5. Platz beim Lotto Kunstpreis 2022

Das Thema des diesjährigen Lotto Kunstpreises von Rheinland-Pfalz lautete „Hoffnung“, was in diesen krisengebeutelten Zeiten ein starkes Zeichen setzt. Die Ausschreibung gab es bereits Mitte des Jahres und ich hatte zwischenzeitlich schon vergessen, dass ich überhaupt teilgenommen hatte. Doch dann trudelte eine E-Mail ein, dass mein Beitrag es in die Anthologie geschafft hatte. Freude und Spannung steigerten sich ins Unermessliche, denn ob ich auch unter die begehrten Top Ten gekommen war, wusste ich nicht.

Das Auswahlverfahren der sechsköpfigen Jury ist anonym, was ich an diesem Preis sehr schätze. Ähnlich wie bei The Voice muss allein der Text überzeugen, denn die Jurymitglieder kennen die Verfasser nicht. In meinem Fall war es ein Sonett, denn ich war noch so im Schwung von meinem Roman Ein Sonett für die Müllerin. Die Gedanken, die ich in dem Gedicht verarbeitet habe, begleiteten mich schon eine ganze Weile und sie in diese kompakte Form zu bringen, reizte mich. Offensichtlich kam es bei der Jury gut an, denn ich durfte mich über den 5. Platz freuen – gemeinsam mit fünf anderen Autoren. Ja, wir bekamen alle den 5. Platz! Auch das finde ich eine großartige Einrichtung, die viel Wertschätzung ausdrückt. Und hier ist nun mein Beitrag:

Foto (c) Annette Spratte, Baumsterben im Westerwald, 2020 – inzwischen wurden an dieser Stelle neue Bäume gepflanzt

Sonett der Hoffnung

Mein Herz in mir ist fassungslos erstarrt.
Der Blick verfängt sich tief in Weltenwunden,
Wälder, Meere, Seelen sind zerschunden,
Weil wir so sehr in unsere Macht vernarrt.

Das MEIN, das ICH, des Stärkeren hohes Recht,
Es brüllt das Weinen und das Leiden nieder,
Verschließt vor Krieg und Armut seine Lider.
Was es nicht sieht, ist nicht real, nicht echt.

Wirklich ist nur, was wir ins Leben reden.
Bleibt alle raus aus unserem Garten Eden,
Für Fremde haben wir hier keinen Platz!
Mein Herz, tau auf, stemm dich mit starkem Schlagen
Voll Hoffnung gegen den Strom, du musst es wagen,
Denn Menschlichkeit ist unser größter Schatz.


photo credit: Frank Spratte


Blumenstrauß und Urkunde überreichten Kulturministerin Katharina Binz und Lotto-Geschäftsführer Jürgen Häfner. Für mich war damit die Aufregung vorbei und ich konnte mich entspannt zurücklehnen und den restlichen Abend genießen, der später bei einem leckeren Essen in interessanter Runde ausklang.

Deine Worte in meinen Händen – Rezension

Foto: Melissa C. Feurer

Für dieses Buch braucht man eine große Box Taschentücher, denn es geht um Trauerbewältigung. Michelle hat mit nur 25 Jahren ihren Mann bei einem Autounfall verloren. Er war Autor einer Bestsellerreihe und sein Agent möchte unbedingt den letzten Band der Reihe veröffentlichen. Dummerweise ist er erst zur Hälfte geschrieben und es gibt keine Aufzeichnungen, denn Armin hatte alles im Kopf. Nur Michelle weiß, wie die Geschichte ausgehen soll und beschließt, sie für ihn fertig zu schreiben.

Melissa C. Feurer hat mich mit diesem Roman tief berührt. Er ist so ehrlich. Die Charaktere wirken nicht ausgedacht, sondern wie Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen – Menschen mit all ihren Macken, Ängsten und Verrücktheiten. Gerade dadurch geht er unter die Haut. Erzählt wird aus drei Perspektiven: Michelle, die sich in ihrem alten Haus verkriecht und Gespräche mit ihrem Mann führt, als würde er noch leben. Chrys, ihre beste Freundin, die etwas durchgeknallt ist und ihren eigenen Sack voll Problemen mit sich herumschleppt, für Michelle aber ein absoluter Rettungsanker ist. Und dann Lara, Michelles Schwägerin, die sie eigentlich nicht besonders gut leiden kann, weil sie sehr zwanghaft ist. Das ändert sich aber im Laufe der Story, was mich sehr erleichtert hat, denn die ging mir am Anfang echt auf den Wecker.

