Ein Besuch auf Schloss Bürresheim – Visiting a Castle

Im Juni haben mein Mann und ich uns einige Tage frei genommen und Mayen in der Eifel besucht, ein wirklich hübsches Städtchen. Einen Tag wollte ich wandern gehen und suchte mir auf der Karte ein geeignetes Ziel. 4 km durch den Wald nach Schloss Bürresheim klang super. Ich hatte von dem Schloss noch nie gehört und demnach keine Ahnung, was mich erwartete. Als wir uns dem Schloss näherten, sah ich das hier:

My husband and I took some days off in June, traveling to Mayen, a lovely town in the Eifel. Looking for a destination for a day of hiking, I discovered Castle Bürresheim on the map. 4 km through the forest seemed perfect! I had never heard of this castle before and had no idea what I was in for. This is what I saw as we drew near:

Dieses Schloss wurde im frühen Mittelalter erbaut und nie zerstört. Mehr noch, es befand sich über viele Generationen in der Hand einer Familie, die bis ca. 1930 noch dort lebte! Dann wurde es mit dem gesamten Inventar an den Staat verkauft, renoviert und in ein Museum verwandelt. Könnt ihr euch vorstellen, was das für mich als Autorin historischer Romane bedeutet hat?

This castle was built in medieval times and has never been destroyed. What’s more, it’s been in the hands of one family for many generations – a family who lived there until the 1930s! It was then sold to the state including all the inventory, fixed up, and turned into a museum. Can you imagine what this meant to me as an author of historical novels?

Diese Bilder zeigen von links nach rechts (oder oben nach unten, wenn du das auf dem Handy liest): Den Innenhof mit Blick auf das zuletzt angebaute Gebäude, die offene Sommerküche und eine der sieben Toiletten, die um das ganze Schloss verteilt sind. Diese Erker wurden ursprünglich gebaut, um heißes Pech auf Angreifer zu kippen. Beachtet bitte das Steingut in der Küche, typisch salzgebrannte Töpfe und Kannen aus dem Westerwald.

Leider war es nicht gestattet, im Innern des Schlosses Bilder zu machen. Wir haben die Führung gleich zweimal mitgemacht, weil es so viel zu sehen gab! Wunderschöne Möbel zwischen 200 und 500 Jahren alt, eine gigantische Eichensäule, die durch das Gewicht über die Jahrhunderte versteinert wurde, Gemälde, Ledertapete (!), Kronleuchter und ein Globus von einem Meter Durchmesser aus dem 17. Jahrhundert. Es war ein Autorenparadies. Ich hätte Tage dort verbringen können.
Das Schloss hat sein Dasein übrigens als Trutzburg begonnen und diente schon häufiger als Filmkulisse, u.a. in einem Indiana Jones Film. Der Burgteil ist allerdings inzwischen eine Ruine und kann nicht betreten werden.

These pictures show from left to right (or top to bottom if you’re reading this on your mobile) part of the inner courtyard looking at the building last added to the castle, the open summer kitchen, and one of seven toilets conveniently attached to various rooms of the castle. These jutties were originally built to drop hot tar on attackers. Please note the stoneware pots in the kitchen, which are typical salt-fired pots from the Westerwald.

Unfortunately, it was prohibited to take pictures inside the castle. We did the tour twice because there was so much to see! Gorgeous furniture between 200 and 500 years old, a monstrous oak beam turned into stone from supporting the weight of the upper floor over many centuries, paintings, leather (!) wallpaper, chandeliers and a globe a meter in diametre dating back to the 17th century. It was an author’s paradise. I could have spent days there.
The castle started out as a fortress and has repeatedly served as a movie setting. One scene from an Indiana Jones film was shot there. The fortress part has fallen into ruin now and cannot be accessed.

