Kinder des Friedens

Vorgestern war ich auf der zweiten Demo in diesem Jahr. Erstaunlich, denn ich kann mich nicht entsinnen, dass ich vorher je demonstriert hätte. In jungen Jahren war mein politisches Interesse eher unterirdisch. Konnte ich mir leisten, denn was sollte schon passieren? Ich bin ein Kind des Friedens.

Demonstration für Demokratie in Altenkirchen, Schlossplatz am 4.2.2024

Krieg war immer weit weg

Was meine Eltern miterlebt haben, war für mich nichts weiter als belastende Geschichten voller Grauen. Meine Realität war sicher. Ich erinnere mich an Geschehnisse, die ich zwar wahrgenommen habe, die mein Gefühl der Sicherheit aber nie wirklich beeinträchtigt haben. Das Reaktorunglück in Tschernobyl. Krieg im Irak. Selbst der Mauerfall war für mich weit weg, weil ich damals gerade in den USA war. Ostermärsche und Menschenketten, all das habe ich zur Kenntnis genommen. Mehr nicht.

Ich bin aufgewacht

Nachdem ich lange Zeit Nachrichten ignoriert habe frei nach dem Motto: wenn etwas wirklich Gravierendes passiert, bekomme ich das schon mit, hat inzwischen ein Wandel stattgefunden. Spätestens seit der Pandemie, in der ich Pressekonferenzen der WHO verfolgt habe, um korrekte Informationen zu bekommen, lese ich regelmäßig Nachrichten. Ich verfolge das Weltgeschehen kritisch und werfe auch gern mal einen Blick in die Berichterstattung anderer Länder. Und eines fällt mir dabei auf:

Alles wird in Frage gestellt

Hast du das auch schon bemerkt, wie viele Schlagzeilen mit einem Fragezeichen versehen sind? Das ist ein gefährlicher Trend und meines Erachtens mit verantwortlich dafür, dass das Vertrauen in die Politik schwindet und merkwürdige Ansichten und Haltungen immer mehr Raum gewinnen. Aufmerksame Bibelleser erkennen die Strategie wieder. Es ist die uralte Taktik des Teufels, Zweifel zu säen. ‚Sollte Gott gesagt haben?‘, fragte er schon Adam und Eva und die Strategie funktioniert heute immer noch. Das Gefühl der Unsicherheit wächst, auf nichts ist mehr Verlass und das treibt Menschen in die Arme derer, die klare Aussagen treffen und auch dazu stehen. Dass es ausgerechnet diejenigen sind, die Rassismus, Antisemitismus und ein rechtsextremes Gedankengut propagieren, trifft mich zutiefst. Ich war so naiv zu glauben, dass wir das hinter uns gelassen hätten.

Bildung hilft

Die Plakate, die man auf solchen ‚Nie wieder ist jetzt’-Kundgebungen sieht, sind sehr kreativ. Oft werden Wortspiele oder Doppeldeutigkeiten verwendet, die mir richtig Spaß machen. Es zeigt, dass Bildung einen großen Anteil daran hat, ob jemand für rechte Einflüsterungen empfänglich ist oder nicht. Wer nicht hinterfragt, was ihm/ihr täglich über Bildschirme vor die Nase gespült wird, wer nur Schlagzeilen liest und sich nicht mit den Hintergründen befasst, gerät schnell ins falsche Fahrwasser. In der Pandemie habe ich das sehr deutlich gesehen, als mir ein Videoclip der WHO unterkam. Darin wurde etwas behauptet, was den sonstigen Aussagen der WHO komplett entgegen stand (ich weiß nicht mehr, was es war). ‚Moment, das kann nicht sein‘, dachte ich und schaute mir daraufhin die gesamte Pressekonferenz an, aus der das Video stammen sollte. Der Videoclip war fake. Es hat mich anderthalb Stunden gekostet, das herauszufinden. Und das ist eins der Hauptprobleme, warum Fake News so erfolgreich sind.

