Der Mühlengeist – neues Projekt

Während ich noch der Veröffentlichung der Kannenbäckerin entgegenfiebere, sind die Planungen für den nächsten Roman schon in vollem Gange. Der Schauplatz ist diesmal sehr nah an meinem Wohnort – quasi einmal über den Berg. Dort, in Michelbach, gibt es eine Mühle, die seit über 100 Jahren in Familienbesitz ist. Das an sich ist schon interessant, doch für meinen Geschmack noch viel zu nah an der Gegenwart. Glücklicherweise habe ich herausgefunden, dass an dieser Stelle schon im 16. Jahrhundert eine Mühle stand, sodass meiner Geschichte im 17. Jahrhundert nichts im Wege steht.

Herbststimmung im Westerwald

Die Recherche beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Was man da alles wissen muss! Was war der Stand der Mühlentechnik zum Ende des 30jährigen Krieges? Wie waren die Müller eigentlich in der Gesellschaft angesehen? Welche Gesetze gab es? Wie wurde mit Straftaten umgegangen, denn oh Schreck, im Mühlengraben wird eine kopflose Leiche gefunden! Auch mit den Sagen des Westerwaldes beschäftige ich mich, die gerade aus dieser Zeit einige skurrile Schätzchen zutage fördern. Am meisten hat mich dabei aber die Geschichte von dem wilden Mann begeistert, der mit seinen Hunden kopflos um Mitternacht über die Höhen streift und nur Knochen hinterlässt. Der fügt sich perfekt in meine Geschichte ein!

Wenn ich jetzt in Altenkirchen über den Schlossplatz laufe, versuche ich mir vorzustellen, wo das Schloss damals gestanden hat. Auch um die Mühle in Michelbach bin ich schon gestreift und habe versucht, in meinem Kopf die modernen Gebäude mit alten Fachwerkhäusern zu ersetzen. Es ist schon etwas Besonderes, sich so in die Vergangenheit seiner Heimat zu vertiefen.

Mündung des Mühlengrabens in die Wied

Ob man den Roman schlussendlich als historischen Krimi bezeichnen kann, lässt sich noch nicht so genau sagen. Geht es vordergründig um das Verbrechen oder doch eher um die kuriosen Vorkommnisse, die nach der Entdeckung der Leiche auftreten? Oder steht die Hauptfigur Sophie im Fokus, die sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Mannes aus dem Krieg wartet? Mein Kopf brummt schon vor Informationen und ungeschriebenen Szenen, die wie kleine Filme vor meinem inneren Auge ablaufen.

Eines weiß ich: Diese Story wird mich herausfordern, gerade weil sie so vielschichtig ist. Und genau das reizt mich. Schaffe ich es, den Leser auf die falsche Fährte zu locken? Kann ich die Spannung aufrecht erhalten? Werden die dramatischen Schicksale der Figuren sich gut in das Gesamtbild einfügen? Und welche Überraschungen werde ich beim Schreiben erleben? Die meisten Menschen gehen ja davon aus, dass ein Autor sich hinsetzt, sich eine Geschichte ausdenkt und die dann aufschreibt. Das ist nur bedingt so. Meistens entwickeln die Figuren ein Eigenleben, machen was sie wollen und als Autor muss man zusehen, wie man den Sack hinterher zugebunden kriegt.

Das ist vielleicht der Grund, warum eine Freundin neulich zu mir sagte: Du redest über dein Buch, als hätte es jemand anderes geschrieben. Ich kreiere die Figuren nicht, ich lerne sie im Laufe des Schreibens kennen, lache mit ihnen, weine mit ihnen, und sorge dafür, dass ihre Geschichte erzählt wird. Es ist jedes Mal ein aufregendes Abenteuer. Der Schreibstart für den Mühlengeist wird vermutlich um Weihnachten herum liegen – auch wenn ich das erste Kapitel schon geschrieben habe. Aber das war nur ein erster Test, den ich schon fünfundzwanzig Mal überarbeitet habe. Jetzt bietet er mir einen guten Einstieg, sodass ich dann hoffentlich zügig voran komme. Erst muss ich allerdings noch ein Übersetzungsprojekt beenden, denn ich will mich ganz auf diese Geschichte einlassen können.

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