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Immer häufiger begegnen mir in den sozialen Medien KI generierte Posts. Da werden Karikaturen von einem selbst mit ChatGPT erstellt oder Buchtrailer animiert. Ob die Schreiber die Texte selbst verfasst haben oder sie von einem Programm haben schreiben lassen, ist ein Rätsel. Jeder scheint mit KI herumzuspielen und das als lustigen Zeitvertreib zu betrachten.
Als Autorin sehe ich diese Entwicklung sehr kritisch. Meine Texte entspringen zu hundert Prozent meinem Kopf, meinem Herzen und meiner Seele, angereichert mit meinem Weltbild und meiner Lebenserfahrung. Sie sind einzigartig, weil ich einzigartig bin. Kein anderer wird genau diese Worte wählen, genau diese Empfindungen auf genau diese Weise ausdrücken. Ich möchte nicht, dass meine Texte dazu benutzt werden, um die KI zu füttern. Dort, wo es mir möglich ist, verwehre ich mich dagegen, weiß aber auch, dass es vermutlich nicht respektiert wird. Aus dieser Haltung verwehre ich mich auch dagegen, Bilder durch KI generieren zu lassen, sei es zum Spaß oder zu Werbezwecken. Denn dahinter stehen unzählige Kunstschaffende, deren Werke ebenso geraubt wurden wie die Texte vieler Autoren, ohne dass sie dafür auch nur ansatzweise entlohnt wurden. Geistiges Eigentum und Urheberrechte werden mit Füßen getreten. Doch das ist nur ein Kritikpunkt.
Glaubst du alles, was die KI sagt?
Als wesentlich gravierender empfinde ich die zunehmende Tendenz, alles zu glauben, was die sogenannte künstliche Intelligenz ausspuckt. In uns ist die Grundüberzeugung verankert, dass ein Computer nur Fakten verarbeitet und daher zwangsläufig alles stimmen muss, was dort herauskommt. Doch KI Programme arbeiten nicht mit Fakten, sondern mit Wahrscheinlichkeiten. Der zugrundeliegende Algorithmus erkennt nicht, ob etwas korrekt oder falsch ist. Er errechnet die größte Wahrscheinlichkeit, mit der eine bestimmte Wortfolge auftritt oder bestimmte Bilddaten zueinanderpassen. Ob das Ergebnis stimmt oder nicht, interessiert das Programm nicht. Hinzu kommt, dass beim Zugriff auf die verfügbaren Daten nicht geprüft wird, ob diese der Wahrheit entsprechen oder nicht. Das Ergebnis wird im Fachjargon „Halluzinationen“ genannt und ist ein Problem, das die Programmierer von ChatGPT & Co. noch nicht lösen konnten. Platt gesagt: Die KI lügt. Sie präsentiert dir nicht, was wahr ist, sondern was du höchstwahrscheinlich sehen willst.
Der Begriff ‚künstliche Intelligenz‘ ist irreführend
Eigentlich müssten die Programme „Wiederkäuer“ genannt werden, denn sie sind alles, nur nicht intelligent. Bloß weil sie in der Lage sind, in rasender Geschwindigkeit das Internet zu durchforsten, heißt das noch lange nicht, dass sie etwas verstehen oder beurteilen können. Sie können nur das wieder ausspucken, womit sie vorher gefüttert wurden. Und hier liegt die große Gefahr der Manipulation. Wer füttert die KI? Womit wird sie gefüttert? Welche Interessen verfolgen die Personen, die sie füttern? Was ist ihre Haltung, ihre Ethik? Besitzen sie überhaupt Ethik oder geht es nur um Profit? Oder sogar um Sabotage? Und wenn die KI aus den Prompts und Suchanfragen lernt, die ihr gestellt werden, wie verschieben sich die Ergebnisse? Wie verschiebt sich dadurch unsere Wahrnehmung und Realität? Spätestens seit Corona wissen wir, wie gefährlich es ist, wenn Menschen in eine Informationsblase rutschen, die sich selbst immer neu bestärkt und jegliche Kritik als Angriff abwehrt. KI befeuert diese Entwicklung, und zwar ohne, dass die Mehrheit der Nutzer es merkt. Denn wer macht sich schon die Mühe, Dinge zu hinterfragen oder auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen?