Recherchieren ist mühsam

Als Autorin historischer Romane weiß ich, wie mühsam Recherche ist. Wie viel Zeit es kostet. Doch nur wer sich die Zeit nimmt, auch mal die Hintergründe zu erforschen, ist in der Lage, Schlagzeilen einzuschätzen. Mich erheitern beispielsweise Wirtschaftsprognosen. Heute stehen wir laut Schlagzeile kurz vor dem wirtschaftlichen Aus, morgen stellen wir überrascht fest, das es doch besser aussieht als erwartet. Übermorgen dann wieder nicht mehr. Ein fröhliches Hin und Her, das ich getrost ignoriere. Was ich nicht ignoriere, sind der wachsende Hass, der immer rauere Umgangston und die schwindende Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen. Deswegen bin ich zu dieser Demo gegangen. Deswegen schreibe ich diesen Artikel. Ob man es nun Zeitenwende nennen möchte oder nicht, eins ist klar:

Unsere Sicherheit ist futsch

Wir Kinder des Friedens müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass wir es uns nicht mehr leisten können, uns gechillt zurück zu lehnen. Wir können es uns nicht mehr leisten, nicht wählen zu gehen, weil was soll schon passieren? Wir können es uns nicht mehr leisten, zu schweigen und alle Schuld auf ‚die da oben‘ abzuwälzen. Wenn wir unsere Demokratie, unsere Freiheit und unsere hohe Lebensqualität erhalten wollen, dann müssen wir etwas dafür tun. Die Kinder des Friedens müssen lernen zu kämpfen. Noch stehen uns friedliche Waffen zur Verfügung. Noch können wir mit Demos und Zivilcourage antreten. Mit Worten und Taten, die den anderen zuerst einmal als Mensch sehen. Denn wir sind alle Menschen, egal aus welchem Land, mit welchem kulturellen oder religiösen Hintergrund und mit welcher politischen oder sexuellen Gesinnung. Jeder Mensch ist ein Mensch mit Hoffnungen und Träumen, Sorgen und Ängsten. Jeder Mensch soll sein dürfen. Das ist eine bunte Gesellschaft, für die ich eintreten möchte, denn

Vielfalt bereichert.

Der Himmel – was uns dort wirklich erwartet – Rezension

Auf der Suche nach neuem geistlichen Futter wurde ich auf dieses Buch hingewiesen, dessen Titel mich direkt neugierig machte. Randy Alcorn erläutert hier anhand vieler Bibelstellen und Zitate von anderen Autoren seine Sicht auf das, was nach dem Tod auf uns zukommt. Ein spannendes Thema, das wir wohl in diesem Leben nicht abschließend klären können. Trotzdem lohnt es sich meines Erachtens, sich gedanklich mit dem Leben nach dem Tod zu befassen.

Wie in vielen christlichen Ratgebern dieser Art lässt sich auch hier das Buch in einer Gesamtaussage zusammenfassen, was mich massiv nervt und der Grund ist, warum ich normalerweise die Finger von diesen Büchern lasse. Seite um Seite wird der immer gleiche Tenor ausgebreitet, mal von diesem, mal von jenem Blickwinkel beleuchtet, aber grundsätzlich wiederholt sich ab Seite drei alles. Das führte dazu, dass ich weiter hinten im Buch die Kapitel mehr oder weniger quergelesen habe, da ich nichts Neues mehr erwartete. Es kam auch nichts.

Im Himmel ist alles genauso wie auf der Erde, nur besser.

Die erwähnte Grundaussage ist folgende: Im Himmel ist alles genauso wie auf der Erde, nur besser. Der Autor geht zunächst auf einige irrige Vorstellungen über das Jenseits ein, die mir in der einen oder anderen Form bereits begegnet sind. Wer glaubt, er wird als Engel im weißen Kleidchen auf einer Wolke sitzen und Harfe spielen, findet hier sicherlich einige Augenöffner. Da ich dieser Vorstellung aber nie aufgesessen bin, war dieser Teil für mich nicht sehr erhellend.
Trotzdem bin ich froh, mich mit der Thematik noch einmal kritisch auseinandergesetzt zu haben, denn dadurch kamen mir selbst neue Gedanken, die ich sonst nicht gehabt hätte. Vor diesem Hintergrund kann ich das Buch durchaus empfehlen, solange man es kritisch liest und nicht alles für bare Münze nimmt. Der Autor sagt aber auch selbst, welche Annahmen er aus welchen Gründen trifft. Für meine Begriffe lehnt er sich da etwas weit aus dem Fenster und nimmt einige Passagen aus der Bibel etwas zu wörtlich.

