Hoffnungsblüte

Dieser Tage beschäftigt einen großen Teil der Welt ein Thema: Putins Krieg in der Ukraine. Das geht natürlich auch an einer Autorin nicht vorbei, schon gar nicht an einer hochsensiblen wie mir. Schon letztes Jahr empfand ich das Leid auf dieser Welt als große Last – Massensterben von Flüchtlingen im Mittelmeer, die unsäglichen Bedingungen in den Lagern, der Militärputsch in Myanmar, noch immer Krieg in Syrien, furchtbare Zustände in Afghanistan … Die Liste nimmt kein Ende. Ach ja, und dann war da ja noch eine Pandemie mit Einschränkungen, Demonstrationen und Ausschreitungen. Da tritt die unaufhaltsame Zerstörung unseres Planeten schon fast in den Hintergrund. Was uns gerade noch fehlte, war ein Krieg auf europäischem Boden.
Ich kenne keinen Menschen, den das nicht entsetzt hat. Viele Menschen leiden mit den Ukrainern mit und zeigen dies auf unterschiedliche Weise. Und bei vielen Autoren finden sich Worte, Gedichte, Gedanken, die berühren und verschiedenste Gefühle ausdrücken. Auch meine Sprachlosigkeit findet ihren Weg in die Poesie. Ich möchte deswegen heute zwei Gedichte mit euch teilen, die seit Anfang März entstanden sind.




Ich glaube, mir ist das Herz eingefroren
Meine Tränen schillern im starren Glanz.
Wir haben unsere Unschuld verloren
Und glauben es immer noch nicht ganz.
Unbeweglich, nicht einmal zitternd,
Nehme ich die Bilder wahr.
Und warte, heimlich hoffend,
Dass alles nur ein Albtraum war.


4. März 2022


Diese Starre begleitete mich eine ganze Weile. Noch eine Woche vor dem Einmarsch hatte ich in meinem aktuellen Romanprojekt eine Szene geschrieben, in der die Menschen das Ende des 30jährigen Krieges feiern. Ich hatte die Freude, diese Befreiung und Erleichterung so tief in mir verspürt, dass ich den ganzen Tag ein Lächeln auf den Lippen hatte. Um so mehr schockierte mich die Realität.
Es vergeht seither kein Tag, an dem ich nicht bete. Ich bete für die Menschen in der Ukraine, die um ihr Land, ihr Leben, ihre Freiheit und Demokratie kämpfen. Aber ich bete auch für die Menschen in Russland, denn sie werden die Folgen der Sanktionen wesentlich deutlicher spüren als ihr Präsident. Sie sind diejenigen, die seit Jahren mit Propaganda in die Irre geführt werden. Und viele von ihnen wollen diesen Krieg nicht. Sie stehen auf und protestieren, obwohl sie wissen, dass sie verhaftet werden können. Obwohl sie wissen, dass sie spurlos verschwinden können, wenn sie sich gegen das Regime stellen. Ich bewundere ihren Mut und bete für sie. Von mir gibt es kein „Stand with Ukraine“, sondern ein „Stand with all the courageous fighters out there“.

Man hört oft den Vorwurf: Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt? Damit ist eigentlich gemeint: Wie kann heutzutage noch jemand einen solchen Krieg anzetteln? Aus meiner Warte hat Putin aus der Vergangenheit gelernt. Nur nicht das, was wir uns erhoffen. Er hat gelernt, dass die Werte der demokratischen Gesellschaft im Angesicht rücksichtsloser Grausamkeit gelähmt sind. Er hat gelernt, dass genau diese Werte verhindern, dass mit gleicher Grausamkeit zurückgeschlagen wird. Er hat auch gelernt, dass die Reaktionen auf Unrecht, dass anderen zugefügt wird, zunächst Beobachtung und erhobene Zeigefinger sind. Die Zeit, die westliche Diplomaten mit Verurteilungen verbringen, kann man nutzen, um ganze Städte in Schutt und Asche zu legen. Man kann Versprechungen machen und es folgen keine Konsequenzen, wenn man sie bricht, denn der Westen will keinen Krieg. Putin ist nicht dumm. Er hat viel gelernt und lange geplant. Ich bete auch für ihn, dass Gott sein Herz erreicht und ihn zur Umkehr bringt. Ich wünschte nur, ich würde mehr daran glauben, dass das möglich ist.

Trotz allem regt sich Hoffnung in mir. Was der russische Präsident bei seinem Unterfangen vermutlich nicht geplant hat, ist die Einung der Demokratien. Wir sehen zurzeit einen nie dagewesenen Schulterschluss der europäischen Staaten, plus USA und UK. Und wir sehen ein Aufbegehren der Menschen. Sie gehen für den Frieden auf die Straße. Sie zeigen – wieder einmal – eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft. Wir haben es 2015 schon erlebt, auch wenn einige Wenige es vielleicht anders sehen. Wie viele Menschen haben sich ehrenamtlich engagiert, um Flüchtlingen zu helfen? Jetzt tun sie es wieder. Wir sind noch in Übung von unserer eigenen Flutkatastrophe. Die Mechanismen greifen, überall wird Hilfe organisiert und ins Rollen gebracht. Ja, das macht mir Hoffnung, dass wir eine bessere Zukunft bauen. So wandelt sich meine anfängliche Starre langsam, aber sicher.

