternd,
Nehme ich die Bilder wahr.
Und warte, heimlich hoffend,
Dass alles nur ein Albtraum war.


4. März 2022


Diese Starre begleitete mich eine ganze Weile. Noch eine Woche vor dem Einmarsch hatte ich in meinem aktuellen Romanprojekt eine Szene geschrieben, in der die Menschen das Ende des 30jährigen Krieges feiern. Ich hatte die Freude, diese Befreiung und Erleichterung so tief in mir verspürt, dass ich den ganzen Tag ein Lächeln auf den Lippen hatte. Um so mehr schockierte mich die Realität.
Es vergeht seither kein Tag, an dem ich nicht bete. Ich bete für die Menschen in der Ukraine, die um ihr Land, ihr Leben, ihre Freiheit und Demokratie kämpfen. Aber ich bete auch für die Menschen in Russland, denn sie werden die Folgen der Sanktionen wesentlich deutlicher spüren als ihr Präsident. Sie sind diejenigen, die seit Jahren mit Propaganda in die Irre geführt werden. Und viele von ihnen wollen diesen Krieg nicht. Sie stehen auf und protestieren, obwohl sie wissen, dass sie verhaftet werden können. Obwohl sie wissen, dass sie spurlos verschwinden können, wenn sie sich gegen das Regime stellen. Ich bewundere ihren Mut und bete für sie. Von mir gibt es kein „Stand with Ukraine“, sondern ein „Stand with all the courageous fighters out there“.

Man hört oft den Vorwurf: Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt? Damit ist eigentlich gemeint: Wie kann heutzutage noch jemand einen solchen Krieg anzetteln? Aus meiner Warte hat Putin aus der Vergangenheit gelernt. Nur nicht das, was wir uns erhoffen. Er hat gelernt, dass die Werte der demokratischen Gesellschaft im Angesicht rücksichtsloser Grausamkeit gelähmt sind. Er hat gelernt, dass genau diese Werte verhindern, dass mit gleicher Grausamkeit zurückgeschlagen wird. Er hat auch gelernt, dass die Reaktionen auf Unrecht, dass anderen zugefügt wird, zunächst Beobachtung und erhobene Zeigefinger sind. Die Zeit, die westliche Diplomaten mit Verurteilungen verbringen, kann man nutzen, um ganze Städte in Schutt und Asche zu legen. Man kann Versprechungen machen und es folgen keine Konsequenzen, wenn man sie bricht, denn der Westen will keinen Krieg. Putin ist nicht dumm. Er hat viel gelernt und lange geplant. Ich bete auch für ihn, dass Gott sein Herz erreicht und ihn zur Umkehr bringt. Ich wünschte nur, ich würde mehr daran glauben, dass das möglich ist.

Trotz allem regt sich Hoffnung in mir. Was der russische Präsident bei seinem Unterfangen vermutlich nicht geplant hat, ist die Einung der Demokratien. Wir sehen zurzeit einen nie dagewesenen Schulterschluss der europäischen Staaten, plus USA und UK. Und wir sehen ein Aufbegehren der Menschen. Sie gehen für den Frieden auf die Straße. Sie zeigen – wieder einmal – eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft. Wir haben es 2015 schon erlebt, auch wenn einige Wenige es vielleicht anders sehen. Wie viele Menschen haben sich ehrenamtlich engagiert, um Flüchtlingen zu helfen? Jetzt tun sie es wieder. Wir sind noch in Übung von unserer eigenen Flutkatastrophe. Die Mechanismen greifen, überall wird Hilfe organisiert und ins Rollen gebracht. Ja, das macht mir Hoffnung, dass wir eine bessere Zukunft bauen. So wandelt sich meine anfängliche Starre langsam, aber sicher.

Und die Tränen
Sitzen auf meiner Haut
Gefrieren in der Kälte
Der Weltennacht
Zu einem eisigen Mantel
Erstarrt fürchte ich
Die Berührung, die mich zerbricht
Doch da ist Liebe
Der Sonnenstrahl
Der das Eis fließen lässt
Ich öffne mich
Neuer Hoffnung
Dass wir wachsen
An diesem Leid
Denn noch immer
Ist mein Herz weich.
Hoffnungsblüte.


16. März 2022

Ob es daran liegt, dass ich mich in meinem neuen Roman mit einer Regentin beschäftigt habe, dass mir die Verantwortung, die auf den Regierenden lastet, so deutlich vor Augen steht? Zwischen damals Mitte des 17. Jahrhunderts und heute hat sich nichts geändert. Machthaber damals wie heute haben die Wahl: Sie dienen dem Volk oder sie dienen sich selbst. Und dabei ist es egal, ob sie Macht in einem Staat oder in einem Unternehmen haben. Wem viel anvertraut ist, der trägt viel Verantwortung, das steht schon in der Bibel. Und er wird eines Tages Rechenschaft ablegen müssen über das, was ihm anvertraut war und was er damit gemacht hat.
So treibt meine Protagonistin die Frage um: Was für eine Regentin will ich sein? Letztendlich macht sie sich das zu eigen, was ihre Mutter ihr vorgelebt hat.

The Hoarder’s Widow by Allie Cresswell – Review

Ever since Tall Chimneys, my very first encounter with author Allie Cresswell, I have been impressed with the psychological depth of her characters as well as the absolute beauty of her writing. The sheer poetry of her language isn’t as pronounced in this book as it was in the others I’ve read, yet the story captivated me and was a true eye-opener.

Maisie, wife of Clifford and mother of three grown children, is unexpectedly widowed due to an accident. Her husband has left her a mansion full of junk – he was a hoarder and every nook and cranny of their house is crammed with a wild assortment of things he intended to use for something. All her married life, Maisie put up with it without complaint, but now she needs to declutter. Bit by bit she works her way through the mountains of furniture, magazines, and assorted waste, until she discovers her husband’s deepest secret and the reason for his hoarding. Along the way, she not only builds a new life for herself, but also finds new friends.

The point of view of the book alternates between Maisie’s daily struggles to come to terms with her widowhood and – interestingly enough – Cliffords thoughts while he was still alive. In this manner, the author allows a deep glimpse into the hoarder’s head and heart, while at the same time showing the consequences for those who lived with him. Maisie is a timid woman, but determined to free her home of all the junk. With the aid of her newfound friends, all of which are quirky, burdened characters, who nevertheless need and support each other, she tackles the task.

I absolutely love how the author holds a magnifying glass on the soul of her characters without ever shaming them. The whole story, despite its difficult topic, has an underlying sense of warmth, love and hope and thereby touches deeply – likely deeper than any sensationalist reality TV show ever could.

The book is the first in a two book (so far) series titled „Widows“ and I have read the sequel The Widow’s Mite right away. It takes up the story of book one, but focusses on one of Maisie’s friends, Minnie, also widowed and fallen prey to not only her stepchildren, who hate her and want to throw her out of the house they claim to have inherited, but also to a couple of thugs who pretend to have had business dealings with her late husband that require further payments against a large investment that will soon be due.

I must admit that I had no patience for Minnie’s naiveté. The scam was so obvious I found it hard to believe anyone could fall for that, even though I know these things happen. I mainly kept reading to learn what became of Maisie and found that storyline very rewarding. Should there be another book in the series, I’d certainly read it. The characters make it worthwhile.

If you enjoy unique stories off the mainstream genres you should definitely give Allie Cresswell a chance. I recommend these books as well as the Talbot Saga, and I’ll be sure to get around to her regency novels in due time, too.