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Remember when dreams were born – Rezension

Meine Hauptquelle für die Entdeckung neuer Bücher / Autoren ist die Buchbubble bei Instagram, das werden aufmerksame Blogleser inzwischen bemerkt haben. Viele Autoren posten dort mehr oder weniger regelmäßig Auszüge aus ihren Werken (ich übe das noch), mal einen kurzen Abschnitt, mal nur einen Satz. In den allermeisten Fällen lese ich diese Auszüge, zucke mit den Schultern und scrolle weiter. Einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Sätze vermitteln selten ein Gefühl für die Story. Das war bei Anne Goldberg anders. Ihre Textschnipsel sprachen mich an, genauso wie der locker-flockige, bissig-humorige Stil ihrer sonstigen Posts. Als sie dann auch noch schrieb, dass sie oberflächliche Romanzen sterbenslangweilig findet und deswegen Bücher mit Tiefgang schreibt, die sie selbst gern lesen würde, hatte ich das Gefühl, eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Den ersten Teil der Remember when Reihe habe ich gekauft, ohne ins Buch reinzulesen, was sonst bei mir ein absolutes Muss ist. Es war kein Fehler. Ich bin in die Story eingetaucht und war sofort zuhause. Hier erst einmal der Klappentext:

„Eine Minute und zwölf Sekunden. Ich bin eine Minute und zwölf Sekunden lang tot gewesen.“
Vor acht Monaten riss ein schwerer Unfall Maggie aus ihrem Leben. Seitdem kämpft sie sich durch eine neue Realität aus Schmerzen und Selbstzweifeln – bis sie Thomas begegnet. Anders als ihre Familie behandelt der charmante Hotelmanager sie nicht wie etwas Zerbrechliches. Mit seiner Zuneigung gibt er ihr das Gefühl zurück, begehrenswert zu sein.
Dabei trägt Thomas seit Monaten selbst schwere Schuldgefühle mit sich herum. Als er Maggie begegnet und sieht, wie stark die junge Frau ihr Schicksal meistert, wird er von seinen Gefühlen überwältigt. Aber wie nah darf er ihr sein, ohne alte Wunden wieder aufzureißen? Und wie viel Zeit bleibt ihm, ehe seine Geheimnisse ans Licht kommen?

Maggie und Tom haben Charakter. Sie wirken real, haben ihre Ecken und Kanten, zeigen ihre oft widersprüchlichen Gefühle für den Leser nachvollziehbar aus ihrer jeweiligen Perspektive und man lacht und leidet mit, weil sie einfach so endlos sympathisch sind und so tapfer mit ihren Problemen kämpfen. Es ist schön, wenn man so ein Buch liest und sagen kann: Die Protagonistin ist so ganz anders als ich, aber ich konnte sie so gut verstehen!
Maggie ist starrsinnig, explosiv und gleichzeitig voller Selbstironie, was mich oft zum Lachen gebracht hat. Trotz des wirklich schweren Themas von Rehabilitation nach einem fast tödlichen Unfall empfand ich das Buch nicht als schwermütig, im Gegenteil. Es steckt voller Hoffnung, Lebenswillen und Romantik.
Tom bildet den ruhigen Gegenpol zu Maggie. Der vielleicht letzte Gentleman Englands ist mir sehr ans Herz gewachsen, denn ich stehe auf diese netten, liebevollen Männer. Von denen sind in meinen Romanen ja auch einige zu finden. Aber auch er hat eine Vergangenheit, die ihm zu schaffen macht und ihn sich sehr vorsichtig an die Beziehung mit Maggie herantasten lässt.

Und dann kommt da mittendrin eine Wendung, die mich echt umgehauen und total begeistert hat. Leute, das ist der Hammer und ich werde natürlich NICHT spoilern! Kauft euch dieses Buch, lest dieses Buch. Wenn ihr meine Bücher liebt, werdet ihr auch dieses hier lieben.
Handwerklich gab es ein paar Kleinigkeiten, die mir als Autorin aufgefallen sind, zum Beispiel ein Kapitel, in dem Maggie andauernd den Kopf geschüttelt hat. Nach dem dritten oder vierten Mal habe ich mich gefragt, ob ihr nicht langsam schwindelig wird. Ansonsten konnte ich die Autorenkrankheit des Analysierens beim Lesen bei diesem Buch allerdings größtenteils ablegen, was ebenfalls für das Buch spricht. Wenn sich zu viele stilistische oder – Gott bewahre – Grammatik- oder Rechtschreibfehler einschleichen, komme ich dagegen nicht an. Ich kann das dann nicht mehr ausblenden und die Story genießen. Diese Story habe ich in vollen Zügen genossen und kann sie ohne Bedenken empfehlen. Möglicherweise ist es sinnvoll, einige Taschentücher in der Nähe zu haben.