Und die Tränen
Sitzen auf meiner Haut
Gefrieren in der Kälte
Der Weltennacht
Zu einem eisigen Mantel
Erstarrt fürchte ich
Die Berührung, die mich zerbricht
Doch da ist Liebe
Der Sonnenstrahl
Der das Eis fließen lässt
Ich öffne mich
Neuer Hoffnung
Dass wir wachsen
An diesem Leid
Denn noch immer
Ist mein Herz weich.
Hoffnungsblüte.


16. März 2022

Ob es daran liegt, dass ich mich in meinem neuen Roman mit einer Regentin beschäftigt habe, dass mir die Verantwortung, die auf den Regierenden lastet, so deutlich vor Augen steht? Zwischen damals Mitte des 17. Jahrhunderts und heute hat sich nichts geändert. Machthaber damals wie heute haben die Wahl: Sie dienen dem Volk oder sie dienen sich selbst. Und dabei ist es egal, ob sie Macht in einem Staat oder in einem Unternehmen haben. Wem viel anvertraut ist, der trägt viel Verantwortung, das steht schon in der Bibel. Und er wird eines Tages Rechenschaft ablegen müssen über das, was ihm anvertraut war und was er damit gemacht hat.
So treibt meine Protagonistin die Frage um: Was für eine Regentin will ich sein? Letztendlich macht sie sich das zu eigen, was ihre Mutter ihr vorgelebt hat.

The Hoarder’s Widow by Allie Cresswell – Review

Ever since Tall Chimneys, my very first encounter with author Allie Cresswell, I have been impressed with the psychological depth of her characters as well as the absolute beauty of her writing. The sheer poetry of her language isn’t as pronounced in this book as it was in the others I’ve read, yet the story captivated me and was a true eye-opener.

Maisie, wife of Clifford and mother of three grown children, is unexpectedly widowed due to an accident. Her husband has left her a mansion full of junk – he was a hoarder and every nook and cranny of their house is crammed with a wild assortment of things he intended to use for something. All her married life, Maisie put up with it without complaint, but now she needs to declutter. Bit by bit she works her way through the mountains of furniture, magazines, and assorted waste, until she discovers her husband’s deepest secret and the reason for his hoarding. Along the way, she not only builds a new life for herself, but also finds new friends.

The point of view of the book alternates between Maisie’s daily struggles to come to terms with her widowhood and – interestingly enough – Cliffords thoughts while he was still alive. In this manner, the author allows a deep glimpse into the hoarder’s head and heart, while at the same time showing the consequences for those who lived with him. Maisie is a timid woman, but determined to free her home of all the junk. With the aid of her newfound friends, all of which are quirky, burdened characters, who nevertheless need and support each other, she tackles the task.

I absolutely love how the author holds a magnifying glass on the soul of her characters without ever shaming them. The whole story, despite its difficult topic, has an underlying sense of warmth, love and hope and thereby touches deeply – likely deeper than any sensationalist reality TV show ever could.

The book is the first in a two book (so far) series titled „Widows“ and I have read the sequel The Widow’s Mite right away. It takes up the story of book one, but focusses on one of Maisie’s friends, Minnie, also widowed and fallen prey to not only her stepchildren, who hate her and want to throw her out of the house they claim to have inherited, but also to a couple of thugs who pretend to have had business dealings with her late husband that require further payments against a large investment that will soon be due.

I must admit that I had no patience for Minnie’s naiveté. The scam was so obvious I found it hard to believe anyone could fall for that, even though I know these things happen. I mainly kept reading to learn what became of Maisie and found that storyline very rewarding. Should there be another book in the series, I’d certainly read it. The characters make it worthwhile.

If you enjoy unique stories off the mainstream genres you should definitely give Allie Cresswell a chance. I recommend these books as well as the Talbot Saga, and I’ll be sure to get around to her regency novels in due time, too.

Wenn das Leben die besten Geschichten schreibt

Schon ganz zu Anfang meiner Recherchen über mögliche Themen für historische Romane, die im Westerwald angesiedelt sind, begegnete mir eine außergewöhnliche Figur der lokalen Geschichte: Gräfin Louise Juliane von Sayn und Wittgenstein.
Überraschend viel ist über diese Frau im Internet zu finden, die es mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges geschafft hat, sich gegen eine Vielzahl mächtiger Widersacher durchzusetzen. Familienzwistigkeiten gepaart mit politischen Intrigen, persönliche Schicksalsschläge sowie Angriffe auf Leib und Leben – nichts konnte diese Frau davon abhalten, am Ende zu ihrem Ziel zu kommen.