KI schadet dem Klima
Und dann ist da noch die Tatsache, dass die riesigen Rechenzentren, die zum Betreiben von KI benötigt werden, unglaubliche Mengen an Strom verbrauchen und sehr viel Wärme produzieren. Wer sein Rechenzentrum schlau plant, kann energieeffiziente Prozessoren verwenden, sein Gebäude oder die Umgebung direkt mit Solar- oder Windenergieanlagen spicken und möglicherweise sogar die Abwärme in ein Fernwärmenetz einspeisen. Schlau planen ist allerdings nicht sehr weit verbreitet. Die Kühlung der Prozessoren kann locker 50 % des Stromverbrauchs ausmachen und der wird nicht selten aus Kraftwerken gedeckt, die viel Kühlwasser benötigen. Wie viel ist regional stark unterschiedlich. Man kann also nicht pauschal behaupten, es wäre überall ein Problem, aber man sollte das Thema nicht unter den Tisch kehren. Auch hier lohnt sich übrigens das genauere recherchieren, anstatt irgendwelche Panikmache-Artikel blind zu übernehmen.
Benutze ich also gar keine KI?
Ich wünschte, ich könnte ’nein‘ sagen, aber das wäre gelogen. Es gibt einen Bereich, in dem ich mich der KI nicht entziehen kann, weil sie mein Leben unglaublich erleichtert: Recherche für meine Romane. Beim Schreiben ploppen immer wieder sehr konkrete Fragen auf, für deren Beantwortung ich früher stundenlang suchen musste. Zum Beispiel die Frage, welche Route die Jubiläumsparade von Queen Victoria im Jahr 1887 genommen hat. Oder ob Rechtsanwälte in London im 19. Jahrhundert samstags gearbeitet haben. Diese Fragen in die Suchmaschine eingeben zu können und direkt eine Antwort zu bekommen, beschleunigt meinen Schreibprozess massiv. Ich lasse mir gern relevante Links anzeigen, um die Antwort noch einmal zu prüfen, aber ja, ich nutze KI. Aber nicht für kreative Arbeiten. Auch meine Übersetzungen lasse ich von keinem Programm machen. Ich habe es ausprobiert und bin schier verzweifelt. (Mehr zu diesem Thema findest du hier.)
Kreativität braucht eine Seele
Natürlich gibt es Menschen, denen es schwer fällt, Texte zu formulieren. Sie sind heilfroh, wenn ein künstlicher Schreibassistent den Brief oder die Mail für sie schreibt. Das ist für mich völlig okay. Aber Gedichte, Geschichten, Bilder und Musik brauchen einen Menschen, der sie entwirft, der ihnen aus sich und seiner Seele heraus Leben einhaucht, um damit die Seelen anderer Menschen zu berühren. Eine Maschine kann das nicht.
Wir werden als Gesellschaft innerlich verkümmern, wenn wir unsere Kreativität einem Computer überlassen. Und wir werden immer misstrauischer und ängstlicher werden, weil wir uns nicht mehr sicher sein können, ob das, was wir dort sehen, wirklich echt ist. Deepfakes sind ein Problem, das KI erst möglich macht.
KI-freie Zone
Meine Bücher, meine Social Media Posts, meine Übersetzungen und meine Bilder wurden zu 100 % von mir oder mit Beteiligung von anderen kreativen Menschen erstellt, zwar am Computer, aber nicht durch den Computer. Darauf gebe ich Dir mein Wort.
Recently I’m seeing more and more AI generated posts on social media. People let ChatGPT create caricatures of themselves or animate book trailers. Whether the writers have written the texts themselves or had them written by a computer program remains a secret. Everyone seems to be playing with AI as a fun pasttime.