Das Mädchen, das nicht verschwinden wollte – Rezension

Miriam hat ihren beruflichen Erfolg hart erkämpft. Das fromme Weltbild ihres strengen Elternhauses hat sie jedoch längst abgelegt. Doch als alte Wunden aufbrechen, beschließt sie, sich einer neuartigen Therapie zu unterziehen, um ihre traumatischen Kindheitserfahrungen endgültig hinter sich zu lassen. Doch irgendetwas geht schief, und mit einem Mal sieht sich Miriam ihrem kindlichen Ich gegenüber. Fortan wird sie auf Schritt und Tritt von dem kleinen rothaarigen Mädchen begleitet, das niemand außer ihr sehen kann. Dies bringt nicht nur Miriams Berufs- und Privatleben gehörig durcheinander, sondern stellt auch ihre scheinbar so fest verankerte Weltsicht infrage …
Eine berührende Geschichte, die dabei hilft, die ungeheure Kraft des kindlichen Glaubens zu entdecken.

Dieses Buch war mir auf Instagram aufgefallen und klang richtig interessant. Nachdem ich bereits die Soko mit Handicap Bücher des Autors Thomas Franke verschlungen hatte, war ich neugierig, was es mit dem kleinen, rothaarigen Mädchen wohl auf sich hatte.

Die Powerfrau Miriam war mir anfangs etwas unsympathisch, weswegen ich ein wenig schadenfroh das Auftauchen ihres kindlichen Ichs beobachtete, das ihren erfolggetriebenen Lebensstil komplett über den Haufen wirft. Die Geschichte wird hier mit viel Witz erzählt und es hat mich amüsiert, wo und wie die Kleine reingrätscht und am starren Gedankengerüst der Protagonistin rüttelt. Die Rahmenhandlung rund um die Vertuschung von Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen hat eher Thrillercharakter, was für mich eine gelungene Mischung war. An einigen Stellen war es zwar ziemlich unrealistisch, aber das hat dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan.

Die emotionale Kehrtwende, die Miriam durchläuft, war hingegen absolut glaubhaft und einfühlsam beschrieben und regt auch den Leser zum Nachdenken an. Insgesamt ein gelungenes, berührendes Buch mit jeder Menge Spannung.

Schreibupdate 3/23

Mode ist ja nicht so meins, muss ich gestehen. Beim Schreiben muss ich mich bewusst daran erinnern, dass es anderen Menschen wichtig ist, und dann ringe ich damit, mir Kleidung vorzustellen und sie zu beschreiben. Trotzdem hat es mir ziemlich viel Spaß gemacht, diese Zeichnung anzufertigen.

Ihr ahnt es vielleicht: Der Startschuss ist nun doch gefallen und ich habe im Mai rund 38 000 Wörter an meinem neuen Projekt „Whitcomb Mysteries“ geschrieben. Es ist mehr, als ich unter den gegebenen Umständen erwartet habe. Die Rahmenhandlung des ersten Bandes ist im Rohentwurf fast fertig, jedoch gibt es so einiges nachzubessern. Durch meine vielen Termine war ich nicht in der Lage, mich kontinuierlich auf die Story zu konzentrieren und so richtig in die Handlung abzutauchen. Meine Protagonistin Jane ist mir charakterlich noch zu schwammig und inkonsistent – da merke ich, dass ich sie erfunden habe. Sie ist nicht zu mir gekommen, wie es meine anderen Protagonisten bisher getan haben. Auch wenn es mir nicht schwergefallen ist, sie mit einer Hintergrundgeschichte auszustatten, muss ich mir beim Schreiben genau überlegen, wie diese Umstände sie geformt haben und was für einen Charakter ich da vor mir habe. Dementsprechend muss ich jetzt, wo ich fast am Ende des ersten Bandes der Reihe angekommen bin, noch einmal gründlich überarbeiten, bevor ich weiterschreibe, damit alles Weitere Sinn ergibt.