Tatsächlich wurde über sie bereits ein Roman verfasst: Die Gräfin von Sayn von Karl Ramseger-Mühle, erstmals erschienen 1932. Dieser Roman befasst sich hauptsächlich mit dem frühen Leben der Gräfin, beginnend mit ihrer Heirat mit Ernst von Sayn und Wittgenstein, der vermutlich ein schweres Herzleiden hatte, weswegen seine Gemahlin ihn in vielen Bereichen bei den Regierungsgeschäften unterstützte. Er starb 1632. Sein Sohn Ludwig war zu diesem Zeitpunkt noch ein kleines Kind, sodass Louise Juliane als Vormünderin die Regentschaft übernahm. Doch dann starb auch der Erbgraf mit sieben Jahren. Damit war die männliche Linie erloschen, die Halbbrüder und Cousins von Graf Ernst erhoben ebenso Anspruch auf die Grafschaft wie der Kurfüst von Köln, der sie dem Bischof von Osnabrück als Dank für treue Dienste vermachen wollte.

Schloss Friedewald, Witwensitz der Gräfin Louise Juliane

Allerdings gab es ein Testament von Graf Ernst, in dem er im Falle des Todes seines Sohnes seine Töchter zu Erbinnen ernannte. Auf Basis dieses Testaments strengte die Gräfin einen zwölf (!!!) Jahre währenden Rechtsstreit an, der bis in die höchsten Instanzen ging und letztendlich mit Gegenstand der Verhandlungen des Westfälischen Friedens war. Man mag es glauben oder nicht, aber sie gewann allen Widrigkeiten zum Trotz.

Ihre Lebensgeschichte liest sich schon in der Zusammenfassung wie ein Abenteuerroman: Sie wurde in ihrem eigenen Schloss vom Bischof eingesperrt, um sie auszuhungern, doch sie konnte in einer Nacht- und Nebelaktion fliehen. Zuflucht fand sie auf der Freusburg, nur um dort vom Kurfürsten von Trier in ähnlicher Weise festgesetzt zu werden. Wieder floh sie, diesmal in den rettenden Schutz des Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt, einem Verbündeten. Endlich in Sicherheit, griff sie zur Feder und erwirkte einen Rechtsbeschluss nach dem anderen, die in den Kriegswirren jedoch allesamt ignoriert wurden. Sogar ein kaiserlicher Erlass blieb wirkungslos. Gab sie auf? Nein.

Spätestens an diesem Punkt war mir klar: Diese Geschichte ist zu gut, um sie nicht aufzuschreiben. So viel über die Gräfin selbst zu finden ist, so mager ist die Ausbeute bezüglich ihrer Töchter. Das kam mir gerade recht, denn es erlaubte mir die nötige dichterische Freiheit. Ich beschloss, mich mit der späteren Lebenszeit der Gräfin zu befassen, sozusagen als Fortsetzung des bereits bestehenden Romans, diese jedoch aus der Sicht der ältesten Tochter Ernestine zu erzählen. Ich fragte mich, wie man wohl im Schatten einer solchen Koryphäe von Mutter aufwächst, unter so schwierigen Lebensumständen und in ständiger Bedrohung, und das auch noch in einer Zeit, in der Gräfinnen hauptsächlich als Gebärmaschinen für die Erbfolge betrachtet wurden. Nichts war wichtiger als ein männlicher Nachkomme. Die Kindersterblichkeit war enorm hoch und auch die Gräfinnen erlagen häufig schon in frühen Jahren den Strapazen der Geburt.

Gedenkmünze geprägt anlässlich des Todes der Gräfin Louise Juliane

Interessanterweise liegen in den Staatsarchiven drei Eheverträge für Ernestine mit verschiedenen Männern, von denen aber nur einer am Ende Gültigkeit hatte. Für die anderen gibt es Aufhebungsverträge, die ich zu gern gelesen hätte, doch das ist aufgrund der alten Handschriften extrem zeitaufwändig. Der Mann, den sie letztendlich geheiratet hat, war ein äußerst fortschrittlicher Mensch, dem das Wohl seiner Untertanen mehr am Herzen lag als sein eigener Profit – in Zeiten des Absolutismus eine Rarität. Diese Haltung sagt man auch der Gräfin Louise Juliane nach, ebenso wie dem Landgrafen Georg. Sie waren alle gottesfürchtig und nahmen die ihnen auferlegte Verantwortung gegenüber dem Volk ausgesprochen ernst. Damit wirken sie auf mich fast wie eine paradiesische Insel inmitten des brutalen Elends, das der Krieg über das gesamte Land gebracht hatte.

