
Auf der Suche nach neuem geistlichen Futter wurde ich auf dieses Buch hingewiesen, dessen Titel mich direkt neugierig machte. Randy Alcorn erläutert hier anhand vieler Bibelstellen und Zitate von anderen Autoren seine Sicht auf das, was nach dem Tod auf uns zukommt. Ein spannendes Thema, das wir wohl in diesem Leben nicht abschließend klären können. Trotzdem lohnt es sich meines Erachtens, sich gedanklich mit dem Leben nach dem Tod zu befassen.
Wie in vielen christlichen Ratgebern dieser Art lässt sich auch hier das Buch in einer Gesamtaussage zusammenfassen, was mich massiv nervt und der Grund ist, warum ich normalerweise die Finger von diesen Büchern lasse. Seite um Seite wird der immer gleiche Tenor ausgebreitet, mal von diesem, mal von jenem Blickwinkel beleuchtet, aber grundsätzlich wiederholt sich ab Seite drei alles. Das führte dazu, dass ich weiter hinten im Buch die Kapitel mehr oder weniger quergelesen habe, da ich nichts Neues mehr erwartete. Es kam auch nichts.
Im Himmel ist alles genauso wie auf der Erde, nur besser.
Die erwähnte Grundaussage ist folgende: Im Himmel ist alles genauso wie auf der Erde, nur besser. Der Autor geht zunächst auf einige irrige Vorstellungen über das Jenseits ein, die mir in der einen oder anderen Form bereits begegnet sind. Wer glaubt, er wird als Engel im weißen Kleidchen auf einer Wolke sitzen und Harfe spielen, findet hier sicherlich einige Augenöffner. Da ich dieser Vorstellung aber nie aufgesessen bin, war dieser Teil für mich nicht sehr erhellend.
Trotzdem bin ich froh, mich mit der Thematik noch einmal kritisch auseinandergesetzt zu haben, denn dadurch kamen mir selbst neue Gedanken, die ich sonst nicht gehabt hätte. Vor diesem Hintergrund kann ich das Buch durchaus empfehlen, solange man es kritisch liest und nicht alles für bare Münze nimmt. Der Autor sagt aber auch selbst, welche Annahmen er aus welchen Gründen trifft. Für meine Begriffe lehnt er sich da etwas weit aus dem Fenster und nimmt einige Passagen aus der Bibel etwas zu wörtlich.
Symbolik und Grundlagen der jüdischen Tradition werden außer Acht gelassen
Es gibt zwei Dinge an den Thesen des Autors, die mich gestört haben. Zum einen lässt er die jüdische Tradition, auf der die Aussagen der Bibel beruhen, völlig außer acht. Es hat mich dazu bewogen, in dieser Richtung selbst zu recherchieren. Damit bin ich noch lange nicht fertig. Die Thora und die Propheten stecken voller Symboliken, die sich auch in der Offenbarung des Johannes fortsetzen. Vieles davon ist für uns als Christen ohne jüdischen Hintergrund unbekannt, weswegen wir manche Dinge völlig falsch interpretieren. Es ist jedoch interessant zu erfahren, dass auch die jüdischen Gelehrten sowohl zu Jesu Zeiten als auch heute sich nicht einig sind, wie genau die Auferstehung der Toten vonstatten geht und wie die neue Schöpfung Gottes aussehen wird.
Randy Alcorn betont immer wieder, dass wir körperlich auferstehen werden (ja, das steht so in der Bibel, wir werden keine Geister sein) und dass deswegen alles auf der neuen Erde genauso sein muss wie auf der alten. Nur besser, weil es ja keine Sünde, keinen Tod und kein Leid mehr gibt. In diesem Punkt empfinde ich seinen Ansatz als sehr fantasielos, obwohl er am Anfang des Buches den Leser auffordert, beim Nachdenken über den Himmel die Fantasie zu benutzen. Dies ist die zweite These, bei der ich nicht mitgehen kann. Ein Himmel voller Großstädte mit Autos und Computern, Sportstadien und Fabriken (die natürlich nicht mehr klimaschädlich sind)? Ein Himmel mit den gleichen Ländergrenzen und Völkern, nur ohne Kriege? Ein Himmel, in dem Raum und Zeit genauso weiterbestehen, wie wir es kennen, nur ohne Ende?
Es tut mir leid, wenn ich das so sage, aber in den Himmel möchte ich nicht. Es kann sein, dass es ihm und sicherlich vielen anderen Menschen Trost spendet, sich den Himmel so vorzustellen, mir jedoch nicht. Hier verstehe ich die Aussagen in der Offenbarung tatsächlich eher symbolisch, wenn dort steht „die Könige der Völker werden ihre Reichtümer in das neue Jerusalem bringen“. Denn wenn ich mir ansehe, wie Jesus mit Menschen umgegangen ist, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es solche Hierarchien, wie wir sie gewohnt sind, im Himmel noch geben wird. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. So sollte man auch das Buch verstehen: Es ist die persönliche Meinung des Autors und der Leser darf sich davon mitnehmen, was ihn ermutigt.
Fazit
Als Gedankenanregung kann ich dieses Buch empfehlen. Für mich nehme ich beispielsweise die Hoffnung mit, dass ich eine Ewigkeit zur Verfügung haben werde, alle Wunder der neuen Schöpfung Gottes zu entdecken. Für jemanden wie mich, der sich schon an den Wundern dieser Schöpfung kaum sattsehen kann, ist das definitiv mehr als ein Hoffnungsschimmer. Was für mich aber immer im Vordergrund stand und auch nach der Lektüre noch steht, ist die Gewissheit, bei Gott sein zu dürfen. Der Autor hebt dies auch oft hervor, trotzdem wirkte es auf mich, als würde er der Begegnung mit geliebten Menschen und dem Fortführen der menschlichen Errungenschaften mehr Bedeutung beimessen – zumindest was seine persönliche Hoffnung angeht. Allerdings musste ich sehr lachen, als er beschrieb, wie er in der Ewigkeit ein Steak auf den Grill legt – da hat er wohl nicht ganz zu Ende gedacht. Wo kein Tod ist, ist auch kein Steak.