Symbolik und Grundlagen der jüdischen Tradition werden außer Acht gelassen

Es gibt zwei Dinge an den Thesen des Autors, die mich gestört haben. Zum einen lässt er die jüdische Tradition, auf der die Aussagen der Bibel beruhen, völlig außer acht. Es hat mich dazu bewogen, in dieser Richtung selbst zu recherchieren. Damit bin ich noch lange nicht fertig. Die Thora und die Propheten stecken voller Symboliken, die sich auch in der Offenbarung des Johannes fortsetzen. Vieles davon ist für uns als Christen ohne jüdischen Hintergrund unbekannt, weswegen wir manche Dinge völlig falsch interpretieren. Es ist jedoch interessant zu erfahren, dass auch die jüdischen Gelehrten sowohl zu Jesu Zeiten als auch heute sich nicht einig sind, wie genau die Auferstehung der Toten vonstatten geht und wie die neue Schöpfung Gottes aussehen wird.
Randy Alcorn betont immer wieder, dass wir körperlich auferstehen werden (ja, das steht so in der Bibel, wir werden keine Geister sein) und dass deswegen alles auf der neuen Erde genauso sein muss wie auf der alten. Nur besser, weil es ja keine Sünde, keinen Tod und kein Leid mehr gibt. In diesem Punkt empfinde ich seinen Ansatz als sehr fantasielos, obwohl er am Anfang des Buches den Leser auffordert, beim Nachdenken über den Himmel die Fantasie zu benutzen. Dies ist die zweite These, bei der ich nicht mitgehen kann. Ein Himmel voller Großstädte mit Autos und Computern, Sportstadien und Fabriken (die natürlich nicht mehr klimaschädlich sind)? Ein Himmel mit den gleichen Ländergrenzen und Völkern, nur ohne Kriege? Ein Himmel, in dem Raum und Zeit genauso weiterbestehen, wie wir es kennen, nur ohne Ende?
Es tut mir leid, wenn ich das so sage, aber in den Himmel möchte ich nicht. Es kann sein, dass es ihm und sicherlich vielen anderen Menschen Trost spendet, sich den Himmel so vorzustellen, mir jedoch nicht. Hier verstehe ich die Aussagen in der Offenbarung tatsächlich eher symbolisch, wenn dort steht „die Könige der Völker werden ihre Reichtümer in das neue Jerusalem bringen“. Denn wenn ich mir ansehe, wie Jesus mit Menschen umgegangen ist, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es solche Hierarchien, wie wir sie gewohnt sind, im Himmel noch geben wird. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. So sollte man auch das Buch verstehen: Es ist die persönliche Meinung des Autors und der Leser darf sich davon mitnehmen, was ihn ermutigt.

Fazit

Als Gedankenanregung kann ich dieses Buch empfehlen. Für mich nehme ich beispielsweise die Hoffnung mit, dass ich eine Ewigkeit zur Verfügung haben werde, alle Wunder der neuen Schöpfung Gottes zu entdecken. Für jemanden wie mich, der sich schon an den Wundern dieser Schöpfung kaum sattsehen kann, ist das definitiv mehr als ein Hoffnungsschimmer. Was für mich aber immer im Vordergrund stand und auch nach der Lektüre noch steht, ist die Gewissheit, bei Gott sein zu dürfen. Der Autor hebt dies auch oft hervor, trotzdem wirkte es auf mich, als würde er der Begegnung mit geliebten Menschen und dem Fortführen der menschlichen Errungenschaften mehr Bedeutung beimessen – zumindest was seine persönliche Hoffnung angeht. Allerdings musste ich sehr lachen, als er beschrieb, wie er in der Ewigkeit ein Steak auf den Grill legt – da hat er wohl nicht ganz zu Ende gedacht. Wo kein Tod ist, ist auch kein Steak.

Der Ketzer von Konstanz – Rezension

Diesen etwas anderen Roman aus der Feder von Corinna Wolf durfte ich vorab lesen. Ein historischer Roman mit Fantasy-Elementen, so wurde er mir beschrieben. Doch schon nach der ersten Begegnung mit diesen ‚Fantasy-Elementen‘ war mir klar, dass es sich um viel mehr handelt.

Die Autorin hat es gewagt, das Leben des bedeutenden Reformators Jan Hus nicht nur zu beleuchten, sondern die Jahre seiner Gefangenschaft in Konstanz mit Einblicken in die geistliche Welt zu verknüpfen, was ihr ausgesprochen gut gelungen ist und den besonderen Reiz dieser Geschichte ausmacht.