Hinzu kommt, dass mir bei der Recherche ein faszinierender Artikel untergekommen ist, in dem das Migrationsverhalten des britischen Adels Ende des 19. Jahrhunderts beleuchtet wird. Wann residierten sie auf ihren Landsitzen, wann kamen sie nach London, wann fuhren sie weiter nach Brighton oder in ihre Jagdschlösschen, um sich dort die Zeit zu vertreiben? Dass es die ‚Season‘ in London gab mit all ihren Bällen, Soirees, Konzerten und Opernbesuchen, war mir schon klar, aber ich habe mich noch nie genauer damit befasst. Nun muss ich hier einiges überarbeiten und auch den weiteren geplanten Verlauf anpassen. Außerdem muss ich mich fragen, inwieweit Jane den Zirkus mitmacht.

Da ich bisher noch keine Reihe mit einer fortlaufenden Geschichte geschrieben habe, überlege und lerne ich gerade sehr viel. Was gebe ich an welcher Stelle preis? Welche Anspielungen lasse ich fallen, um den Leser auf eine bestimmte Fährte zu locken? Wie halte ich die Spannung aufrecht? Wie schaffe ich Atmosphäre? Gelingt es mir, den Leser ins nächste Kapitel zu ziehen? Ist alles geheimnisvoll genug oder vielleicht zu offensichtlich? Oder zu geheimnisvoll, sodass ich den Leser verliere? Fragen über Fragen. Mein Anspruch ist an dieser Stelle sehr hoch, gerade an den ersten Band, der ja sozusagen als Köder dienen soll. Ob ich damit den Leser an die Angel bekomme, erfahre ich erst, wenn das Manuskript an die Testleser geht.

Es gab auch schon einige Überraschungen für mich, wie zum Beispiel die ein oder andere Charaktereigenschaft des verstorbenen Ehemanns meiner Protagonistin. Dass Jane seinen Tod nicht sonderlich betrauern würde, war mir klar, denn es war eine Zweckehe, keine Liebesheirat. Ich wusste anfangs nur nicht, warum. Jetzt bin ich schlauer. Er war nicht nur sehr dominant, sondern auch ein Kontrollfreak. Und er hatte so einige Geheimnisse, die Jane nach für nach lüftet.

Wer jetzt schon aufgeregt auf dem Stuhl rumrutscht und mit dem erhobenen Finger schnippst, um sich als Testleser zur Verfügung zu stellen – ruhig bleiben. Der erste Entwurf ist in Englisch geschrieben und erst wenn der final steht, werde ich ihn auf Deutsch übersetzen. Es ist nämlich wirklich lästig, wenn man Änderungen in beiden Sprachen vornehmen muss. Wann ich diese Reihe – egal in welcher Sprache – veröffentlichen werde, steht noch in den Sternen. Mein Plan sagt, ich werde den ersten Band erst Publik machen, wenn ich mindestens vier geschrieben habe und absehen kann, wie es läuft.

Parallel dazu stehen zwei weitere Übersetzungsprojekte an. Die Tochter der Hungergräfin soll wenn möglich noch dieses Jahr auf Englisch erscheinen und ich habe bis Ende des Jahres noch einen Übersetzungsauftrag zu erledigen. Langweilig wird mir nicht. Drückt mir die Daumen, dass es mit den Terminen endlich mal nachlässt und ich auch zu was komme!

Cover Reveal: Das Holz, aus dem wir geschnitzt sind

Nicht nur das Cover, auch der Titel für meinen nächsten historischen Roman steht nun fest. Was bisher unter dem Arbeitstitel „Jakob und Karl“ lief, darf jetzt bei seinem richtigen Namen genannt werden. Ich präsentiere:

Westerwald, 18. Jahrhundert

Schon früh entdeckt Karl seine Leidenschaft für die Schnitzerei. Durch seine feinsinnige Art zieht er immer wieder den Spott seiner Brüder auf sich. Nur sein Großvater Jakob ermutigt ihn und vertraut ihm sogar ein Geheimnis an. Als der alte Mann stirbt, spitzen sich die Spannungen zwischen Karl und seinen Brüdern zu, bis es zu einer Tragödie kommt. Plötzlich auf sich allein gestellt, setzt Karl alles daran, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Dazu begibt er sich auf Spurensuche, denn das Vermächtnis seines Großvaters steckt voller Rätsel.

