Candhûn – Schleier der Anderswelt von Diana Klewinghaus

Fantasy lese ich eher selten. Warum? Mein erster Fantasyroman war ‚Der Herr der Ringe‘ und der hat mich für alle anderen verdorben. Über viele Jahre empfand ich alles, was ich in der Richtung in die Finger bekam, als hoffnungslos inadäquat und nachgemacht. Lange habe ich kein Buch dieses Genres mehr angefasst, doch die Zeiten ändern sich bekanntlich. Auf Instagram findet man ja immer wieder Leseproben oder Textschnipsel von Büchern, so auch von diesem hier. Sie sprachen mich an. Nicht unbedingt, weil ich das Thema so spannend fand, sondern weil die Sprache so schön war. Der Stil von Klewinghaus hebt sich deutlich von der heute oft gepredigten Norm von kurz, einfach und schnörkellos ab. Wortgewaltig und poetisch kommt diese Geschichte daher und nahm mich mit ihrer Poesie gefangen.

Der Anfang verwirrte mich allerdings. Ich konnte die sprunghaften Gedanken von Protagonistin Ella oft nicht nachvollziehen. Alles wirkte oberflächlich und wirr. Wäre das Buch nicht so gut geschrieben, hätte ich es vielleicht nach dem ersten Kapitel zur Seite gelegt. Zum Glück tat ich es nicht, denn dieses Buch wird immer besser, je länger man es liest, und Ellas Verwirrung so darzustellen, dass sie sich auf den Leser überträgt, ist eine Kunst.
Mit Candhûn hat die Autorin eine leicht nachvollziehbare Welt erschaffen, in der es einem nicht schwerfällt, sich zurecht zu finden. Da gibt es Duria, die alles beherrschen und reglementieren wollen, besonders den alten Glauben, dem die Menschen nur noch im Geheimen folgen dürfen. Und dann gibt es die Nordareale, wo die alten Wege aufrecht erhalten werden und die Menschen sich gegen die Unterdrückung durch Duria zur Wehr setzen.

Der schwelende Konflikt und die Beteiligten waren anfangs nicht so leicht zu durchschauen, denn ständig wurden Andeutungen gemacht, die aber nicht erklärt wurden. Besondere Gaben waren im Spiel und ich fragte mich, was es damit auf sich hatte.
Geschickt vermeidet die Autorin es, die Gaben schlicht zu erklären. Vielmehr nimmt sie den Leser mit auf die Reise, bei der Ella ihre Gabe entdeckt, die sie über Jahre unterdrückt hat. So entdeckt auch der Leser Stück für Stück im Geschehen, was sich dahinter verbirgt.
Die Charaktere sind hervorragend dargestellt und werden im Laufe der Geschichte immer klarer, ganz so, als würde man sie näher kennenlernen. Es braucht Zeit und auch so manche Überraschung, um die Tiefen der Psyche, ihre Beweggründe und Verletzungen, Hoffnungen und Ängste zu ergründen.
Manchmal sorgten die epischen Formulierungen für eine Komik, bei der ich mir nicht sicher bin, ob sie beabsichtigt war oder nicht. Ich vermute Ersteres, denn trotz der oft düsteren Stimmungen in der Geschichte durchzieht alles eine angenehme Spur von Humor.

Dieser Roman entfaltet sich Stück für Stück, bis er am Schluss in voller Blüte steht und den Leser mit einem Gefühl der Hoffnung entlässt – und dem Versprechen auf ein Wiedersehen. Denn die Geschichte ist am Ende des Buches gerade erst so richtig in Fahrt gekommen und bedarf einer Fortsetzung, an der die Autorin bereits arbeitet.
Eine absolute Leseempfehlung von mir, denn dieses Fantasy-Epos ist ganz anders als der Herr der Ringe, fesselt aber ebenso mit seiner Mystik.

Alles Weitere findet ihr hier: https://candhun.de/

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