Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Wie oft hast Du diesen Satz schon gesagt, ohne dabei an seinen Ursprung zu denken? Die Redewendung stammt aus einer Zeit, in der man sein Mehl nicht fertig verpackt im Supermarkt kaufte. Die Menschen lebten größtenteils von dem, was sie anbauten und in ländlichen Regionen brachte man sein Getreide zur Mühle, um es dort mahlen zu lassen.
Im Westerwald im 17. Jahrhundert waren Bannmühlen üblich. Das bedeutete, dass jedes Dorf einer bestimmten Mühle zugeordnet war und die Leute ihr Getreide – unter Androhung von Strafen, wenn sie den Mühlenbann brachen – nur dort mahlen lassen durften. Somit hatte der Müller ein Monopol und ein relativ sicheres Einkommen. Und es wurde strikt nach der Reihenfolge des Eintreffens gearbeitet: Wer zuerst da war, bekam auch zuerst sein Getreide gemahlen.
Da die Mühlengäste so öfter mal warten mussten, war es nicht unüblich, dass der Müller nebenbei auch noch eine kleine Gastwirtschaft betrieb.

Ich war sehr erfreut, als ich dies bei meinen Recherchen für den neuen Roman Ein Sonett für die Müllerin herausfand, denn in meinem Kopf bewirtete Protagonistin Sophie die Gäste, wodurch sie auch immer gut über den neuesten Klatsch aus der Gegend informiert war, obwohl sich die Mühle abseits des Dorfes Michelbach am Flussufer befand. Heute ist das Dorf bis an die Mühle herangewachsen, aber trotzdem ist das Tal der Wied ein sehr ruhiger, friedlicher Ort, wie man auf diesem Video sehen kann. Am Ende sieht man hinter den Bäumen das Dach des heutigen Mühlengebäudes.

Die Wied in Michelbach, Westerwald, unterhalb der Mühle

Obwohl im Roman der 30jährige Krieg gerade zu Ende ist, wird Sophie von den Ereignissen auf der Mühle ziemlich gebeutelt. Moment. Gebeutelt? Woher stammt denn eigentlich dieser Ausdruck? Hierzu müssen wir ein wenig in die Mechanik des Mahlvorganges einsteigen. Über einen Trichter wurde das Getreide in die Mahlkammer geschüttet. Dabei sorgte der sogenannte Rüttelschuh dafür, dass das Getreide langsam und gleichmäßig zwischen die Mühlsteine rieselte. Er war über eine einfache Stabmechanik mit dem Antriebsrad (Bunkler) des Läufersteins verbunden. Dieser Stab klapperte gegen die Speichen des Bunklers und verpasste damit dem Rüttelschuh mit jedem Klappern einen Stoß. Damit wäre auch geklärt, warum die Mühle am rauschenden Bach klappert, wie es in dem alten Volkslied heißt.
Das Getreide wurde zwischen den Mühlsteinen zerrieben und über die eingemeißelten Rinnen nach außen transportiert, wo es weiter in den Mehlkasten rutschte, bzw. in den Stoffschlauch, der im Mehlkasten hing. Dieser wurde genau wie der Rüttelschuh in Schwingung gebracht (noch mehr Klappern), das feine Mehl fiel durch die groben Maschen des Beutels in den Mehlkasten und der Rest, die Kleie, rutschte durch den Kleiekotzer hinaus in den Auffangsack. Wer also gebeutelt wird, der wird hin und her geschüttelt.
Das Beuteln des Mehls wurde allerdings von der armen Landbevölkerung abgelehnt – es ging dabei viel zu viel Masse verloren. Wenn die Kleie, also die Schale des Korns, nicht vom Mehl getrennt wird, hat man übrigens das, was wir heute als Vollkornmehl verstehen.
Neben dem Klappern haben die Mühlsteine selbst einen unvorstellbaren Lärm gemacht, sodass die häufigste Berufskrankheit der Müller Taubheit war. Seit ich selbst eine kleine elektrische Getreidemühle besitze, kann ich das absolut nachvollziehen. Das Ding macht ein grässliches Getöse!
Über den Kleiekotzer werde ich in einem weiteren Post noch näher berichten. Abonniere doch einfach meinen Blog, um den nächsten Beitrag nicht zu verpassen!
Und hier geht es zur Beschreibung von Ein Sonett für die Müllerin.

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