Meine Testleser waren sich einig, dass der Roman nicht an Dramatik spart und sehr zu Herzen geht. Die Hauptfiguren sind Männer, was aber nicht bedeutet, dass nicht auch eine zarte Romanze ihren Weg ins Buch gefunden hat. Wie bei allen meinen historischen Romanen steht sie aber nicht im Vordergrund der Erzählung.

Dieses Buch ist eine Hommage an sensible Menschen, an die eher stillen Kreativen, die in unserer Gesellschaft so oft durchs Raster fallen und ungewollt anecken – einfach nur, weil sie andere Interessen und Vorlieben haben. Es ist nicht leicht für sie, ihren Weg zu finden und sich in einer viel zu lauten Welt zu behaupten. Wer schon mehr als ein Buch von mir gelesen hat, weiß, dass ich ein Faible für einfühlsame Männer habe, wie zum Beispiel Daniel aus Die stumme Magd.
Nach meinem Ausflug in die Welt der Adeligen bin ich wieder beim Handwerk gelandet – Tischlerei und Köhlerei spielen in der Geschichte eine Rolle, wenn auch keine so große wie die Töpferei bei der Kannenbäckerin.

Dass das Cover ein Zwischending zwischen den beiden erwähnten Romanen ist, finde ich ganz witzig. Und an alle Handwerker, die das Bild sehen: Ich weiß. Kneift bitte alle verfügbaren Augen und Hühneraugen zu und tut so, als würde der Mann auf dem Bild den Hobel nur kurz auf den Stöcken ablegen, weil er gerade etwas überlegt oder mit euch redet.

Als Erscheinungstermin für den Roman ist der November 2023 angepeilt, Genaues werde ich natürlich rechtzeitig bekanntgeben.

Die Tochter der Hungergräfin im Radio

Fantastische Neuigkeiten!
Im Rahmen der Sendung Lesezeichen beim Radiosender ERF plus wird mein historischer Roman Die Tochter der Hungergräfin in vier halbstündigen Episoden vorgestellt. Der letzte Roman, dem diese Ehre zuteil wurde, war Die Kannenbäckerin und ich war völlig begeistert. Der Sprecher hatte meinen Worten so intensiv Leben eingehaucht, dass ich ganz gebannt war, obwohl ich a) den Text ja mehr als gut kenne und b) nie Hörbücher höre. Das ist so gar nicht meins. Aber das eigene Buch vertont zu bekommen, ist natürlich etwas ganz Besonderes. Leider sind grundsätzlich keine Hörbücher von meinen Romanen geplant.

Wer also gern vorgelesen bekommt, der sollte sich diese Termine vormerken:

Teil 1 / 24. April 2023, jeweils um 15 Uhr, 19.30 Uhr und 21.30 Uhr
Teil 2 / 25. April 2023, jeweils um 15 Uhr, 19.30 Uhr und 21.30 Uhr
Teil 3 / 26. April 2023, jeweils um 15 Uhr, 19.30 Uhr und 21.30 Uhr
Teil 4 / 27. April 2023, jeweils um 15 Uhr, 19.30 Uhr und 21.30 Uhr
Alle Teile am Stück / 29. April 2023, jeweils um 15 Uhr und 22 Uhr

Nach der Ausstrahlung sind die Folgen noch für ca. 3 Monate im Archiv des Senders verfügbar und können dort angehört werden.

So lange du nicht stehen bleibst von Monika Lüthi

»Lauf!«, schreit eine Stimme in meinem Kopf. Aber ich kann nicht. Nie wieder werde ich laufen können.

Der Laufsport ist alles für Jennifer. Doch kurz vor der Europameisterschaft passiert das Unfassbare: Bei einem schrecklichen Unfall verliert sie ein Bein. Völlig aus der Bahn geworfen, kämpft sie nicht nur um ihr altes Leben, sondern auch gegen eine Bedrohung aus der Vergangenheit. Eine, vor der sie nicht mehr davonlaufen kann.

Ich mag Bücher, die sich mit nicht alltäglichen Themen befassen. Ich mag es, wenn das Schicksal zuschlägt und Menschen über sich hinauswachsen müssen. Spannung mag ich auch. All das findet sich in Monika Lüthis Thriller.