Wir befinden uns in Konstanz im 15. Jahrhundert. Es gibt nicht nur einen Papst, sondern gleich drei und einer davon hat ein Konzil einberufen, um wichtige Entscheidungen für die katholische Kirche zu treffen. Jan Hus ist schon lange vor Luther davon überzeugt, dass in der Kirche einiges schiefläuft. Machtbestrebungen und Intrigen sind an der Tagesordnung und ein Mann ohne jegliche theologische Ausbildung wurde zum Papst ernannt. Außerdem glaubt Hus an das Wirken des Heiligen Geistes in jedem Gläubigen und stellt damit das Priesteramt an sich infrage, was ihm jede Menge Feinde verschafft. Trotzdem will er nach Konstanz reisen, um vor dem Konzil seine Thesen zu diskutieren.

Wir lernen Hus in seinem persönlichen Umfeld kennen und erhalten Einblicke sowohl in seine Gedankenwelt als auch in seine Visionen, die ihn antreiben, sich der Gefahr in Konstanz zu stellen. Die Perspektiven weiterer Charaktere, darunter eine Kauffrau, zwei Ritter und ein Mönch, ergänzen das Bild der Wirkung, die Hus auf seine Mitmenschen hatte. Er muss ein begnadeter Redner gewesen sein, denn viele waren seinen Thesen gefolgt.

Ich fand es spannend, wie die Autorin die gegensätzlichen Gefühle und Stimmungen des Reformators eingefangen hat. Einerseits war er voller Tatendrang und Eifer für Gott, andererseits voller Zweifel, ob sein Tun überhaupt irgendeine Bedeutung hatte. An dieser Stelle die Perspektive in die geistliche Welt zu wechseln und dem Leser Einblicke in das Wirken Gottes bzw. des Teufels zu gewähren, finde ich brillant. Dabei verzichtet die Autorin auf ausufernde Beschreibungen von Engeln und Dämonen, wie man sie beispielsweise bei Frank E. Peretti findet, was ich sehr begrüßt habe. Es sind Gestalten, die man mehr spürt als sieht, deren Handeln aber eindeutige und starke Wirkung hat.

Für mein Empfinden sind die Beschreibungen dieser Szenen und der Visionen die stärksten im Buch und verleihen der Geschichte eine inspirierende Kraft. Man kann gar nicht anders, als Hoffnung zu schöpfen, dass Gott einen Plan hat, egal wie die Umstände aussehen. Gerade in der jetzigen Zeit, wo alles so erschreckend und düster erscheint, kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Remember When Love Was New – Rezension

Der zweite Teil der Second Chances Reihe von Anne Goldberg kann wunderbar als Standalone gelesen werden, da es keinerlei Bezug zum Vorgängerband gibt außer der Coveraufmachung und dem Titel.

Es geht um Leena, die als Grundschullehrerin in Stonehaven (Schottland) arbeitet, und überraschend den Sohn ihrer Jugendliebe Hamish in die Klasse bekommt. Nick stellt jede Menge Blödsinn an und alle sind der Auffassung, dass man von Hamishs Sohn wohl nichts anderes erwarten kann.

Als Leser bekommt man aber schnell einen Blick hinter die Kulissen und erkennt, was für Probleme zu den Problemen führen. Der Autorin sind hier absolut authentische Charaktere gelungen, die mit ihren Reaktionen, Gedanken und Macken total liebenswert sind – auch wenn sie sich manchmal furchtbar daneben benehmen. Der Sprachgebrauch ist etwas rau, es wird viel geflucht, was aber irgendwie gut zu den Personen passt.

Wie schon im ersten Teil war die Hintergrundstory echt heftig und hat mich richtig mitgenommen. Endlich mal kein seichtes Möchtegern-Drama, sondern Probleme, an denen sich jeder die Zähne ausbeißen würde. Es werden auch keine 0815 Lösungen präsentiert, sondern echtes Leben geschrieben: Wir alle versuchen, so gut wir können mit unserem Mist klarzukommen und manchmal gibt es eben diesen einen Menschen, mit dem zusammen es irgendwie besser klappt.

Das Buch hat zuckersüße Momente, Schmunzeln, laut Lachen und Tränchen vergießen, und am Ende möchte man die Charaktere nicht wirklich gehen lassen, weil sie einem ans Herz gewachsen sind. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

Neuerscheinung – Das Holz, aus dem wir geschnitzt sind

Endlich ist es so weit! Bereits Anfang November ist mein neuer historischer Roman in die Welt hinausgezogen und ich bin ganz überwältigt von dem Feedback, das mich bisher erreicht hat. Schon in den ersten Tagen gingen Bilder und Rezensionen auf Instagram und Lovelybooks online und alle hatten den gleichen Tenor: Das Buch berührt ganz tief. Viele berichten, dass sie beim Lesen Tränen vergossen haben und dass das Buch noch lange nachhallt und zum Nachdenken anregt.

