Die Tochter der Hungergräfin

Die Tochter der Hungergräfin

Die Grafschaft Sayn im Westerwald, Mitte des 17. Jahrhunderts

Behütet wächst Ernestine von Sayn und Wittgenstein hinter den schützenden Mauern des elterlichen Schlosses auf, bis das Schicksal ihr Leben auf den Kopf stellt. Mit dem Tod des jüngeren Bruders endet die männliche Erbfolge und ihre verwitwete Mutter, Gräfin Louise Juliane, sieht sich einer ganzen Reihe von Feinden gegenüber: Die mächtigen Kurfürsten von Köln und Trier erheben ebenso Anspruch auf die Grafschaft wie verschiedene Mitglieder der eigenen Familie.

Gefangenschaft, Hunger und Flucht bestimmen plötzlich das Leben der Gräfinnen, bis sie einen sicheren Hafen erreichen. Von dort aus startet Louise Juliane einen beispiellosen Kampf um das Erbe ihrer Töchter, der bis in die höchsten Instanzen geht. Ernestine steht jedoch vor einer ganz anderen Frage: Wen wird sie gezwungen sein zu heiraten?

Dieser Roman zeichnet das wahre Leben einer außergewöhnlichen Frau nach, deren beeindruckende Haltung auch heute noch zu inspirieren vermag.

Dieses Buch erscheint im November 2022

Auszug aus dem Nachwort des Romans:

Zum Abschluss möchte ich Ihnen, liebe Leser, noch einen persönlichen Eindruck meiner Schreibreise mitgeben. Die Beschäftigung mit dem Thema „Herrschen und Regieren“ im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg hat mir sehr deutlich vor Augen geführt, welche Verantwortung auf den Menschen lastet, die regieren – egal ob sie das mit einem Geburtsrecht tun oder gewählt wurden. Zu allen Zeiten haben die Menschen über ihre Oberhäupter gestöhnt oder sie verehrt und daran wird sich auch in absehbarer Zukunft wohl nichts ändern. Es wird sich auch nicht ändern, dass es Oberhäupter gibt, die dem Volk dienen, und solche, die nur ihren eigenen Vorteil suchen.

Die Szene von Louise Julianes Sieg über alle Widersacher hat mir beim Schreiben Freudentränen in die Augen gejagt. Ich hatte mich so in die Geschichte, in ihre Situation vertieft, dass ich den Jubel selbst spüren konnte – den Jubel über den Sieg ebenso wie über das Ende des Krieges. Mich begleitete den ganzen Tag ein Lächeln. Eine Woche später marschierten Putins Truppen in die Ukraine ein. Ich kann meine Fassungslosigkeit darüber noch immer nicht in Worte fassen. Plötzlich erhält das Thema dieses Buches eine Brisanz, die ich nie für möglich gehalten hätte. Den folgenden Abschnitt schrieb ich lange vorher.

„Alles um uns herum ist Mühsal und Hunger und Leid,“ sagte ich bitter. „Warum lässt Gott all dieses Leid zu? Jahrzehnte lang Krieg, und dann noch die Pest, Heere die alles verwüsten. Müsste er den Fürsten und Königen nicht Einhalt gebieten? Liebt er die Menschen denn nicht?“
„Doch, aber die Menschen lieben ihn nicht. Wer Gott nicht liebt, tut grausame Dinge. Ihm fehlt die warme Stimme der Gewissheit im Herzen, dass die eigenen Opfer geringer wiegen als das Wohl der anderen.“

Jetzt wird er mir zum Gebet – dass Gott einen Weg in die Herzen findet, sowohl der Opfer als auch der Täter. Denn auch das ist Thema dieses Buches. Ich gebe nicht auf.

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