Wenn das nicht genug Material für einen Roman ist! Ich habe es gewagt, diese Geschichte in der Ich-Perspektive zu erzählen, denn ich wollte möglichst nah an die Gefühlswelt meiner Protagonistin heran. Noch sind einige Kapitel zu schreiben, aber was ich bisher mit ihr erlebt habe war ein wildes Auf und Ab, eine Achterbahnfahrt von Gefahr zu Hoffnung, von Angst zu Glauben, von überschwänglichem Glück zurück in die Hoffnungslosigkeit, bis sich endlich die Wogen glätten. Und je tiefer ich in den Zeitgeist eingetaucht bin, je mehr ich über die Haltung der Grafen und Fürsten las, desto mehr wuchs meine Bewunderung für diese Frauen. Ein bärenstarkes Stück Regionalgeschichte, dass meine Leser hoffentlich ebenso begeistern wird wie mich.
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Die Zwerge – Rezension

Vorab muss ich gestehen, dass ich mir dieses Buch von Markus Heitz sicherlich nicht gekauft hätte. Ich bekam es von meinem Sohn zu Weihnachten geschenkt, dem seine Freunde es wärmstens empfohlen hatten.
Schon die ersten hundert Seiten fand ich äußerst gewöhnungsbedürftig. Es gab im Wesentlichen wildes Gemetzel, das mit großer Hingabe beschrieben wurde. Sämtliche Figuren, die man im Laufe der irritierend hin und her springenden Erzählstränge kennenlernte, wurden binnen kürzester Zeit auf brutalste Weise ermordet. Rühmliche Ausnahme bildete der Zwerg Tungdil, der aus unbekannten Gründen bei Menschen aufgewachsen war und noch nie einen anderen Zwerg gesehen hatte. Am Ende des Buches lebte er erstaunlicherweise noch und ich wusste immer noch nicht, wie es zu diesem Umstand gekommen war. Das ist vermutlich der Stoff für die Folgebände, die ich nicht lesen werde.

Es spricht für das Buch, dass die Story zumindest so interessant aufgebaut war, dass ich wissen wollte, wie es weitergeht. Also überblätterte ich ziemlich viele Seiten, in denen nur weiter gemetzelt wurde, grünes Orkblut floss und Gliedmaßen durch die Gegend flogen, bis sich das Drama endlich wandelte und es einen Quest gab. Die bunt zusammengewürfelte Truppe von Charakteren, die sich gemeinsam mit Tungdil auf die Reise machten, um die Feuerklinge zu schmieden, blieb endlich mal am Leben und sorgte auch für etwas Heiterkeit, auch wenn die einzelnen Charaktere sehr platt wirkten und eigentlich jeweils nur eine Eigenschaft besaßen. Das empfand ich als wenig einfallsreich, aber es diente dem Vorankommen der Geschichte, die auf den letzten zweihundert Seiten doch tatsächlich noch recht spannend wurde, auch wenn sämtliche Probleme, die sich der Gruppe stellten, auf wundersame Weise sofort gelöst wurden.

Markus Heitz mit Tolkien zu vergleichen, finde ich sehr, sehr weit hergeholt. Vielmehr drängt sich mir der Eindruck auf, dass hier jemand versucht hat, aus dem Erfolg des Herrn der Ringe Profit zu schlagen, indem er sich der gleichen Völker bedient. Das Konzept scheint aufzugehen, denn die Zwerge haben es in die Spiegelbestsellerliste geschafft, was für mich persönlich nicht nachvollziehbar ist. Sprachlich ist das Buch mittelmäßig, die Namen mussten wie bei Tolkien mit Bindestrichen und Accents versehen werden, wobei sie nachgemacht und willkürlich klangen, und die enthaltenen Logikfehler lassen mich stark an der Kompetenz des Lektors zweifeln, der dieses Werk bearbeitet hat. Wenn jemand seinen Rucksack abstellt und dann auf Erkundungstour geht, kann er nicht plötzlich den Rucksack wieder dabei haben. Nur so als Beispiel.

Es fehlte an so vielen Stellen. Es fehlte die Liebe zur Sprache, die man bei Tolkien findet. Es fehlte die Liebe zum Detail und zu den einzelnen Charakteren, die durchaus mehr Aufmerksamkeit bei der Ausarbeitung hätten vertragen können. Was nicht fehlte, war die Liebe für Kämpfe und Schlachten sowie ein etwas derber Humor. Wer das mag, wird dieses Buch lieben.

Fazit: Es ging mir, wie es mir schon so oft mit Fantasy-Romanen ging: Netter Versuch. Ich bleibe bei Tolkien.

Herzensfarben


Ich knie
In weichen Wellen
Versinke
Im warmen Sand
Und färbe den Himmel mit schnellen
Strichen aus lockerer Hand.
Und treibe
Wie ein Stück Holz
Leblos, zeitlos, ziellos
Und finde
Herzensfarben am Horizont
Und ziehe sie an voller Stolz.

10. August 2021


Dieses Gedicht entstand während meiner Kur auf Norderney im August 2021. Ich hatte mir vorgenommen, mich in dieser Zeit weder mit meinen Schreibprojekten noch mit sozialen Medien zu befassen. Stattdessen wollte ich lesen und – sofern die Muse mich küsste – dichten.
Es entstanden tatsächlich eine ganze Reihe von Gedichten, einige lustige Limericks über die Erlebnisse im Kuralltag, mit denen ich meine Mitstreiterinnen erheitern konnte, aber auch einige nachdenkliche Stücke mit sehr unterschiedlichen Inspirationsquellen. Das Meer selbst ist eine solche Quelle für mich, was sich in diesem Gedicht spiegelt. Die Bilder habe ich ebenfalls in der Kur aufgenommen und ich finde, sie passen perfekt zu der Stimmung der Worte.