Seither denke auch ich nach. Was hat diese Geschichte an sich, dass sie so zu Herzen geht? Ich meine klar, Karl ist ein total lieber Kerl und man muss ihn einfach gern haben. Mir ist er ja auch sehr ans Herz gewachsen. Und ja, er muss eine Menge durchmachen, aber ganz ehrlich? Beim Schreiben hatte ich noch überlegt, ob das alles nicht ein bisschen spärlich ist und die Leser sich langweilen. Die Schreibreise war für mich sehr entspannt, wie eine Fahrt mit dem Golfcart, mit dem ich gemütlich durch den Westerwald tuckere. Es gab sicherlich die ein oder andere Stelle, an der auch ich beim Schreiben Tränen vergossen habe, aber das geht mir immer so. Es war nicht häufiger als sonst. Ich schrieb täglich meine 800 bis 1600 Wörter und war ganz verblüfft, wie schnell ich fertig war. Es folgte noch eine intensive Überarbeitung, weil ich an einigen Stellen nicht zufrieden war, und dann ging die Geschichte auch schon an meine Testleser – meinen Mann und eine liebe Freundin. Beide meldeten sich völlig verheult bei mir zurück. ‚Huch‘, dachte ich. ‚Was habe ich getan?‘

So ganz genau weiß ich es immer noch nicht. Es hat vermutlich viel damit zu tun, dass Karl ein Underdog ist, ein friedlicher Mensch, dem Unrecht widerfährt – eine Situation, mit der sich anscheinend viele Leser identifizieren können. Er kämpft jedoch nicht mit Gewalt dagegen an, sondern erträgt es stoisch. Nicht, weil er nicht kämpfen könnte, sondern weil er sich dagegen entschieden hat. In unserer Welt sind wir zurzeit täglich mit Kampf konfrontiert, seien es Kriege in der Ukraine, im Sudan oder Nahost, seien es Zankereien in der Politik oder Pöbeleien im Straßenverkehr, vom aufflammenden Antisemitismus ganz zu schweigen. Der Ton in unserer Gesellschaft ist deutlich rauer geworden und in diese Atmosphäre bringt Karl eine ganz andere Stärke hinein: Die Stärke des Gottvertrauens und der Hoffnung. Die kraftvolle Weigerung, sich von der Streitlust anderer anstecken zu lassen. Das hingebungsvolle Festhalten an der Liebe, allen Widrigkeiten zum Trotz. Die Entscheidung, erlebtes Unrecht loszulassen, um nicht bitter zu werden.

Vielleicht ist beim Schreiben mein Schmerz über den Zustand der Welt mit in die Geschichte eingeflossen, ohne dass ich es gemerkt habe. Und vielleicht ist dieses Buch meine Antwort darauf, denn ich glaube ganz fest daran, dass Liebe den Hass überwindet und dass Gott in dieser Welt noch immer präsent ist, auch wenn man den Eindruck bekommt, Er hätte sich abgewandt. Es ist die Entscheidung jedes Einzelnen, wie er dem Unrecht begegnen will. Das ist es, was ich mit meinem Buch verdeutlichen möchte und ich hoffe, dass es noch viele Menschen berühren wird. Einige Rezensionen habe ich bereits auszugsweise auf die Buchseite des Romans hier auf meiner Homepage gestellt. Die vollständigen Rezensionen findet ihr auf Lovelybooks, wo man sich auch bis zum 18.11.2023 für eins von 20 Rezensionsexemplaren für eine Leserunde bewerben kann. Du musst aber bei Lovelybooks registriert sein, um teilzunehmen.

Hast du das Buch schon gelesen? Und wenn ja, wie hat es dir gefallen?

Meet & Greet Frankfurter Buchmesse 2023

Photo Credit Francke Buch GmbH

Als ich vorsichtig beim Francke-Verlag anfragte, ob sie mich bei der Frankfurter Buchmesse gern am Stand haben würden, wusste ich noch nicht so recht, was mich erwartet. Wir einigten uns auf eine halbe Stunde Meet & Greet, was ich im Vorfeld fröhlich in den sozialen Medien verkündete. Anfangs waren die Reaktionen noch recht verhalten, doch je näher der Termin rückte, desto mehr Bekannte aus Instagramhausen kündigten sich an. Was dann am 20. Oktober am VEB Gemeinschaftsstand ablief, kann man nur als christliches Autoren- und Bloggertreffen bezeichnen.