As an author, I regard this development very critically. My texts are one hundred percent my own, born in my mind, my heart and my soul and filled with my world view and experience. They are unique because I am unique. No one else will choose these exact words or will express these sentiments in just this manner. I don’t want anyone to feed AI with my texts. Wherever it is possible, I object to it, knowing full well that it probably won’t be respected.
From this standpoint I also object to pictures being generated by AI, be it for fun or for marketing reasons. Because behind it are innumerable artists whose works have been stolen just like the texts of many authors without getting even remotely reimbursed for it. Intellectual property and copyrights are being spurned. But that’s just one point of my criticism.
Do you believe everything AI says?
What I regard as even more serious is the increasing tendency to believe everything the so-called artificial intelligence coughs up. Deep within us, the conviction is rooted that a computer only processes facts and that therefore everything it produces must be right. But AI programmes don’t work with facts, they work with propabilities. The underlying algorithm doesn’t know whether something is right or wrong. It merely calculates the highest propability in which a certain word sequence occurs or specific picture data fit together. Whether the result is correct or not, the programme couldn’t care less. Additionally, there’s no verification whether the used data reflects the truth or not. The result is called „hallucination“ and is a problem that the programmers of ChatGPT & Co. have yet to solve. Bluntly stated: AI lies. It doesn’t show you the truth, it shows you, what you most likely wish to see.
The title „artificial intelligence“ is misleading
The programmes should be called „ruminants“ because they are everything but intelligent. Just because they are capable of rooting through the internet at mindboggling speed doesn’t mean they are able to understand or assess anything. All they can do is regurgitate that which they’ve been fed. And here lies the great danger of manipulation. Who feeds AI? What is it being fed with? What are the interests of the persons feeding them? What is their attitude, their ethics? Do they even possess ethics or are they only interested in profit? Or even sabotage? And if AI is learning from prompts and the questions being put to it, how do the results shift? How does this lead to a shift in our perception and reality?
Since Corona at the latest, we know just how dangerous it is when people slip into a bubble of information which keeps reinforcing itself and deflects any criticism as an attack. AI fuels such a development, mostly without the majority of users taking note of it. Because who bothers to question things or even to check whether they are true or not?
AI harms the climate
And then there’s the fact that the gigantic data processing centres necessary to run AI require enormous amounts of energy and produce large amounts of heat.
Those who plan their data processing centre wisely, can use energy efficient processors, dot their buildings or the surrounding area with solar or wind energy plants and even feed waste heat into a district heating system. Wise planning, however, isn’t very wide-spread. Cooling of processors can easily require 50 % of the energy needed, which is often covered by power plants that use cooling water. How much they use depends on the region. It’s wrong to state it’s a general problem, but one shouldn’t ignore it, either. Another example for a topic that’s worth researching more closely instead of blindly sharing panicmongering articles.
So don’t I use any AI whatsoever?
I wish I could say ’no‘, but it would be a lie. There is one area where I can’t resist AI because it makes my life so much easier: research for my books.
In the writing process, specific questions tend to pop up, for the answers of which I used to search myself silly for hours in the past. Like the question which route Queen Victoria’s jubilee parade took in 1887. Or whether lawyers in 19th century London used to work on Saturdays. Being able to type these questions into the search engine and to get an immediate answer speeds up my writing process immensely. I like to ask for relevant links to check the result, but yes, I do use AI, though not for creative purposes. My translations are also done without a programme. I’ve tested it and have sheer gone mad. (You’ll find more on this topic here.)
Creativity needs a soul
Of course, there are people who find it hard to phrase a text. They are glad to have an artificial helper who will write that letter or mail for them. Which is fine by me.
But poetry, stories, paintings and music require a human being to create them, who will breathe life into them out of their heart and their soul to touch the souls of other human beings. A machine isn’t capable of doing that. We as a society are going to wither away inwardly if we leave our creativity up to a computer. We will grow ever more distrustful and fearful because we’re never certain anymore if that which we see is real. Deepfakes are a problem that’s only possible through AI.
AI-free zone
My books, my social media posts, my translations and my pictures were 100 % created by me or in cooperation with other creative human beings. They may have been produced with a computer, but not by a computer. You have my word on that.