Man begleitet Michelle nicht nur durch ihren Trauerprozess, der eng mit der Geschichte verwoben ist, die sie schreibt, sondern auch durch ihre Glaubenszweifel hindurch zu einer Akzeptanz sowohl des Todes ihres Mannes als auch der Existenz Gottes. Und da ist nichts Frömmelndes dran; es geht wirklich in die Tiefen der Seele mit all den unbeantworteten Fragen, die eine solche Situation aufwirft und die auch weitestgehend unbeantwortet bleiben, denn es gibt keine Antwort auf die Frage „Warum musstest du jetzt sterben?“.

Ich als Autorin habe mich in diesem Buch an verschiedenen Stellen wiedergefunden, wenn von Armin und seinem Umgang mit den Romanfiguren erzählt wurde. Bei aller Trauer gibt es auch viele lustige Situationen und süße Erinnerungen, die der Story die Schwere nehmen. Wer sich auf dieses Buch einlässt, wird einen reichen Schatz finden.

Licht

Ich weiß, ich habe Dein Licht gesehen.
Es strahlte so hell,
Doch so schnell vergehen
Sein Glanz, seine Anmut,
Sein lebendiger Schein.
Wie kann das sein?

Du bist doch kein Feuerwerk,
Das in Sekunden verpufft
Und nichts hinterlässt
Als einen Hauch in der Luft
Von Brandgeruch.

Nein. Dein Licht sollte strahlen
Gleich einem Stern
Durch ewige Weiten,
Berühren und führen,
Das Dunkel erhellen
In warmen Wellen,
Die auch dann noch zu spüren sind,
Wenn Du schon längst
Diese Welt verlassen hast.

Dein Licht will genährt sein,
Sonst verzehrst Du Dich,
Fährst durch den Himmel wie ein Blitz,
Blendest,
Und nach dem Donnergrollen
Ist nichts.

Doch das bist Du nicht.
Ich sehe Dein Licht,
Wie ich es erdacht,
Wie ich es entfacht
und nähre.

Zu mir, mein Kind,
Zu mir.
Hier
Findest Du Licht,
Das Dich strahlen lässt,
Ohne zu verzehren.
Nur hier.

verfasst am 26. Juli 2022 (c) Annette Spratte

Cover Reveal! – The Potbaker’s Niece

Westerwald, Germany, in the middle of the 17th century

13-year-old Johanna has lost her entire family to the plague. All she has left is an unknown uncle who works as a potter in the potbakers‘ land. To survive the commotion of the Thirty Years’ War, her neighbor dresses her up as a boy. Johanna enjoys the new freedom she experiences along the way, and the opportunity to become a potter apprentice appeals to her. She keeps the truth from her uncle and soon shows an unusual talent as well as an unequalled passion. Will she be able to keep up the deception in a man’s world?


Fine ceramics, baroque shapes, blue patterns – those are the ingredients of 17th century pottery made in the ‚Kannenbäckerland‘, the potbaker’s land in the Westerwald region of Germany. Following the great success of this historical novel with German readers, I have finally finished the translation. The cover was created by the wonderful Florin of 100covers4you. The e-book is available for pre-order now and will be released on September 29.
Here are some pictures of original 17th century pieces from the ceramics museum in Höhr-Grenzhausen, where I did a lot of my research.

You may expect to learn a lot about pottery while reading this book, but you won’t notice, because the characters, especially protagonist Johanna, are going to steal your heart. She certainly stole mine.

The Healer’s Legacy – Review

Click on the pic to be taken to Helen Pryke’s website.

Hope in the face of tragedy, courage in the face of adversity, faithfulness spanning centuries, magic and dragonflies – those are the ingredients of the Healer’s saga by word magician Helen Pryke.
She is not afraid of making her characters suffer, so have a box of tissues to hand if you venture into the Tuscan mountains. You will be rewarded with vivid descriptions, lots of tension and powerful women, who will become so real to you they will feel like friends or even sisters. It is a mixture of contemporary women’s fiction, historical fiction and fantasy, hovering on the verge of the supernatural, and that makes for a very special tale indeed.