On 20th October I headed out to Frankfurt for a visit to the world’s largest book fair. My publisher had invited me for half an hour of meet & greet. Not knowing what to expect, I never dreamed the event would turn into an accumulation of numerous Christian authors and bloggers, most of whom I’d never met in person before. We’re all connected through social media and were one and all thrilled to finally meet face to face. The pic below shows seven authors and six bloggers, but there were many more in the background engaged in conversation.

vlnr Verena Unsinn, Agnes von Agnes.Bookworld, Anna von Annis.Lesewelt, Maren von Märchens.Bücherwelt, Andrea von awii186, Katharina von feel_write_cope, ich, Farbenfrohelady, Elisabeth Büchle, Stefanie Kloft, Melissa Feurer, Vanessa Siemens, Dorothea Balzer
Photo Credit Francke Buch GmbH

Auf dem Bild seht ihr sieben Autorinnen von verschiedenen christlichen Verlagen sowie sechs Bloggerinnen, wobei im Hintergrund noch viele mehr in Gespräche vertieft waren. Meine halbe Signierstunde war ruckzuck vorbei, doch die Gespräche dauerten noch drei Stunden an. Zwischenzeitlich hatte ich Sorge, ob das Universum implodiert, wenn so viele kreative Köpfe so dicht beisammen stehen. Die Zeit war viel zu kurz und trotzdem war der Austausch inspirierend, wertvoll und intensiv. Wen ich auch zum allerersten Mal getroffen habe, war meine Lektorin, obwohl wir bereits fünf Bücher zusammen auf die Welt gebracht haben!
Großer Dank geht an dieser Stelle an Anna und Susanne, die mich mit auf die Messe genommen haben. Wir drei sind vor meiner Signierstunde durch die Hallen gezogen und hatten jede Menge Spaß zusammen. Schaut gern mal bei Annas Blog vorbei, denn sie steckt viel Herzblut in ihre Rezensionen und macht ganz tolle Buchfotos!
Ein ausführlicher Bericht über meinen Messebesuch geht in meinem nächsten Newsletter raus. Den hast du noch nicht abonniert? Dann aber schnell!

There were a number of photo sessions since my publisher rarely has so many of their authors in one place. It was great fun, especially when we switched books, and I successfully ignored the fact that I hate to have my picture taken.
Seeing so many creative heads so close together, I was temporarily afraid the universe might implode.
There wasn’t enough time, despite the meeting drawing out into three hours. Talks were inspiring, intense, and very precious to me. I also met my editor for the very first time, after working on no less than five books together!

Prior to the event, I strolled through hall after hall brimming with book displays from all over the world. There was so much to see and take in that by noon I felt completely overwhelmed. I decided to take a break and have lunch before heading over to my publisher. Nevertheless, I was dead beat when I got home, exhausted but happy.
A detailed description with loads more pictures will be included in my next newsletter. You haven’t signed up yet? Better do it now!

The Hunger Countess – Cover Reveal

[Deutsch unten] Almost a year after the release of the German version, I’m happy to announce that my historical fiction novel The Hunger Countess is now available for preorder. Set in 17th century Germany, this story introduces readers to King Charles III.’s nine-times great-grandmother: Louise Juliane von Sayn-Wittgenstein.
Locally, she is quite famous for her unparalleled fight against the powerful men around her who tried to rob her and her daughters of her county. When I first encountered her during my research, I was quickly fascinated. This life story is way to good not to be told! So I dove deep into archives and local history sites, visited the castles she lived in and wove a novel that is quite popular with German readers.

The cover was love at first sight. The young woman could be Ernestine, the daughter from whose point of view the story is told, in her wedding dress. The flowery frame conveys some of the baroque lifestyle while the smoky elements hint at the Thirty Years‘ War which ravaged the land during large parts of the tale. Credit goes to Florin from 100Covers4you, who already designed the cover for The Potbaker’s Niece.

If you don’t want to miss the release of this fascinating and inspiring story, hit the button. A print version will also be available in due time.

Fast ein Jahr nach dem Erscheinen der deutschen Version freue ich mich sehr, dass mein historischer Roman The Hunger Countess jetzt vorbestellbar ist. Angesiedelt im Deutschland des 17. Jahrhunderts lernt der Leser die neunfache Urgroßmutter von König Charles III. kennen: Louise Juliane von Sayn-Wittgenstein. Hier vor Ort ist sie für ihren unvergleichlichen Kampf gegen die Mächtigen um sich herum berühmt, die ihr und ihren Töchtern die Grafschaft rauben wollten. Als ich ihr bei meinen Recherchen begegnete, war ich schnell fasziniert und dachte bei mir, dass diese Geschichte einfach zu gut ist, um sie nicht aufzuschreiben! Also tauchte ich tief in Archive und lokale Geschichtsseiten ein, besuchte die Schlösser, in denen sie gelebt hat und schrieb eine Geschichte, die bei den deutschen Lesern recht beliebt ist.