Durch einen Unfall mitten aus dem Leben gerissen, muss Jennifer sich selbst neu definieren. Ihr ganzes Leben war auf Sport ausgerichtet, der Tagesablauf, die Ernährung, sogar die Beziehung. Mit dem Verlust ihres Beines zerbricht alles. Sie gibt sich auf, verfällt in eine Verweigerungshaltung und stößt so ziemlich alle Menschen vor den Kopf, die versuchen, ihr zu helfen. Ihre Beziehung zerbricht daran.
Gleichzeitig wird sie gestalkt, was der Gesamtthematik eine zusätzliche Brisanz verleiht und für Gänsehaut-Spannung sorgt.
Zugegebenermaßen konnte ich einige Reaktionen und Handlungsweisen der Protagonistin nicht so recht nachvollziehen, weil ich selbst vermutlich anders reagiert hätte. Manchmal wollte ich sie schütteln und hatte arge Bedenken, ob sie bis zum Ende des Buches die Kurve kriegt. Spoiler: Ja, kriegt sie, aber auch nur so gerade eben. Und bis es so weit ist, gibt es jede Menge Dramatik.

Die Autorin hat die Thematik Amputation spürbar gut recherchiert und dringt tief in die Psyche ihrer Charaktere ein – den Stalker eingeschlossen. Es verursacht ein unangenehmes Kribbeln beim Lesen, wenn man sich vor Augen führt, wie angreifbar man durch die Präsenz in den sozialen Medien ist. Ein durchweg spannender Roman mit einigen wertvollen Impulsen zum Thema Selbstwert.

Ich sehe Dich/I See You

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Ich sehe Dich.
Wie Deine Arme lang und länger
Sich schützend um Deine Lieben legen.
Ich sehe Dich.
All die Kraft, mit der Du trägst,
Was Dein Herz umschließt.
Ich sehe Dich.
Stunde um Stunde. Tag um Tag.
Nie gibst Du auf. Bewundernswert.

Ich sehe Dich.
Und breite meine Hände aus,
Um Dich aufzufangen.
Wenn Du strauchelst,
Wenn Du wankst,
Wenn die Sorgen schwerer wiegen
Als Deine Augen Tränen halten können,
Bin ich da. Ich sehe Dich.
Zart und schwach und bebend
Wie eine Blume im Wind.
Was sonst keiner sieht,
Das sehe ich.

Du bist mein geliebtes Kind.
Immer.

Gott

I see you.
The way your arms wrap around your loved ones.
I see you.
All the strength with which you carry
What is in your heart.
I see you.
Hour by hour. Day by Day.
You never give up. Admirable.

I see you.
And spread my arms to catch you.
When you stumble.
When you stagger.
When your sorrows weigh heavier
Than your eyes can hold back tears.
I am here. I see you.
Tender and weak and trembling
Like a flower in the wind.
What no one else sees,
I see.

You are my beloved child.
Always.

God

geschrieben am 17. August 2021 (c) Annette Spratte

Schreibupdate 2/23

Das bin ich an einem barocken Schreibtisch in Schloss Friedewald, Schauplatz in Die Tochter der Hungergräfin