The Healer’s legacy is the final book of the series and follows Gemma, whose mother was burned at the stake as a witch (the heart-wrenching story of that is told in The Healer’s Betrayal). Filled with hunger for revenge, Gemma flees her Italian home in search of her uncle in France, whom she believes to be guilty of causing her late mother heartache beyond measure. Once there, nothing is as she expected and she realizes she must decide whether to pursue revenge or the healing that has been her family’s vocation for generations. Accompanied by her secret warden, the damselfly, Gemma finds new friends, learns new skills and even falls in love before she returns to Italy and the grove that is the healers‘ home.

The author manages once again to weave a colorful net out of the threads of past and present, curse and blessing, magic and reality. It is so easy to fly through the pages, to get completely absorbed in the story. Actually, I haven’t read a single book by this author I could easily put aside. And I have read most of them. There were passages in this book that gave me goosebumps from the sheer beauty of the scenes, passages you want to read over and over again not because of what they mean for the story, but because they are a piece of art in themselves. So yes, I definitely recommend this book, a truly epic finale to an amazing series.

The Cottage on Winter Moss – Review

A story about a writer seeking inspiration, set in a remote village on the coast, instantly appealed to me. Knowing it was written by Allie Cresswell, an author I greatly admire, I was certain it would be good. I was not disappointed. In fact, the story was so absorbing, I had trouble letting go of it to attend to ‚real life‘ duties.

Once again, the author has managed to charm me with her varied cast of characters, none of whom seem fictional. Protagonist Dee is utterly human, jumping to conclusions, fighting her various battles, succumbing to weaknesses and sometimes being downright stupid, while at other times being absolutely brilliant and heartwarmingly caring. I could feel her, especially when she was in the grip of her writing spells, superimposing her story onto the world around her. It is a worrisome state of mind I have only recently come out of. To add to the curiosity of the situation, the character in the story I have written was also named Dee. But that is beside the point here. More about the characters.

There is the Forrester family, feuding brothers, dark secrets and personal tragedy. This is where the story cleverly splits into a dual timeline and I found myself in a book within a book. Or in the past? It is open to speculation whether the trysting tree story is the one that protagonist Dee writes or if it is the history of the village she uncovers bit by bit. The present day mystery surrounding her taciturn neighbour and the strange noises she hears from next door becomes more and more entangled with the secrets of the past and I must admit that I stand in awe of the author who leads the reader at a comfortable pace through this labyrinth without ever losing or boring them.

Those looking for fast paced action should avoid this book, though. The story unfolds at a walking pace, because the myriad paths through the moors and marshes, over the dunes and along the beach are unsuited for haste. Instead, the many differents sights and moods of the landscape are beautifully described and support the rich atmosphere of the novel. Those willing to walk along with Dee and her dog Bob are rewarded with many surprises, twists and turns, revelations and romance and in the end will feel as if they had lived at Roadend themselves for a few months. I was unwilling to leave, reading late into the night.

This is a book I will not easily forget and one that I’m sure I will return to eventually, like visiting old friends.

Die Nekromantin ihrer Majestät – Rezension

Der zweite Teil der Ministerium der Kuriositäten Reihe von C.J. Archer ist erschienen! Natürlich weiß ich schon lange, dass das Buch gut ist, immerhin habe ich es übersetzt. Gen Ende habe ich meine übliche tägliche Übersetzungsleistung wieder verdoppelt, weil es so spannend war, dass ich nicht aufhören konnte.
In diesem Teil versucht Charlie mehr über ihre Mutter herauszufinden, während das Ministerium und damit Lincoln einer Reihe von Grabräubern auf der Spur ist. Die eigenwillige Charlie will natürlich unbedingt mitmischen und beweist dem knurrigen Lincoln mit seinen eher groben Befragungsmethoden, dass manchmal eine sanftere Herangehensweise bessere Resultate erzielt.
Die beiden befinden sich in einem ständigen Hin und Her zwischen Anziehung und Vertrauensbildung auf der einen Seite und widersprüchlichem, verletzendem Verhalten auf der anderen Seite. Man vermutet hinter Lincolns harter Fassade einen weichen Kern, doch dann tut er wieder Dinge, die genau das Gegenteil zeigen. Das erzeugte Knistern blitzt immer wieder auf und steigert sich nach hinten enorm. Ich bemitleide alle, die noch ein halbes Jahr auf die Forsetzung warten müssen, an der ich bereits arbeite. 😉