Christmas with Granny McPherson – Book Review

She’s done it again. And this time she’s even done it despite the fact that this book was written in first person present tense, which I usually hate. Nellie K. Neves made me read this story through within 24 hours. She had me riveted, laughing and thoroughly enjoying myself.

So what is it all about?
The story has alternating points of view. One is Evan, who is a successful cook book author. However, he is not everybody’s sweetheart, socially awkward and therefore hired an old lady to front as the dearie who came up with all the wonderful recipes. Until the day the old lady blows her cover and leaves Evan and his manager in panic.
The other is Brooke, who is single-handedly trying to run a bed and breakfast despite the fact that she can’t cook and burns down her kitchen, trying.
Enter the manager with the brilliant idea of creating a social media event, featuring Evan in Brooke’s bed and breakfast out in the country, show cooking and baking to establish a new brand.
The whole thing is hilarious. There are cameras and strange media folks all over the place, everything that could possibly go wrong goes wrong and is then miraculously saved by the simply fact that sparks are flying right, left and center between Brooke and Evan. There are snowball fights, food fights, tender moments, awkwardness and more and more glimpses into the past that explain how both of them ended up being who they are. And all this happens under the spotlight glare of social media.

There were any number of scenes that had me whooping and laughing out loud and while a clean read, the erotic tension created had just the right momentum. Those of you who have been following me a while longer know that I’m a big fan of Nellie and her awesome writing. I shied away from her most recent series, though, for the simple fact that it’s written in first person present tense. I grabbed this book because it was a freebie without checking. I just might overcome my apprehensions now. This story was just too much fun and if you want to, you even have some food for thought about the influence of social media on our lives and what it means to believe in yourself. Oh, and while set in the winter before Christmas, it’s not heavily Christmas themed and can easily be read out of season.

Images by Nellie K. Neves, used by permission.

Die Sprache ist zu modern!

Als Autorin historischer Romane ist mir dieser Vorwurf schon mehrfach untergekommen und ich muss gestehen, dass er mich erheitert. Meine Romane sind im 17. Jahrhundert angesiedelt und seien wir mal ehrlich: Würde ich sie in authentischer Sprache schreiben, würde kein Mensch sie lesen. Beweisstück A:

Geliebte im Herrn / E. Christl. Liebe ist wehemütig zuermelden / was massen der Allmächtige Gott / anch seinem weisen Raht und Willen / des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Herrn Johann Georgens / Herzogs zu Sachsen Unsers gnädigsten Fürsten und Herrns / freundlich vielgeliebte SchwiegerFrauMutter / die weiland Hochgeborene Gräfin und Frau / Frau Loysen Julianen, Gräfin zu Sayn und Witgenstein / gebohrne Gräfin von Erbach / Wittbe / nunmero Christseel. Gedächtnüß / den … zwischen … und … Uhr / von dieser zergänglichen Welt durch den zeitlichen Tod vermittelst eines sanft und seeligen Endes / abgefordert / und der Seelen nach / ohnzweiflich zu sich in die ewige Freude und Seeligkeit versetzet hat.

Ich habe während meiner Recherchen inzwischen verschiedene Zeitdokumente wie den obigen Nachruf auf Gräfin Louise Juliane von Sayn und Wittgenstein von 1670 (Auszug) gelesen und dabei festgestellt, dass Grammatik und Satzzeichen eine relativ neue Erfindung sein müssen, ebenso wie Rechtschreibung. Im oben zitierten Absatz sieht das alles noch recht harmlos aus, aber in anderen Texten brauchte man schon extrem viel Fantasie, um überhaupt etwas zu verstehen. Da wurde gern mal das gleiche Wort in vier verschiedenen Varianten geschrieben und Sätze gab es nicht. Es war einfach nur eine Aneinanderreihung von Worten, eine endlose Schlange, an deren Ende man eine Ahnung vom Willen des Schreibers hatte. Wie beispielsweise dieser Schirm- und Schutzbrief von Kaiser Ferdinand III. von 1639, den ich in mühevoller Kleinarbeit transkribiert habe, und zwar weitestgehend so, wie er dort abgedruckt ist. (Zum Glück abgedruckt, die Handschriften sind ja dann noch einmal eine ganz andere Herausforderung!) Die verschiedenen Schreibweisen des Wortes und habe ich ignoriert (unnd, vnd, unnt usw.). Beweisstück B:

Hier ein kleiner Auszug aus dem obigen Text zur Veranschaulichung:
Ob wohlen Uns als Oberisten Vogt Schutz und Schirm Herr/auß kayserlichem Ampt in alleweg obligend gebührt/alle und jegliche Unsere und deß Heiligen Reichs Stände und Underthanen/sampt Ihren Haab und Güteren/auch Zugehörigen und Verwandten/sonderlich den diesen gegenwertigen gesehenen Läufften und Zeitten/vor aller vergwaltigung/nachtheil und schaden/zu schutzen und zu schirmen/und dieselbe bey Ihren rechtmessig erlangten Freyheiten/Privilegen/Immuniteten/Recht und Gerechtigkeiten /zu erhalten und handezuhaben.
Alles klar, oder?