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Im letzten Schreibupdate hatte ich so davon geschwärmt, mit meiner Mystery-Reihe anzufangen, aber dann kam das Leben. Es gibt Situationen, in denen kann man einfach nicht kreativ schreiben. Für mich zählen da zum Beispiel viele Termine dazu, insbesondere, wenn diese Termine schwierige Gespräche beinhalten. Davon habe ich im Moment viel mehr, als mir lieb ist.
Zum Glück brauche ich jetzt nicht verzweifelt „Schreibblockade!!!“ zu brüllen, denn ich habe ja genug anderes, an dem ich arbeiten kann. Anstatt mit der Reihe anzufangen, habe ich einfach den nächsten Übersetzungsauftrag vorgezogen und überarbeite parallel das Geheimprojekt. Ich hatte die deutsche Version bereits gesetzt und ausgedruckt, um einen letzten Korrekturdurchlauf zu machen. Leider haben sich dabei doch noch eine ganze Reihe von Änderungen ergeben, die mir am Bildschirm einfach nicht aufgefallen sind. Es ist schon erstaunlich, wie anders man auf Papier liest. Ich muss also den Buchsatz noch mal machen und die Änderungen auch in den englischen Text einarbeiten. Wenn ich mich in diesem Prozess frage, warum ich das eigentlich alles mache, dann schaue ich mir den Cover-Entwurf an, den ich selbst erstellt habe. Das motiviert mich sozusagen auf Knopfdruck, denn ich kann es kaum erwarten, mein Buch in seinem Mäntelchen zu sehen. Hoffentlich wirkt es so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Geheim ist das Geheimprojekt noch immer, denn mit der Einrichtung des Pseudonyms ist auch ein Umbau meiner Homepage verknüpft. Da muss ich mir noch Inspiration holen, wie ich das gestalte. Aber das Pseudonym ist nicht mehr geheim, denn ich habe es auf Instagram schon kundgetan: Anne Tressa.
Hat der Name eine bestimmte Bedeutung? Nein. Ich habe schlicht die Buchstaben meines echten Namens verwürfelt, ein paar weggelassen und neu gemischt. Dann habe ich das Ergebnis gegoogelt und war zufrieden. Auch meine Insta-Follower fanden den Namen gut, also kann er bleiben.

Wie geht es jetzt weiter? Der vorgezogene Übersetzungsauftrag ist bald abgeschlossen und wenn das Geheimprojekt so weit steht, könnte ich die Mystery-Reihe angehen, sofern das Leben sich bis dahin beruhigt hat. Wenn nicht, dann mache ich mich an die Übersetzung der Tochter der Hungergräfin. Da Charles jetzt König ist, liefert er mir einen super Marketing-Ansatz, denn Louise Juliane von Sayn-Wittgenstein ist seine neunfache Urgroßmutter. Was man bei der Recherche nicht alles herausfindet…

Jakob und Karl aus meinem nächsten historischen Roman haben bei meiner Lektorin übrigens großen Anklang gefunden. Titel und Klappentext sind inzwischen gefunden (aber noch geheim) und im Juli bekomme ich das lektorierte Manuskript zum Überarbeiten. Für die Veröffentlichung ist der November angepeilt. Als kleinen Vorgeschmack bekommt ihr einen Auszug aus dem Prolog.

Samsara by Shirani Rajapakse


There are journeys we make and paths we tread on in this cycle of birth and death, rebirth and death until that final moment when we reach nibbana. We meet and pass many beings on their own journeys. We gain much experience as we sojourn along the way sharing joy, sorrow, exhilaration and contemplation that all become part of wandering from one single moment to the next, step by little step, but always moving ahead. This poetry collection encapsulates a few tiny moments in time in that long and winding expedition of Samsara.

One might think that individuals from two cultures and religions as contrary as Christianity and Hinduism have nothing in common. It is a mindset of confrontation I do not share. We are all human, and in our human souls all long for the same things, even if we choose different paths to obtain them. This is why I gladly accepted Shirani’s humble request to read and review her new poetry collection Samsara. After having read her short story collection I exist, therefore I am, which greatly impressed me with its depth, I expected to be touched by the poems. I was not disappointed.

These poems are relatable, transforming everyday observances into philosophical depth, touching in a quiet way that is at once beautiful in its language and challenging in its meaning. Some poems made me laugh out loud, some brought me close to tears, others left me with a new thought or an echo of yearning. There were few I could not relate to at all.

Shirani has a gift of setting ordinary things into a new context that opens up a whole new perspective. I greatly enjoyed that. It is a book that should not be read in one sitting. Each poem needs room to reverberate in the mind, time to savor it like a glass of good wine.

From the description I had expected a lot more reference to religious teachings, but that is not the case. If I hadn’t known the author’s background, I would not have guessed it. Many of the thoughts expressed in the poems are familiar to me, and yet they carry a touch of the exotic to my European mind. It’s like traveling to a distant country (Sri Lanka, in this case), feeling the heat, smelling exotic flowers and being overwhelmed by the monsoon rains. It all comes alive in a few well placed words and that is truly magical. If you enjoy poetry, this book is a jem.