Lesung auf Schloss Friedewald

Die Nervosität war groß, als ich mich am 13. Juli mit einem Auto voller Bücher auf den Weg nach Friedewald machte. Im Vorfeld hatte ich sehr mit mir gerungen, ob ich dieses historisch angehauchte Kleid nun anziehen soll oder nicht. „Wenn du es nicht tust, wirst du es den Rest deines Lebens bereuen“, lautete das ausschlaggebende Argument. Also habe ich es gewagt und es nicht bereut.
Zum Glück bin ich ein Mensch, der lieber zu früh als zu spät kommt, denn auf der Strecke gab es eine Straßensperrung und ich erreichte mein Ziel zwar über Umwege, aber pünktlich. Ich wurde herzlich von den Organisatorinnen der GeschichtsWerkstatt Hachenburg e.V. begrüßt, baute meinen Büchertisch auf und machte einen Soundcheck, während die Besucher eintrudelten.

Für die Lesung hatte ich mir größtenteils Szenen ausgesucht, die im Schloss spielen, denn wie oft hat man bitte die Gelegenheit, am Originalschauplatz zu lesen? Es war märchenhaft, sich umdrehen zu können und zu sagen: „Aus dieser Tür dort kommen sie jetzt.“ Oder: „Hier an dem Brunnen gehen sie vorbei zu dem Turm da drüben.“ Die Zuhörer lauschten wirklich gespannt, obwohl ich zwischendurch das Gefühl hatte, dass einige Passagen zu lang waren. Davon war beim Feedback aber nicht die Rede, ganz im Gegenteil. Ich wurde sehr gelobt für meine Vorlesekünste, die ich über viele Jahre an meinen Kindern trainiert habe.

Lediglich die Ameisen haben mich auf eine harte Probe gestellt. Während des Aufbaus hatte ich wohl gesehen, dass auf dem Rednerpult eine Ameise unterwegs war, aber was das für mich bedeutete, wurde mir erst klar, als ich losgelegt hatte. Ameisen sind in der Regel nicht allein. Ich kann euch sagen, es ist extrem herausfordernd, einen Text fesselnd vorzutragen, während einem kleine Tierchen die Beine hochkrabbeln. Da ich hinter meinem Rednerpult nur wenig Bewegungsfreiheit hatte, konnte ich sie auch nicht unbemerkt abstreifen. Dementsprechend habe ich das Publikum über meine Gefahrenlage informiert, was zu einiger Erheiterung führte. Etwas später saß eine Ameise plötzlich auf meinem Buch. Keine Ahnung, wie die dahingekommen ist. Gebeamt?

In der Pause gab es zauberhafte Harfen- und Lautenmusik vom Shamrock Duo. Leider habe ich davon nur wenig mitbekommen, da ich von Besuchern belagert wurde. Mit tatkräftiger Unterstützung meines Sohnes fanden etliche – natürlich signierte – Bücher ein neues Zuhause. Im zweiten Leseblock blieb ich von den Ameisen unbehelligt und konnte mich ganz auf die Texte konzentrieren, wobei ich den Zuschauern auch einiges über die Hintergründe des Buches „Die Tochter der Hungergräfin“ mitgeben konnte. Ruckzuck war die Zeit um und ich hatte im Nachgang noch die Gelegenheit, im Schloss Fotos machen zu lassen, denn schon bei meinem ersten Besuch in Friedewald hatte ich dieses Fenster entdeckt, an dem sich das Cover des Buches wunderbar nachstellen ließ.

Die Veranstalter waren sich einig, dass es ein rundum gelungener Nachmittag war. Erschöpft, aber glücklich fuhr ich an diesem Abend nach Hause, reich beschenkt mit außergewöhnlichen Eindrücken.

Alle Fotos von Hanna-Mareike Meyer

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