Das Glück der Erde …

… liegt auf dem Rücken der Pferde. In Reiterkreisen wird diese Lebensweisheit ja gern mal abgewandelt in: Das Glück der Pferde ist der Reiter auf der Erde. Aber das nur nebenbei.

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Heute erscheint ein Buch, das nicht nur für mich ein Herzensprojekt ist. Seit 1995 bin ich im Team christlicher Pferdesportler von SRS e.V. aktiv und habe es auch viele Jahre mit geleitet. Pferdebegeisterte Christen aus ganz Deutschland (und angrenzenden Ländern) haben sich hier zusammengeschlossen, um die Liebe Gottes in die Reiterwelt zu tragen. Dies geschieht durch Messeeinsätze, Showvorführungen, Reitertreffs, einen Rundbrief und vieles mehr. Über hundert ehrenamtliche Mitarbeiter bringen sich – teilweise schon über Jahrzehnte – hier ein und haben viel bewegt.

Immer wieder wurde der Wunsch laut, die Dinge, die wir in unserem Alltag mit den Pferden und mit Gott erleben, in einem Buch zusammenzufassen. Wir haben Texte gesammelt, hin und her überlegt, aber letztlich scheiterte das Vorhaben immer am Thema Zeit. Denn ein solches Buch zusammenzustellen und ansprechend zu gestalten, erfordert viel Know-How. Doch dann kam der Francke-Verlag mit der Frage nach einem der Texte auf mich zu, den ich auf meinem Blog veröffentlicht hatte. Ob ich noch mehr solcher Texte hätte. Sie würden gern ein Buch mit Pferdegeschichten herausbringen.

Ihr könnt euch vorstellen, wie meine Augen geleuchtet haben! Wenn das keine göttliche Führung war, dann weiß ich es auch nicht. Jetzt ist es da, dieses Buch, von dem unser Team so lange geträumt hat. Und ganz exklusiv für euch gibt es hier schon mal eine meiner kleinen Geschichten.

Gras

Auf dem Reiterhof, auf dem ich mal gearbeitet habe, gab es zwei Mini-Shetlandponys. Sie waren total süß, aber es war unmöglich, sie innerhalb des Zaunes zu halten. Die Weiden waren mit Stromlitzen eingezäunt und trotzdem spazierten die beiden, sobald das Gras auf der anderen Seite grüner war, fröhlich durch das frische Grün, während ihnen die anderen Pferde neidisch hinterherstarrten. Wir fragten uns alle, wie sie durch den Zaun kamen, denn der Strom war immer eingeschaltet und die Litze nie irgendwo zerrissen. Der niedrigste Draht verlief auch extra unterhalb ihrer Rückenlinie, sodass sie nicht einfach darunter durchmarschieren konnten, wenn sie die Köpfe herunternahmen.

Eines Tages habe ich sie beobachtet. Ich stand genau neben der Batterie, die den Zaun mit Strom versorgte, und traute meinen Augen kaum. Beide Ponys warteten neben dem Zaun und ihre Köpfe nickten in genau dem gleichen Rhythmus wie die Batterie tickte.

Und dann ganz plötzlich, schnell wie der Blitz, duckten sich beide in der Sekunde zwischen zwei Stromschlägen unter dem Draht hindurch. Einer bekam noch einen kleinen Rest Elektrizität ab, aber was machte das schon? Er war durch. Ich konnte sie förmlich kichern hören, während sie sich über das frische Gras hermachten und sich ganz schlau vorkamen.

Sind wir nicht auch manchmal so? Wir warten neben den Begrenzungen unseres Lebens auf die Gelegenheit, einen Vorteil zu erhaschen, von dem wir glauben, dass wir ihn brauchen oder verdient haben. Die Regeln, die uns durch die Gesellschaft oder sogar die Religion auferlegt werden, scheinen uns einzuschränken und uns unsere Freiheit und unser Glück zu rauben. Wir prüfen die Zäune und suchen die Schwachstellen und wenn wir dann hindurchschlüpfen, kommen wir uns sehr schlau vor und sind stolz auf uns.

Es ist egal, ob der Zaun Steuergesetz heißt oder Ehe oder Geschwindigkeitsbeschränkung. Die Konsequenzen unseres Handelns stellen eine Gefahr für uns dar und vielleicht auch für die Menschen um uns herum. Wenn wir der Versuchung eines gutaussehenden Menschen nicht widerstehen können, dann leidet unsere Ehe, auch wenn es nur ein Seitensprung war. Wenn wir zu schnell fahren und einen Unfall verursachen, könnten Menschen sterben. Und wenn wir bei der Steuererklärung schummeln, könnte das irgendwann auf uns zurückfallen.

„Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe“, hat Jesus einmal zu seinen Jüngern gesagt. Und zwar nicht, weil er uns einschränken wollte. Sondern weil er besser weiß, was gut für uns ist, als wir selbst.

Für diese beiden Ponys wäre es deutlich besser gewesen, sie wären nicht durch den Zaun geschlüpft. Sie waren viel zu dick. Aber das haben sie einfach nicht eingesehen.


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