Der Vorwurf von zu moderner Sprache prallt also recht schmerzfrei an mir ab. Trotzdem stelle ich mir natürlich die Frage, warum ein solcher Vorwurf – so sinnfrei er auch sein mag – gemacht wird. Was steckt dahinter?
Wer historische Romane liest, möchte das Gefühl haben, in eine andere Zeit versetzt worden zu sein, und dabei stellen zu moderne Worte einen Störfaktor dar. Das kann ich durchaus nachvollziehen und versuche das auch zu vermeiden. Keiner meiner Charaktere wird jemals sagen: „Is ja cool!“ Nun ist das Empfinden allerdings sehr individuell, was modern ist und was nicht.

Für mich ist die verwendete Sprache nur ein geringer Teil der Atmosphäre, mit der ich den Leser in die Zeit eintauchen lasse, und hierin liegt auch der Grund, warum ich mich von solch altertümlicher Wortwahl fernhalte: Ich schreibe für ein modernes Publikum. Die Menschen, die meine Romane lesen, sollen sich nicht an merkwürdigen Formulierungen aufhalten müssen, die sie in ihrem Verständnis und Lesefluss behindern. Die Sprache, mit der ich meine Geschichten erzähle, soll so gestaltet sein, dass der Leser sie vergisst. Sie soll Stimmungen erzeugen, Bilder malen und Gefühle transportieren, sodass er gar nicht mehr merkt, dass er liest. Und dafür muss ich eine Sprache verwenden, die eingängig und leicht zu verstehen ist.

Bei aller Liebe zum Detail und dem Wunsch nach Authentizität kann und will ich an dieser Stelle keine Abstriche machen. Worte sind meine Farben, mit denen ich Bilder in Deinen Kopf male. Das ist mein Motto und es erfüllt mich mit Stolz, wenn meine Bücher als bildgewaltig beschrieben werden, oder wenn Leser mir sagen: „Ich hatte das Gefühl, dass ich direkt in der Handlung stand!“ Das ist mein Ziel. Und dafür benutze ich eben moderne Sprache. Wie siehst Du das?

P.S.: Falls jemand den Wunsch verspürt, die gesamte Abschrift des Schutzbriefes zu lesen, darf er mir gern eine Nachricht schicken.

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Go tell the bees that I’m gone – An Outlander Review

Last year, I started re-reading the Outlander series by Diana Gabaldon in preparation for the release of book 9, Go tell the bees that I’m gone. The first book in the series is one of my most-read books ever, bringing to life my memories of various visits to Scotland. I have read this story approximately eight times before moving on to the sequel as I was convinced it would not live up to the magic of the first book. By the time I reached An echo in the bone (7), I was in total awe of the ability of Herself to keep the tension of the story high over such a long stretch of time.

Re-reading surprised me in two ways. First of all, I didn’t make it through the first book. I knew, practically by heart, all the gruesome things that were going to happen and I was not up to it. I broke it off half-way through. I skipped Dragonfly in Amber for the simple reason that I didn’t enjoy the time in France and continued with Voyager. My second surprise is probably due to the fact that I am now an author myself and therefore look at the writing a bit more closely as to handicraft. And I noticed that what made these books so fascinating for me, apart from the atmosphere and the amazingly detailed characters, is the philosophical depth of the characters‘ thoughts and emotions. If Outlander is one thing, it is inclusive. Catholics, Presbyterians, Quakers, Mohawk, Germans, Chinese, English, Scots, French, Africans – all these religions and nationalities get along somehow and mostly find a common basis, a point where they can meet and leave their differences behind without giving up their principles. There is a strong sense of equality running through the books and I really, really like that.

So, how did I like Go tell the bees that I’m gone? To be honest, I think it’s not as good as Written in my own hearts blood. In comparison to the previous books, it lacks the philosphical depth, focussing more on letting the reader know what is happening to all the various people we have come to care about. This leads to a lot of hopping from one setting to another, from one person to another, which in my humble opinion has worked better in the past. This time, I have felt as if there were stark islands of action jutting out of a rather dull murky sea, especially in the first half of the book. Every time I had settled into a perspective, felt rattled by what happened and wondered how the respective person was going to handle it, I was thrown into another perspective and the questions I had weren’t answered, or answered in an off-hand way from a different point of view. I was a bit miffed by that.
Later, the impression wasn’t as pronounced and there were longer stretches with a natural flow that kept me engaged, namely Ian’s (+) journey to the Mohawk.
Some things I was kind of tired of reading, like Claire’s favorite curse, other things I deeply enjoyed due to the beautiful writing, descriptions and atmosphere conveyed. I laughed, I cried and overall not for an instant regretted spending my time reading this story, but I didn’t tear through the pages as I did in the past and didn’t get as deeply involved, especially at the end. It was more of a ‚oh, are you really going to… no, of course not.‘ To be fair, that might be due to my personal situation and not the author’s skill. So now I wait again along with everyone else for probably 4-5 years for the next book to arrive, for naturally I want to know what happens next. I don’t like cliffhangers.

