
Dieser Titel! Als ich das Buch beim Stöbern in der örtlichen Bücher-Zelle in die Finger bekam, war es um mich geschehen. Gulbranssen? Nie gehört. Die Geschichte spielt in Norwegen und in diesem Setting habe ich noch nichts gelesen, also kam das Buch mit nach Hause. Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich einen weltberühmten Klassiker ergattert hatte!
Wenn ich mir anschaue, was es heute alles für schlaue Tipps gibt, was man beim Bücher schreiben auf gar keinen Fall tun darf, dann hätte dieses Werk kein Klassiker werden können. Die Perspektive wechselt ohne Vorwarnung wahllos dorthin, wo sie gerade gebraucht wird, von einem alten Bären über Hauptfiguren hin zu Nebenfiguren, deren Sichtweise nur einmal relevant ist. Man weiß nicht, in welcher Zeit man sich eigentlich befindet oder wo genau. Irgendwo in Norwegen im 17. oder 18. Jahrhundert, würde ich sagen. Hat es mich gestört? Nein. Kann ich die Geschichte irgendwie zusammenfassen? Ebenfalls nein.
Was ich aber sagen kann, ist, dass sie einen mitnimmt. Zum einen atmet man förmlich norwegische Waldluft beim Lesen. Landschaftsbeschreibungen sind ja nicht jedermanns Sache, aber ich mag sie und hier sind sie sehr atmosphärisch und poetisch in die Geschichte eingeflochten. Sie gehören zum Wesen der Figuren wie ihr Aussehen und Verhalten. Man wird aber auch mitgenommen in die tiefsten Tiefen der menschlichen Seele, ungeschönt und ehrlich. Wenn ich ein Wort finden müsste, das dieses Familiendrama zusammenfasst, dann wäre es ‚gewaltig‘. Egal, ob Natur, ob Schicksalsschläge, ob Charakterentwicklung oder Glaubensfragen, hier plätschert nichts oberflächlich dahin. Kein Wohlfühlroman-und vermutlich habe ich mich genau deswegen hier extrem wohlgefühlt. Es gibt noch ein drittes Buch (in diesem sind zwei Bände enthalten), das ich unbedingt noch lesen muss. Ich kann nur immer wieder sagen: Ich liebe Klassiker. Falls jemand Band 3 im Regal stehen hat und nicht mehr braucht, darf er sich gerne bei mir melden.