Natürlich kommen auch Charlies außergewöhnliche Fähigkeiten zum Tragen und sie freundet sich mit einem Geist an, der sich bei der ersten Beschwörung als freundlich und hilfsbereit herausstellte. Diese Szenen sind skuril, manchmal ulkig und manchmal auch etwas gruselig. Dass die Toten, die Charlie beschwört, nicht immer unbedingt begeistert davon sind, finde ich einen gelungenen Zug in der Story. So hat jeder Geist seine eigene Persönlichkeit und ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ein eigenständiger Charakter.
Die Nebenfiguren sorgen wieder für Abwechslung und Späße, oder – im Fall von Lady Harcourt – brenzlige Situationen.
Fazit: Eine gelungene Mischung aus Historie, Übernatürlichem und Romantik!
Meine Rezension zum ersten Teil findest Du hier.

The Quirks Of Being Bilingual-Knifflige Zweisprachigkeit

Deutsch weiter unten!

Being bilingual is a wonderful thing. Almost all my life, I have enjoyed being able to communicate fluently in two languages and to read books in the language they were written in, not having to rely on translations. Being a bilingual author, however, does have its challenges. Late me give you a little tour of the quirks of being bilingual.

In which language to write?

Since I am a native German, you might think it odd that I wrote my debut novel in English. The reason is fairly simple: The story is set in the US, so why would I write it in German? Doesn’t make sense. Besides, I love English, I mostly read in English, and I wrote my diary in English (for the original reason that my mother doesn’t speak English, hence wouldn’t have been able to read it should she ever have stumbled across it). Enough reasons, right?
I had no idea what I was doing or if I would get anywhere, so I only started worrying about the language when it was clear I would actually finish the story and want to publish it. Finding a publisher was utopic under the circumstances, so I took the route of self-publishing.
The next project was a series of children’s books I was writing for my kids in German, obviously. At the time they weren’t fluent in English (that has changed by now). To my surprise the series was picked up by a German publisher and I made the decision to focus on writing in German. You have to go through the door that’s open.
But then The Silent Maid showed up in my brain. Set in England, everyone in the story spoke English. Guess what language I started writing in!
Fast forward to today: Eventually, all of my books will be available in both languages, but the setting dictates whether I first write in English or in German.

The Time factor

Writing a book takes time. My historical novels take me about half a year to write, not counting all the research that goes into the story before I even start writing. Translating a book also takes time. Not quite as much as writing one, but two to three months at least. It’s a constant juggling of priorities. Do I want the translation finished or write a new book? Working parallel on two stories in two languages doesn’t always work out very well. And even if I choose to use a translation machine to save typing time, my editing time doubles because machine translations are not very elegant, if not downright hilarious.

Can I make the story work in the other language?

Well, I would be a terrible translator if I couldn’t do that, but it is a challenge, especially where the form of address is concerned. In German, you have a formal and an informal form of address, each with its own grammatical structure much like the old English ‚thou‘ versus ‚you‘. This enables me to establish relationships between people in finely tuned nuances without ever having to describe them. That gets lost in English, unless I do describe it. On the other hand, English has so many more nuanced words that require bumbling descriptions in German – which is why a German translation usually turns out longer than the original work. Just look at the German column of this post. Often, a direct translation will sound clumsy, so to make a story work I need to step up a level from translating mere meaning to transporting the underlying atmosphere, linguistic beauty, and emotions. For this reason, under German law, a translation is regarded as a creative work having the same copyrights as an original book.