Alte Schätze / Old Treasures

Mein neues Regal / My New Shelf

In meinem neuen Bücherregal gibt es einen Boden für alte Schätze: Bücher, die ich von meinen Eltern geerbt oder in Antiquariaten gekauft habe. Neulich habe ich mir die Mühe gemacht, nach den Erscheinungsdaten zu forschen, und ich stellte fest, dass ich einige Bücher besitze, die über 100 Jahre alt sind. Der Star dieser Abteilung ist sicherlich die englische Ausgabe von Charles Dickens‘ Martin Chuzzlewit von 1872. Und ja, ich habe sie gelesen!

In my new bookshelf, there is one compartment for old treasures: Books that I have inherited from my parents or bought in second-hand bookshops. A little while ago, I went through the trouble of finding out the publishing dates of the individual volumes. I found that I own several books which are 100 years or older. Star of this collection most certainly is the household edition of Charles Dickens‘ Martin Chuzzlewit from 1872. And yes, I’ve read it!


Natürlich schlägt man bei einer solchen Aktion die Bücher auch auf und in Selma Lagerlöfs Gösta Berlings Geschichte las ich spaßeshalber das Vorwort von Hanns Heinz Ewers aus dem Jahre 1911.

Of course I opened the books and stumbled across a foreword to Selma Lagerlöf’s Goesta Berling, written by one Hanns Heinz Ewers in the year 1911


Für diejenigen, die sich mit der deutschen Schrift etwas schwertun, schreibe ich es hier noch einmal ab:

Oscar Wilde, der die dichtenden Frauen hasste, sagte einmal in Bezug auf ihren wunderbaren Roman „Gösta Berlings Saga“ sehr entschieden: „Ach was, sie hat dies Buch ja gar nicht geschrieben!“ Und als man ihn fragte, wer es denn geschrieben habe, antwortete er: „Sie nicht – – es in ihr.“ So paradox das klingt, es mag doch etwas daran sein, wenn man auch schwerlich je dahinter kommen wird, was denn dieses geheimnisvolle „es“ eigentlich sei.
Manche glauben, und nicht die Dümmsten, dass Ideen ihr eigenes Leben haben, dass sie nicht Produkte irgend eines Hirnes seien, sondern sich betten in diesem oder jenem Hirne, dort verkümmern oder aber ausreifen, bis sie eines jungen Tages in die Erscheinung treten. So mag es kommen, dass zwei und drei Menschen urplötzlich zu gleicher Zeit an ganz verschiedenen Weltecken dieselbe große Erfindung, dieselbe wissenschaftliche Entdeckung machen, denselben künstlerischen Gedanken hegen.

Ich kann bestätigen, dass Ideen definitiv ihr eigenes Leben haben und dass sie einen durchaus so lange nerven können, bis man ihrem unbändigen Erscheinungswillen endlich nachgibt. Gleichzeitig habe ich mir schon öfter darüber Gedanken gemacht, wie in der kulturellen Entwicklung der Menschheit bestimmte Dinge entdeckt wurden. Brot beispielsweise. Es ist naheliegend, dass man Körner essen kann. Aber wer ist auf die Idee gekommen, diese Körner zu zerreiben und sie mit Wasser zu vermengen? Und wer schon einmal Sauerteig gerochen hat, weiß, dass das alles andere als appetitlich riecht. Wie also kam es zum Sauerteigbrot?
Oder Eisen. Wie viele Schritte sind nötig, um aus Erz einen Gebrauchsgegenstand herzustellen? Und wer hat daran getüftelt? Es bringt mich zu der Überzeugung, dass Ideen eine ganz eigentümliche Dynamik haben und etwas sehr Lebendiges, ja geradezu Elektrisierendes sind. Vermutlich sind sie nahe verwandt mit dem Schöpfergedanken, dessen Echo uns in Unruhe versetzt und mit Begeisterung füllt. Ideen sind Lebensmotor und Schaffensmotivation und ohne sie würden wir vermutlich immer noch im Gras sitzen und Körner kauen.

Und dann ist da noch diese Überraschung, dass manche Ideen gar nicht so neu sind wie man glaubt. Der obige Text könnte in moderner Formulierung aus einem aktuellen Social Media Post eines Autors stammen, aber nein. Er ist über 100 Jahre alt. Auch damals waren Autoren bereits den Launen ihrer Geschichten und Charaktere hilflos ausgeliefert. Ich finde das ausgesprochen sympathisch. Und du?

Let me give you a translation of what is being said here:

Oscar Wilde, who hated women writing poetry, once said with regard to her wonderful novel „Gösta Berlings Saga“ quite resolutely: „Mind you, she hasn’t written that book herself!“ When asked who had written it, he replied: „Not her – – it within her.“ As paradoxical as this may seem, there appears to be some truth in this, even though one will hardly find out what this mysterious ‚it‘ may really be.
Some believe, and they are not the most stupid, that ideas have their own lives, that they are not products of someone’s brain, but retire to this brain or that, to waste away there or grow ripe, until one young day they appear. That’s how it may come to pass that two or three people at different corners of the world all of a sudden make the same great invention, the same scientific discovery, have the same artistic thought.