Das Cover war Liebe auf den ersten Blick. Die junge Frau könnte Ernestine im Hochzeitskleid sein, die Tochter, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Der Blumenrahmen vermittelt ein wenig barockes Lebensgefühl und die rauchigen Elemente deuten auf den 30jährigen Krieg hin, der während großen Teilen der Erzählung tobt. Kreiert hat es Florin von 100Covers4you, die bereits das Cover für The Potbaker’s Niece entworfen hat.

Schreibupdate 4/23

Schreibupdate klingt immer so nach ‚in die Tasten hauen‘. Tatsächlich habe ich die letzten Monate sehr wenig in die Tasten gehauen, denn der Schreibprozess beinhaltet eine ganze Reihe von Dingen, die über das reine Formulieren hinausgehen. Beschäftigt habe ich mich mit verschiedenen Projekten.

Zunächst einmal ist da die englische Übersetzung der Tochter der Hungergräfin. Zum vermutlich letzten Mal habe ich den Text durch ein Übersetzungsprogramm gejagt, um ihn hinterher zu überarbeiten. Es ist mühsam, dieses Überarbeiten. Oft muss ich nachsehen, was im Originaltext stand, da die Übersetzung nicht treffend ist. Dann muss ich jedes einzelne Anführungszeichen und jedes einzelne Apostroph ersetzen, weil die Maschine aus Gründen die Formatierung des Originaltextes nicht übernimmt. Dann muss ich fast jeden Satz umstellen, weil die Maschine viel zu wörtlich übersetzt und dabei auch schon mal die englische Grammatik sehr oberflächlich auslegt. Letztendlich spare ich mir zwar Zeit beim Tippen, aber die Nerven, die mich das Überarbeiten kostet, ist die Ersparnis nicht wert. Nichtsdestotrotz habe ich den ersten Durchlauf geschafft. Nun steht die zweite Runde für den Feinschliff an.

Das zweite Projekt ist meine Mystery-Reihe. Der erste Band ist in englischer Sprache fertig geschrieben und sogar bereits Korrektur gelesen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Feedback meiner Testleserin. Womit ich nicht so zufrieden bin, ist die Länge. Die Geschichte entwickelt sich auf deutlich weniger Seiten, als ich das geplant hatte (was für mich eine gänzlich neue Erfahrung ist). So ist dieser erste Band recht kurz und ich fürchte, dass die gesamte Reihe nicht so viele Bände umfasst, wie ich eigentlich wollte. Naja, wir werden sehen, was am Ende dabei herauskommt. Ralph, der Rabe, hat sich jedenfalls zum heimlichen Star entwickelt und nimmt verblüffend viel Raum in der Geschichte ein. Mit Blick auf die anderen Projekte rückt Nr. 2 jedoch wieder in den Hintergrund.

Nr. 3 ist inzwischen in trockenen Tüchern. Im Juli bekam ich das lektorierte Manuskript von Das Holz, aus dem wir geschnitzt sind vom Verlag zurück und konnte es im Turbogang überarbeiten, da ich im Wesentlichen nur Formulierungsvorschläge zu bestätigen hatte. Die herrlich witzigen Kommentare meiner Lektorin haben ihr Übriges dazu beigetragen, dass die Arbeit leicht von der Hand ging. Die letzten zwei Tage habe ich die Satzfahne durchgesehen und tatsächlich nur noch zwei Fehlerchen gefunden. Das ist neuer Rekord. Somit kann ich mich hier entspannt zurücklehnen und auf die Veröffentlichung im November warten, zu der es diesmal eine Premierenlesung geben wird. Dazu zu gegebener Zeit mehr in den News.

Projekt Nr. 4 ist eine neue Buchidee, die mal wieder aus dem Rahmen fällt. Klar, was auch sonst. Sie spielt weder im 17. Jahrhundert noch im Westerwald und was daraus wird, steht noch in den Sternen. Was ich dazu noch sagen kann: Die Story ereilte mich in meinem Schaukelsessel unterm Kirschbaum, während ich in die Ferne starrte. Die Protagonistin heißt Elisabeth und wird von ihrer Schwägerin mit ständig wechselnden Spitznamen versehen, von Lisbeth bis Sissi, was sie schier zur Weißglut treibt. Es gibt ernste Themen verpackt in jede Menge Humor.

