… auch wenn es sinnfrei erscheint. So wie ich gestern. Nun, einen Sinn hatte mein Tun schon, denn in unserem Garten war ein Zwetschgenbaum an einer sehr ungünstigen Stelle wild gewachsen. Grundsätzlich nehme ich Einwanderer in meinem Garten sehr freundlich auf, aber dieser Geselle musste nun doch weichen, weil er meinem Gemüse das Licht nahm. Außerdem kränkelte er.
Jeder vernünftige Mensch (wie mein Mann zum Beispiel) hätte die Kettensäge herausgeholt und das Stämmchen in fünf Minuten umgelegt. Ich hatte mir jedoch in den Kopf gesetzt, diesen Baum mit der Axt fällen zu wollen. Einfach nur, weil ich das noch nie getan habe. Mit der Prozedur hatte ich mich für meinen Roman ‚Das Holz, aus dem wir geschnitzt sind‘ ausführlich beschäftigt und wusste daher auch um die Gefahren, die in diesem Fall bei nur zweieinhalb Metern Stammhöhe und höchstens zwanzig Zentimetern Durchmesser überschaubar waren. (Die Krone hatte ich vorher schon gestutzt.) Aber wie fühlt es sich an? Und schaffe ich das überhaupt?

Ich habe es geschafft und circa eine Stunde dafür gebraucht. Zwischendurch war ich dreimal kurz davor, aufzugeben und den Mann mit der Kettensäge doch noch zu rufen. Bäume mit der Axt zu fällen ist echt anstrengend, vor allem wenn man wie ich eigentlich kaum Kraft hat, keine Übung und die Hälfte der Schläge nicht gut treffen. Aber die Schläge, die satt gesessen haben, erfüllten mich mit einer unglaublichen Zufriedenheit. Holzstücke flogen in alle Richtungen. Ich erreichte den dunklen Kern des Stammes und wusste, jetzt muss ich öfter Pause machen und prüfen, wie stabil der Baum noch steht. Und dann merkte ich irgendwann, jetzt! Jetzt fängt er an zu wackeln. Zu Fall gebracht habe ich ihn dann nicht mit einem Axthieb, sondern mit Drücken, damit er in die richtige Richtung fällt. Das Knirschen und Krachen des Holzes war sowohl Triumph als auch Bedauern.
Ich liebe Bäume. Vor Jahren habe ich mir einen künstlichen Weihnachtsbaum angeschafft, weil ich beim jährlichen Tannenmassenmord nicht mehr mitmachen wollte. Und so habe ich mich hingehockt und die Hand auf den gefallenen Stamm gelegt und mich still entschuldigt und bedankt für das Holz, das mein Mann jetzt zum Drechseln und Schnitzen verwenden kann. Aus Respekt vor der Schöpfung, derer ich mich bediene. Denn es ist für mich keine Selbstverständlichkeit, dass wir uns an dieser Erde bedienen. Ich bedanke mich auch in Gedanken beim Gemüse, wenn ich es ernte, denn es ernährt mich und geht selbst dabei drauf.
Vielleicht klingt das für dich etwas merkwürdig. Ich denke so bei mir: Wenn die Menschen mehr Respekt vor der Schöpfung hätten, würde unsere Welt vermutlich deutlich weniger Probleme haben. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema, auf das ich jetzt nicht eingehen möchte.
Abends war ich erschöpft, aber stolz. Ich habe es geschafft, mit meinen spärlichen Kräften einen Baum zu fällen. Trotz Blase an der Hand und gewissen Muskelschmerzen hier und da bereue ich es nicht. Ich bin um eine Erfahrung, nein, ein Erlebnis reicher. Wiederholen muss ich es glaube ich nicht. Da mache ich dann vielleicht lieber einen Kettensägekurs. Ist für mich auch was Neues.
Hast du dieses Jahr schon etwas Neues ausprobiert? Oder planst es zu tun?