Let’s not talk about sex…

There’s a reason why I will not translate erotica under any circumstances. I really have no idea why this is so, but the German language is utterly unsuited to describing sex without sounding either blatantly obscene or absolutely silly.
Most of my books are clean reads, but I do have stories that involve sex scenes. I don’t mind writing them, as long as it is in English. In the German version of the Way of Life series, the wedding night is a LOT shorter than in the English version. Don’t name things, use hints, and focus on what the protagonists feel rather than what they do, and you can worm your way through a German sex scene without falling apart, while the same scene in English may be created easily with a beautiful, romantic flow.
Maybe it’s just me. I don’t need explicit scenes unless they really fit into the story. In English, I often cross read them if I find them too excessive. In German? No. Just no. Eye rolling and hopping to the next paragraph.

Story demands

Looking back on eight years of writing in two languages, I detect a pattern. The stories I write in English tend to be much more demanding than the ones I write in German. Every story draws me in until the characters become real, and I’m not one of those authors who spend much time procrastinating instead of writing. And yet the English stories dominate my waking thoughts to a greater degree than the German ones. There could be two reasons for this. Theory A: Having a wonderfully supportive German publisher behind me makes me search for ideas to work into stories that will fit their portfolio. They involve a lot of research which slows up the writing process. The stories I write in English seek me out and pester me until I give in and write them despite having other things scheduled. I keep them bottled up until they burst forth with the force of a tsunami. I’m currently recovering from one.
Theory B: As a teenager, I found English to be the language of my heart. If I could choose, I wouldn’t be writing in German at all. Unfortunately, I am very bad at marketing, so having a publisher is a definite argument for writing in German. But writing in English is so much more fun!

I hope you have enjoyed this little excursion. Leave a like if you have, and feel free to share!

Zweisprachig zu sein ist eine wunderbare Sache. Fast mein ganzes Leben lang habe ich es genossen, fließend in zwei Sprachen kommunizieren zu können und Bücher in der Sprache zu lesen, in der sie geschrieben wurden, ohne auf Übersetzungen angewiesen zu sein. Eine zweisprachige Autorin zu sein, hat allerdings besondere Herausforderungen. Ich möchte Dir einen kleinen Einblick in die Tücken des Zweisprachendaseins geben.

In welcher Sprache soll ich schreiben?

Da ich deutsche Muttersprachlerin bin, mag es seltsam erscheinen, dass ich meinen Debütroman auf Englisch geschrieben habe. Der Grund dafür ist ziemlich einfach: Die Geschichte spielt in den USA, warum sollte ich sie also auf Deutsch schreiben? Das ergibt doch keinen Sinn. Außerdem liebe ich Englisch, ich lese meistens auf Englisch und ich habe mein Tagebuch auf Englisch geschrieben (aus dem ursprünglichen Grund, dass meine Mutter kein Englisch spricht und daher nicht in der Lage gewesen wäre, es zu lesen, falls sie jemals darüber gestolpert wäre). Genug Gründe, oder?
Ich hatte keine Ahnung, was ich da tat oder was dabei herauskommen würde, also fing ich erst an, mir Gedanken über die Sprache zu machen, als klar war, dass ich die Geschichte tatsächlich fertigstellen und veröffentlichen würde. Einen Verlag zu finden, war unter den gegebenen Umständen utopisch, also wählte ich den Weg des Self-Publishing.
Das nächste Projekt war eine Kinderbuchreihe, die ich für meine Kinder schrieb, natürlich auf Deutsch. Damals sprachen sie noch nicht fließend Englisch (das hat sich inzwischen geändert). Zu meiner Überraschung wurde die Reihe von einem deutschen Verlag angenommen, und ich beschloss, mich auf das Schreiben auf Deutsch zu konzentrieren. Man muss durch die Tür gehen, die offen ist.
Aber dann tauchte die stumme Magd in meinem Kopf auf. Die Geschichte spielt in England, und alle sprachen Englisch. Ratet mal, in welcher Sprache ich anfing zu schreiben!
Hüpfen wir in die Gegenwart: Irgendwann werden alle meine Bücher in beiden Sprachen erhältlich sein, aber der Schauplatz bestimmt, ob ich zuerst auf Englisch oder auf Deutsch schreibe.

