Tag 1

Am 25. und 26. Januar 2025 öffnete die Sayner Hütte in Bendorf-Sayn erstmals ihre Türen für Bücherliebhaber, organisiert vom Kulturwerk rheinland-pfälzischer Schriftsteller e.V. Das Gelände der alten Industriehallen bot ein tolles Ambiente, für die ausgesprochen gut besuchte Messe.
Diesmal war ich schlauer gewesen als in Koblenz letztes Jahr und hatte mir Verstärkung mitgebracht. Zwei Freundinnen hatten sich bereit erklärt, mir jeweils an einem Tag tatkräftig zur Seite zu stehen.

Foto: Beate Meyer
Mit von der Partie war natürlich mein brandneuer Roman Blumen im Schuh. Um ihn entsprechend in Szene zu setzen, hatte ich mir extra ein paar schicke Schuhe ausgeliehen, denn die Treter, in denen ich unterwegs bin, hätten die Besucher wohl eher erschreckt als ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich lebe auf recht großem Fuß und da ich sowieso schon die meisten Menschen um mich herum überrage, verzichte ich gern auf höhere Absätze. Deswegen finden sich bei mir keine so hübschen Schühchen. Anna Hübner vom Blog Annislesewelt, die mit ihrem Zitat auf der Rückseite meines Buches verewigt ist, hat mir allen Ernstes ihre Schuhe per Post geschickt, weil sie so gut zum Buch passen. Unglaublich!
Die Messe wurde vom Ortsbürgermeister Christoph Mohr eröffnet, der nicht nur eine hervorragende Rede über den Wert der Literatur in unserer politischen Gesellschaft hielt und zum Wählen aufrief, sondern sich auch die Zeit nahm, mit jedem einzelnen Aussteller zu sprechen. Kaum gingen die Türen auf, tummelten sich Besucher in der Halle. Mit meinem Platz in der Mitte war ich sofort im Geschehen, durfte Leser begrüßen, Fragen beantworten und reichlich Bücher signieren und in eine neue Heimat entsenden.
Als Verkaufsschlager stellte sich allerdings nicht die Neuerscheinung heraus, sondern die gute alte Kannenbäckerin, was vermutlich der Nähe zum Kannenbäckerland geschuldet war. So tauchten gleich mehrere Mitarbeiterinnen der Bibliothek in Hilgert (Schauplatz meines Romans) auf und erzählten mir, dass sie a) das Buch selbst heiß und innig liebten, b) auch die Besucher der Bibliothek es häufig ausliehen und c) sie sich nichts sehnlicher wünschten als eine Lesung mit mir. Unter solchen Bedingungen ist es schier unmöglich, Nein zu sagen.
In fröhlicher Erinnerung ist mir auch die Begegnung mit einer Dame, die einen Pulli mit der Aufschrift „Keine Angst, die will nur Kekse“ in Krümelmonster-Blau trug. Sie betrachtete noch ganz konzentriert meinen Tisch, als ich sie mit meinem Ausruf „Ich will den Pulli!“ aus dem Konzept brachte. Wir haben herzhaft gelacht und uns über meine Jabando-Reihe ausgetauscht, aber den Pulli hat sie behalten. Kann ich auch irgendwie verstehen.
Am Ende des ersten Tages waren meine Vorräte an Kannenbäckerinnen auf zwei Exemplare geschrumpft, was ich an dem Abend in einem Instagram-Post kundtat, nichtsahnend, dass die Inhaberin meiner Lieblingsbuchhandlung es lesen würde. Prompt stand am nächsten Tag Solveig von der Wäller Buchhandlung mit einem Karton im Arm vor mir. „Alles, was du nicht verkaufst, gibst du mir signiert zurück“, sagte sie und reichte mir ihren Vorrat an Kannenbäckerinnen. Die Frau ist unschlagbar.
Tag 2
Am Sonntag ging es dann noch einmal richtig rund. Deutlich mehr Besucher als am Vortag, dazu die Ehrung der Gewinner des Schreibwettbewerbes für Kinder, der parallel zur Messe ausgelobt worden war, und natürlich im Nachbarhaus die Lesungen, für die ich leider kein Los gezogen hatte. Eigentlich hatte ich selbst einmal über die Messe schlendern wollen, doch das hätte ich am Samstag tun müssen, denn Sonntag war dafür definitiv keine Zeit. Ich war sehr froh, Unterstützung dabei zu haben, die mir das Kassieren abnahm. Zwei Bücher habe ich dennoch erstanden, und zwar vor Messebeginn. Die werde ich bei Gelegenheit gesondert hier vorstellen.
Dass auch Autoren gern lesen, ist kein Geheimnis. Dass allerdings meine Standnachbarin Ute Simon von der Hakunamatata Foundation (ein Hilfswerk für Kinder in Kenia) sich auf meine Tochter der Hungergräfin stürzte, hatte noch einen anderen Grund: Sie ist mit der Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn bekannt.
Hoher Besuch

Foto: Heidi Riebesehl
Es kam, wie es kommen musste. Besagte Fürstin gab sich in der Sayner Hütte ein Stelldichein und meine Tischnachbarin hielt ihr direkt mein Buch unter die Nase. „Das schenke ich meinem Mann!“, rief die entzückt und kaufte direkt ein Exemplar, wobei sie auch darum bat, ein Foto von mir machen zu dürfen. ‚Sei nicht feige‘, dachte ich mir und bat meinerseits um ein Foto. Auch wenn sie keine direkte Nachfahrin meiner Protagonistin ist, ist es schon etwas sehr Besonderes zu wissen, dass mein Roman jetzt seinen Weg ins weit verzweigte Fürstenhaus Sayn-Wittgenstein gefunden hat.
Fazit
Wieder einmal habe ich festgestellt, dass mir solche Messen unglaublich viel Spaß machen. Es ist so faszinierend, wie unterschiedlich die Menschen sind, welche Eigenarten und Lesevorlieben sie haben und wie sie auf Ansprache reagieren. Ich war zwar am nächsten Tag platt wie eine Briefmarke und hatte große Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren, aber die vielen Eindrücke und tollen Begegnungen wogen das allemal auf. So werde ich auch am 5. Oktober wieder in Koblenz mit am Start sein. Merkt euch den Termin schon einmal vor!