I can confirm that ideas definitely have a life of their own and that they may get on your nerves incessantly until you finally give in to their irrepressible will to come into existence.
At the same time, I have repeatedly wondered how certain things were discovered in the course of the cultural development of humanity. Bread for example. It is quite obvious that grain is edible. But whose idea was it to grind it and mix it with water? And if you ever got a whiff of sour dough, you know it smells anything but enticing. So how did sour dough bread come to happen?
Or take iron. How many steps are necessary from iron ore to a finished tool? Whoever thought of all that?
It brings me to the conclusion that ideas possess curious dynamics, something alive or even electrifying. They are probably related to the creator’s thoughts, whose echo makes us restless and fills us with enthusiasm. Ideas are life engines and motivation to create, and without them we would likely still be sitting in the grass, chewing grain.

And then there is this surprise that some ideas aren’t as new as you thought. The above text, worded a bit differently, could have come straight from an authors current social media post, but no. It is more than 100 years old. Even back then authors were helplessly entangled in the grip of their stories and characters. I really like that thought. What about you?


Die letzte Nekromantin – Rezension

Das Ministerium der Kuriositäten – so lautet der Titel der Reihe, die mit diesem Buch eingeläutet wird. Wer Dark Fantasy in einem historischen Setting mit einem Spritzer Romantik mag, ist hier sehr gut aufgehoben.

Die letzte Nekromantin ist nicht das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe – zu Beginn der Pandemie habe ich zehn Bände ihrer Glass & Steele Reihe am Stück durchgesuchtet – aber es ist das erste Buch, das ich übersetzen durfte. Was soll ich sagen? Ich war deutlich früher fertig, als ich geplant hatte, denn die Story ist so spannend, dass ich unbedingt wissen musste, wie es weitergeht, und entsprechend nicht aufhören konnte zu arbeiten. Wenn das keine Motivationshilfe ist!

Es geht um Charlie, ein junges Mädchen, das nach dem Tod der Mutter vom Vater vertrieben wurde und sich seither als Junge getarnt in den Armenvierteln Londons Ende des 19. Jahrhunderts durchschlägt. Sie besitzt eine merkwürdige Fähigkeit: Sie kann Geister sehen und Tote beschwören. Das bringt ihr die Aufmerksamkeit fragwürdiger Gestalten ein und ein Mann schafft es, sie zu fangen: Lincoln Fitzroy. Er ist der Kopf einer Geheimorganisation, die einem Wahnsinnigen auf der Spur ist, und Charlie soll ihm helfen. Doch die Erfahrung hat sie gelehrt, dass sie niemandem trauen kann.

Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet. Charlie, misstrauisch und eigensinnig, die sich mit Händen und Füßen gegen alles wehrt, was an sie herangetragen wird. Lincoln, geheimnisvoll und eiskalt, der zielstrebig seine Pläne verfolgt, Charlie gegenüber aber untypisch beschützend auftritt. Und dazu eine Handvoll bunter Nebendarsteller vom trotteligen Gus bis zur feinen Lady Harcourt, die die Handlung nicht nur abwechslungsreich, sondern auch ausgewogen machen.

Das Erzähltempo ist flott, die Spannung steigt zum Ende hin immer mehr an und wartet mit einer wirklich starken Wendung auf, bei der ich innerlich gejubelt habe und völlig von den Socken war. Geniale Idee und ich werde sie auf gar keinen Fall spoilern!

Bevor ich diesen Auftrag annahm (ich darf die ganze Reihe übersetzen) habe ich intensiv überlegt, ob ich mich mit diesem Thema befassen will. Herumspazierende Leichen sind jetzt eher nicht so meins und doch ließ mich die Geschichte nicht los, denn eins wusste ich: C.J. Archers Schreibstil ist genau mein Ding. Sie beherrscht Spannung, sie beherrscht Charakterentwicklung, und zwar über den gesamten Rahmen der Reihe, nicht nur im einzelnen Band, und sie beherrscht das Spiel mit dem Übernatürlichen, das ganz selbstverständlich in das Alltagsleben der Figuren eingewoben wird. Und da hatte ich Bock drauf. Ich habe mich also rückversichert, dass es nicht zu gruselig oder ekelig wird, und mich mit Freude ans Werk gemacht.

Einen gewissen Hang zum Düsteren sollte man schon haben, um dieses Buch zu genießen, aber die Beschreibungen sind absolut nicht darauf angelegt, Ekel zu erregen oder den Leser zu schocken. Ein wohliger Schauer darf sein; vor mehr muss man sich nicht fürchten.

Das Buch erscheint am 18. Januar 2022 und kann bereits vorbestellt werden. Ich habe es hier für euch verlinkt. Absolute Leseempfehlung von mir! Allerdings muss ich euch auch warnen: Diese Bücher machen süchtig und man muss jeweils ein halbes Jahr warten, bis das Nächste herauskommt. Es sei denn, man kann auf Englisch lesen, da ist die Reihe komplett.