Der Zeitfaktor

Das Schreiben eines Buches braucht Zeit. Für meine historischen Romane benötige ich etwa ein halbes Jahr, all die Recherche nicht eingerechnet, die in die Geschichte einfließen, bevor ich überhaupt mit dem Schreiben anfange. Auch das Übersetzen eines Buches kostet Zeit. Nicht ganz so viel wie das Schreiben eines Buches, aber mindestens zwei bis drei Monate. Es ist ein ständiges Jonglieren von Prioritäten. Will ich die Übersetzung fertigstellen oder ein neues Buch schreiben? Parallel an zwei Geschichten in zwei Sprachen zu arbeiten, funktioniert nicht immer. Und selbst wenn ich mich für eine Übersetzungsmaschine entscheide, um Zeit beim Tippen zu sparen, verdoppelt sich meine Überarbeitungszeit, weil die maschinellen Übersetzungen nicht sehr elegant, wenn nicht sogar geradezu komisch sind.

Kann ich die Geschichte in die andere Sprache übertragen?

Nun, ich wäre ein schrecklicher Übersetzer, wenn ich das nicht könnte, aber es ist eine Herausforderung, vor allem, was die Anrede betrifft. Die verschiedenen Anredeformen im Deutschen erlauben es mir, Beziehungen zwischen Menschen in fein abgestimmten Nuancen darzustellen, ohne sie beschreiben zu müssen. Das geht im Englischen verloren, es sei denn, ich beschreibe sie. Andererseits gibt es im Englischen so viele nuancierte Wörter, die im Deutschen umständliche Beschreibungen erfordern – weshalb eine deutsche Übersetzung meist länger ausfällt als das Originalwerk. Sieh dir nur die deutsche Spalte dieses Beitrags an. Oft klingt eine direkte Übersetzung plump, und damit eine Geschichte funktioniert, muss ich eine Stufe höher gehen und nicht nur die reine Bedeutung übersetzen, sondern auch die zugrunde liegende Atmosphäre, sprachliche Schönheit und Emotionen transportieren. Aus diesem Grund wird eine Übersetzung nach deutschem Recht als kreatives Werk betrachtet, das die gleichen Urheberrechte hat wie ein Originalbuch.

Lass uns nicht über Sex reden…

Es gibt einen Grund, warum ich unter keinen Umständen Erotikbücher übersetzen werde. Ich habe wirklich keine Ahnung, warum das so ist, aber die deutsche Sprache ist völlig ungeeignet, um Sex zu beschreiben, ohne entweder unverhohlen obszön oder absolut albern zu klingen.
Die meisten meiner Bücher sind saubere Lektüre, aber ich habe auch Geschichten, die Sexszenen enthalten. Es macht mir nichts aus, sie zu schreiben, solange sie auf Englisch sind. In der deutschen Version der Lebenswege-Reihe ist die Hochzeitsnacht wesentlich kürzer als in der englischen Version. Wenn man die Dinge nicht beim Namen nennt, nur Andeutungen macht und sich darauf konzentriert, was die Protagonisten fühlen und nicht, was sie tun, kann man sich durch eine deutsche Sexszene wurschteln, ohne dass man zusammenbricht, während die gleiche Szene im Englischen leicht und mit einem schönen, romantischen Fluss geschrieben werden kann.
Vielleicht liegt es nur an mir. Ich brauche keine expliziten Szenen, es sei denn, sie passen wirklich in die Geschichte. Im Englischen lese ich sie oft quer, wenn ich sie zu übertrieben finde. Auf Deutsch? Nein. Einfach nein. Augen verdrehen und zum nächsten Absatz hüpfen.

