Meine Hauptquelle für die Entdeckung neuer Bücher / Autoren ist die Buchbubble bei Instagram, das werden aufmerksame Blogleser inzwischen bemerkt haben. Viele Autoren posten dort mehr oder weniger regelmäßig Auszüge aus ihren Werken (ich übe das noch), mal einen kurzen Abschnitt, mal nur einen Satz. In den allermeisten Fällen lese ich diese Auszüge, zucke mit den Schultern und scrolle weiter. Einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Sätze vermitteln selten ein Gefühl für die Story. Das war bei Anne Goldberg anders. Ihre Textschnipsel sprachen mich an, genauso wie der locker-flockige, bissig-humorige Stil ihrer sonstigen Posts. Als sie dann auch noch schrieb, dass sie oberflächliche Romanzen sterbenslangweilig findet und deswegen Bücher mit Tiefgang schreibt, die sie selbst gern lesen würde, hatte ich das Gefühl, eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Den ersten Teil der Remember when Reihe habe ich gekauft, ohne ins Buch reinzulesen, was sonst bei mir ein absolutes Muss ist. Es war kein Fehler. Ich bin in die Story eingetaucht und war sofort zuhause. Hier erst einmal der Klappentext:
„Eine Minute und zwölf Sekunden. Ich bin eine Minute und zwölf Sekunden lang tot gewesen.“
Vor acht Monaten riss ein schwerer Unfall Maggie aus ihrem Leben. Seitdem kämpft sie sich durch eine neue Realität aus Schmerzen und Selbstzweifeln – bis sie Thomas begegnet. Anders als ihre Familie behandelt der charmante Hotelmanager sie nicht wie etwas Zerbrechliches. Mit seiner Zuneigung gibt er ihr das Gefühl zurück, begehrenswert zu sein.
Dabei trägt Thomas seit Monaten selbst schwere Schuldgefühle mit sich herum. Als er Maggie begegnet und sieht, wie stark die junge Frau ihr Schicksal meistert, wird er von seinen Gefühlen überwältigt. Aber wie nah darf er ihr sein, ohne alte Wunden wieder aufzureißen? Und wie viel Zeit bleibt ihm, ehe seine Geheimnisse ans Licht kommen?
Maggie und Tom haben Charakter. Sie wirken real, haben ihre Ecken und Kanten, zeigen ihre oft widersprüchlichen Gefühle für den Leser nachvollziehbar aus ihrer jeweiligen Perspektive und man lacht und leidet mit, weil sie einfach so endlos sympathisch sind und so tapfer mit ihren Problemen kämpfen. Es ist schön, wenn man so ein Buch liest und sagen kann: Die Protagonistin ist so ganz anders als ich, aber ich konnte sie so gut verstehen!
Maggie ist starrsinnig, explosiv und gleichzeitig voller Selbstironie, was mich oft zum Lachen gebracht hat. Trotz des wirklich schweren Themas von Rehabilitation nach einem fast tödlichen Unfall empfand ich das Buch nicht als schwermütig, im Gegenteil. Es steckt voller Hoffnung, Lebenswillen und Romantik.
Tom bildet den ruhigen Gegenpol zu Maggie. Der vielleicht letzte Gentleman Englands ist mir sehr ans Herz gewachsen, denn ich stehe auf diese netten, liebevollen Männer. Von denen sind in meinen Romanen ja auch einige zu finden. Aber auch er hat eine Vergangenheit, die ihm zu schaffen macht und ihn sich sehr vorsichtig an die Beziehung mit Maggie herantasten lässt.
Und dann kommt da mittendrin eine Wendung, die mich echt umgehauen und total begeistert hat. Leute, das ist der Hammer und ich werde natürlich NICHT spoilern! Kauft euch dieses Buch, lest dieses Buch. Wenn ihr meine Bücher liebt, werdet ihr auch dieses hier lieben.
Handwerklich gab es ein paar Kleinigkeiten, die mir als Autorin aufgefallen sind, zum Beispiel ein Kapitel, in dem Maggie andauernd den Kopf geschüttelt hat. Nach dem dritten oder vierten Mal habe ich mich gefragt, ob ihr nicht langsam schwindelig wird. Ansonsten konnte ich die Autorenkrankheit des Analysierens beim Lesen bei diesem Buch allerdings größtenteils ablegen, was ebenfalls für das Buch spricht. Wenn sich zu viele stilistische oder – Gott bewahre – Grammatik- oder Rechtschreibfehler einschleichen, komme ich dagegen nicht an. Ich kann das dann nicht mehr ausblenden und die Story genießen. Diese Story habe ich in vollen Zügen genossen und kann sie ohne Bedenken empfehlen. Möglicherweise ist es sinnvoll, einige Taschentücher in der Nähe zu haben.