Und weil das noch nicht reicht, gibt es noch Projekt Nr. 5, eine Auftragsübersetzung. Die habe ich zum Glück mit einer großzügigen Deadline ausgestattet, sodass ich in Ruhe immer dann daran arbeiten kann, wenn mein Hirn gerade nichts anderes hergibt. Ich bin also trotz allem nicht im Stress. Nur der Presslufthammer in Nachbars Garten. Der stresst mich. Keine Ahnung, was die da treiben. Drückt mir die Daumen, dass die bald fertig sind!

Lesung auf Schloss Friedewald

Die Nervosität war groß, als ich mich am 13. Juli mit einem Auto voller Bücher auf den Weg nach Friedewald machte. Im Vorfeld hatte ich sehr mit mir gerungen, ob ich dieses historisch angehauchte Kleid nun anziehen soll oder nicht. „Wenn du es nicht tust, wirst du es den Rest deines Lebens bereuen“, lautete das ausschlaggebende Argument. Also habe ich es gewagt und es nicht bereut.
Zum Glück bin ich ein Mensch, der lieber zu früh als zu spät kommt, denn auf der Strecke gab es eine Straßensperrung und ich erreichte mein Ziel zwar über Umwege, aber pünktlich. Ich wurde herzlich von den Organisatorinnen der GeschichtsWerkstatt Hachenburg e.V. begrüßt, baute meinen Büchertisch auf und machte einen Soundcheck, während die Besucher eintrudelten.

Für die Lesung hatte ich mir größtenteils Szenen ausgesucht, die im Schloss spielen, denn wie oft hat man bitte die Gelegenheit, am Originalschauplatz zu lesen? Es war märchenhaft, sich umdrehen zu können und zu sagen: „Aus dieser Tür dort kommen sie jetzt.“ Oder: „Hier an dem Brunnen gehen sie vorbei zu dem Turm da drüben.“ Die Zuhörer lauschten wirklich gespannt, obwohl ich zwischendurch das Gefühl hatte, dass einige Passagen zu lang waren. Davon war beim Feedback aber nicht die Rede, ganz im Gegenteil. Ich wurde sehr gelobt für meine Vorlesekünste, die ich über viele Jahre an meinen Kindern trainiert habe.

Lediglich die Ameisen haben mich auf eine harte Probe gestellt. Während des Aufbaus hatte ich wohl gesehen, dass auf dem Rednerpult eine Ameise unterwegs war, aber was das für mich bedeutete, wurde mir erst klar, als ich losgelegt hatte. Ameisen sind in der Regel nicht allein. Ich kann euch sagen, es ist extrem herausfordernd, einen Text fesselnd vorzutragen, während einem kleine Tierchen die Beine hochkrabbeln. Da ich hinter meinem Rednerpult nur wenig Bewegungsfreiheit hatte, konnte ich sie auch nicht unbemerkt abstreifen. Dementsprechend habe ich das Publikum über meine Gefahrenlage informiert, was zu einiger Erheiterung führte. Etwas später saß eine Ameise plötzlich auf meinem Buch. Keine Ahnung, wie die dahingekommen ist. Gebeamt?

In der Pause gab es zauberhafte Harfen- und Lautenmusik vom Shamrock Duo. Leider habe ich davon nur wenig mitbekommen, da ich von Besuchern belagert wurde. Mit tatkräftiger Unterstützung meines Sohnes fanden etliche – natürlich signierte – Bücher ein neues Zuhause. Im zweiten Leseblock blieb ich von den Ameisen unbehelligt und konnte mich ganz auf die Texte konzentrieren, wobei ich den Zuschauern auch einiges über die Hintergründe des Buches „Die Tochter der Hungergräfin“ mitgeben konnte. Ruckzuck war die Zeit um und ich hatte im Nachgang noch die Gelegenheit, im Schloss Fotos machen zu lassen, denn schon bei meinem ersten Besuch in Friedewald hatte ich dieses Fenster entdeckt, an dem sich das Cover des Buches wunderbar nachstellen ließ.

Die Veranstalter waren sich einig, dass es ein rundum gelungener Nachmittag war. Erschöpft, aber glücklich fuhr ich an diesem Abend nach Hause, reich beschenkt mit außergewöhnlichen Eindrücken.

Alle Fotos von Hanna-Mareike Meyer