Fordernde Geschichten

Wenn ich auf acht Jahre des Schreibens in zwei Sprachen zurückblicke, erkenne ich ein Muster. Die Geschichten, die ich auf Englisch schreibe, sind in der Regel viel drängender als die, die ich auf Deutsch schreibe. Jede Geschichte zieht mich in ihren Bann, bis die Figuren real werden, und ich gehöre nicht zu den Autoren, die viel Zeit mit Prokrastinieren verbringen, anstatt zu schreiben. Und doch beherrschen die englischen Geschichten meine Gedanken in einem größeren Maße als die deutschen. Dafür könnte es zwei Gründe geben.
Theorie A: Da ich einen deutschen Verlag im Rücken habe, der mich wunderbar unterstützt, suche ich nach Ideen für Geschichten, die in sein Portfolio passen. Das bedeutet eine Menge Recherche, was den Schreibprozess verlangsamt. Die Geschichten, die ich auf Englisch schreibe, suchen mich und nerven mich so lange, bis ich nachgebe und sie schreibe, obwohl ich schon andere Dinge geplant habe. Ich halte sie zurück, bis sie mit der Kraft eines Tsunamis hervorbrechen. Von einem solchen erhole ich mich gerade.
Theorie B: Als Teenager habe ich Englisch als die Sprache meines Herzens entdeckt. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gar nicht auf Deutsch schreiben. Leider bin ich sehr schlecht im Marketing, so dass die Zusammenarbeit mit einem Verlag ein klares Argument für das Schreiben auf Deutsch ist. Aber auf Englisch zu schreiben macht so viel mehr Spaß!

Ich hoffe, du hast diesen kleinen Ausflug genossen. Hinterlass mir gern ein „Like“, wenn ja, und teile den Beitrag!

Mit Herz und Verstand – Rezension

Eigentlich lese ich so gut wie nie Andachtsbücher. Und eigentlich bin ich auch nicht der riesige Jane-Austen-Fan. Wohl habe ich schon den ein oder anderen ihrer Romane gelesen, aber der Reiz von Bällen, Tratsch und Intrigen entzieht sich mir gänzlich. Da hilft dann auch die Romantik nicht wirklich weiter. Und eigentlich stehe ich auch nicht so sehr auf Rosa. Trotzdem habe ich mir dieses Buch von Susanne Degenhardt gekauft.

Schuld daran ist wohl hauptsächlich, dass ich sie persönlich über Instagram kennen- und schätzen gelernt habe. Allerdings muss ich gestehen, dass mir die Idee, klassische Romane auf ihre geistliche Aussagekraft hin zu prüfen, sehr zusagte. Das war mal was anderes.

Dass Jane Austen eine gläubige Frau war, war mir nicht bewusst, aber nach der Lektüre dieses Buches habe ich den Eindruck, dass mir die Autorin ein Stück näher gekommen ist, sozusagen eine Schwester im Herrn, die ich jetzt von einer anderen Seite kennenlernen durfte als nur durch das, was sie geschrieben hat.

Unterteilt in wunderschön gestaltete Kapitel mit Zitaten und Bibelversen, lässt sich das Buch häppchenweise genießen. Susanne Degenhardt erzählt von den Romanfiguren mit einer Innigkeit, als wären es liebe Freunde, deckt Hintergründe aus dem Leben von Jane Austen auf und schlägt die Brücke zu ihren eigenen Erfahrungen, Fragen und Zweifeln, in denen sich jeder wiederfinden darf. Es wird keine christliche Lehre vermittelt, sondern zum Nachdenken angeregt, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.

Per Zufall hatte es sich ergeben, dass zwei Instagram-Bekanntschaften das Buch zeitgleich mit mir lasen. Wir gründeten kurzerhand eine Austauschgruppe, was das Leseerlebnis durch die verschiedenen Eindrücke, die jede teilte, noch einmal bereicherte. Lustigerweise hatten wir alle den gleichen Start: Eigentlich lese ich keine Andachtsbücher, aber …

Ich kann dieses Buch also wärmstens allen empfehlen, die eigentlich keine Andachtsbücher lesen. Und denen, die Jane Austen lieben und gern mehr über die Autorin und ihr Glaubensleben erfahren würden. Und denen, die einfach wunderschöne Bücher im Regal stehen haben möchten, die man immer wieder gern zur Hand nimmt und darin stöbert. Und natürlich auch denen, die gern Andachtsbücher lesen. Die soll’s ja auch geben. 😉

Schloss Friedewald – Besuch eines Schauplatzes

Schlossgebäude vom Torbogen aus mit eifrig voranstürmender Autorin im grauen Sweater

Aufgeregt war ich wie vor einem Rendezvous, als ich heute mit meinem Mann nach Friedewald fuhr. Wir waren schon einmal dort gewesen, um uns das Schloss anzusehen, auf dem Die Tochter der Hungergräfin teilweise spielt. Doch damals waren die Tore verschlossen und hinter den dicken Wehrmauern und Türmen konnte man vom eigentlichen Schlossgebäude nicht viel sehen. Doch dann sah ich den Artikel im Lokalanzeiger: Tag der offenen Tür auf Schloss Friedewald! Freier Zutritt! Ich war komplett aus dem Häuschen, da ich gerade mitten in der Überarbeitung des Romans steckte.
Natürlich habe ich recherchiert und mir viele Aufnahmen aus Zeiten angesehen, als das Schloss noch zugänglich gewesen war. Aber selbst dort zu stehen und all die Eigentümlichkeiten mit eigenen Augen zu sehen, von denen man bisher nur gelesen hat, ist doch etwas ganz anderes.

Rosengarten

Es wirkt klein, dieses Schlösschen, denn es war nie als Herrschaftssitz geplant, sondern als Jagdschloss. Der Schlosshof, eingerahmt von Wehrbauten, Schlossmauer und Türmen, ist gerade so groß, dass eine vierspännige Kutsche gut wenden kann. Von dort führt ein Weg in Serpentinen den steilen Hang hinab in den Rosengarten, der erst noch zu früherer Pracht zurückfinden muss. Es sind zwar neue Rosenbeete angelegt, aber viel mehr auch nicht.

Schlosshof mit Wehrbauten und Wachturm


Über die Eingangstreppe gelangt man durch eine prunkvolle Holztür in den Rittersaal des Schlosses, von dem rechts und links weitere Räume abzweigen. Zukünftig soll man dort heiraten können und zu diesem Zweck war ein verschnörkelter barocker Schreibtisch mit mehreren Stuhlreihen davor eingerichtet. Ach, hätte ich doch nur eine Schreibfeder gehabt! Aber auch so konnte ich es mir nicht nehmen lassen, mich einmal kurz an diesen Schreibtisch zu setzen und mir vorzustellen, wie ich Schriftsatz um Schriftsatz verfasse, um mir meine geraubten Rechte zurück zu erkämpfen, wie Louise Juliane von Sayn-Wittgenstein.

Strahlende Autorin an barockem Schreibtisch (denkt euch die Heizkörper weg und eine Feder in meine Hand)

Unten im Rosengarten stellte ich mir den Pavillon vor, in dem Ernestine bittere Tränen vergießt, weil ihre kleine Schwester Johannette ausziehen wird. Der angeschlossene Park hat sicherlich nicht mehr viel von den damaligen Gegebenheiten, denn er wurde nach dem Wiederaufbau des Schlosses im 19. Jahrhundert komplett neu gestaltet. So blieb mir nur die Frage, welche Wege meine Protagonistinnen wohl beschritten haben. Auch die Wehrbauten und Stallungen sind verändert worden. Was aber nachweislich noch stand, war die Fassade des Schlosses mit seinen herrlichen Fresken. Warum an der einen Seite des Schlosses Löwenköpfe angebracht sind und an der anderen gequält aussehende Fratzen, könnt ihr nachlesen, sobald das Buch erscheint. Sie waren einer der Hauptgründe, warum ich unbedingt vor Ort recherchieren wollte. Was habe ich gelacht!

Leider konnte ich weder in die oberen Etagen des Schlosses noch in den Wehrturm. Ich hätte ja zu gern gesehen, wie groß die Schlafräume sind und wie der Blick durch die Schießscharten ist, aber nun gut. Man kann ja nicht alles haben. Ich konnte es mir nicht verkneifen, dem freundlichen Herrn, der im Rittersaal für Fragen Rede und Antwort stand, ein Lesezeichen des Romans in die Hand zu drücken. Er wirkte etwas irritiert von meiner Begeisterung und informierte mich gleich, dass es keine Dokumente von der Hungergräfin im Schloss gäbe. Damit hatte ich auch gar nicht gerechnet. Alle weiteren Fragen beantwortete er aber ganz freundlich. Leider bestätigte er mir auch, dass es keine Portraits der Damen gibt, was ich immer noch sehr traurig finde. Oder auch nicht, denn in meiner Vorstellung haben sie inzwischen schon so viel Ausdruck und Lebendigkeit, dass jedes Portrait das nur zerstören würde.
Für weitere Eindrücke meines Besuchs klickt euch einfach durch die Slideshow.